Karlstein: 360.000 Euro für die Burgruine

+
Peter Renoth, der Stellvertretende Leiter des Forstamtes Berchtesgaden, informierte die Besucher bei der Wiedereröffnung der Burgruine Karlstein über die nun abgeschlossenen Arbeiten.

Bad Reichenhall - Die Burgruine Karlstein ist wieder öffentlich zugänglich. Mit einem Festakt an der geräumten Baustelle wurden die Arbeiten offiziell abgeschlossen.

Seit Juli wurde an der gut 850 Jahre alten Burgruine bei Bad Reichenhall gearbeitet. Nach historischem Vorbild und streng im Sinne des Denkmalschutzes hatten die Bayerischen Staatsforsten zunächst rund 300.000 Euro für die Sanierung bereitgestellt. Die Kosten am Ende - inklusive der Sanierung des Weges zur Ruine - belaufen sich nun auf zirka 360.000 Euro. Doch Peter Renoth, Stellvertretetender Leiter des Forstamtes Berchtesgaden, versicherte in seiner Ansprache vor gut 50 Besuchern, die zur Burganlage gekommen waren: "Die Erhöhung liegt nicht an eventuellen Kostensteigerungen, sondern durch nötig gewordene, steigende Leistungen".

Aktuelle Fotos von der Burgruine:

Sanierung der Burgruine Karlstein

Einen Felsen angedübelt

Erst als die Arbeiten im Sommer begonnen hatten, sahen die Verantwortichen teils, was wirklich noch alles zusätzlich zu tun ist. Unter anderem die Absicherung eines Felssporns mit sieben Dübeln am Hauptfelsen. Der Felsen, auf der die Burgruine steht, ist stabil. Dennoch musste der Weg zur Ruine 2010 aufgrund von Steinschlaggefahr gesperrt werden.

Fotos von der Einweihung:

Einweihung der Burgruine

Jetzt wurden Mauern gesichert und mit Putz neu verfugt, dazu morsche Fensterstürze aus Eichenholz erneuert. Letztlich dürfen sich Besucher ab sofort über den neu hergerichteten Weg zur Ruine freuen - er präsentierte sich in den letzten Jahren in marodem Zustand.

Die Kosten erhöhten sich auch, da mehr Wasser als veranschlagt benötigt wurde. Der angedachte Hubschrauber-Einsatz diesbezüglich entfiel aus Kostengründen. Dankenswerterweise sprang daraufhin die Freiwillige Feuerwehr Bad Reichenhall ein. Sie sorgte für einen Schlauch, per Tanklöschfahrzeug wurde das benötigte Wasser zur Baustelle gepumpt. Dies verursachte Kosten in Höhe von 4.322 Euro, die die Stadt Bad Reichenhall übernahm.

Hubschrauber 88 Stunden im Einsatz

Ansonsten wurden 88 Flugstunden mit einem Transporthubschrauber nötig, um Baustellen-Gerätschaften und  Material zur Ruine und abgeschnittenes Holz zu Tal zu bringen. Peter Renoth bedankte sich bei allen, die zum Gelingen des Projekts beitrugen - "bei Wind und Wetter, Regen, Hitze und Kälte". Rechtzeitig vor dem ersten richtigen Wintereinbruch konnten die unfallfreien Arbeiten abgeschlossen werden. Am vergangenen Freitag flog der Hubschrauber zum letzten Mal in Sachen Burgruine Karlstein.

Die baulichen Überreste der ab zirka 1150 von Graf Konrad von Peilstein errichteten Burganlage und deren umgebendes Areal sind in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege verzeichnet. Das Baudenkmal - die Burgruine Karlstein - beinhaltet die Reste einer Höhenburg der Grafen von Peilstein (bis 1218), eine Schildmauer mit Torbogen, Reste der romanischen Burgkapelle St. Andreas, einen Rest des Bergfrieds sowie untertägige mittelalterliche Teile der Ruine.

Wurzeln und Wasser sorgten für raschen Verfall

Im Bodendenkmal gibt es Funde einer Siedlung aus der Bronzezeit sowie der Latènezeit, der römischen Kaiserzeit sowie des Mittelalters. Die Ursachen für den raschen Verfall der Ruine lag einmal im massiven Bewuchs mit meterdicken Wurzeln, die sich bereits weit ins Mauerwerk gefressen hatten. Hauptanteil hatte jedoch eingedrungenes Wasser, das für anschließende Frostsprenungen sorgte. Obendrein war der bei den letzten Sanierungen verwendete Mörtel nicht geeignet, um eine langfristige Erhaltung der alten Mauern zu gewährleisten.

Fünf Jahre Arbeit

Nachdem 1970/71 und 1982 umfassende Sanierungsarbeiten stattgefunden hatten, war der amtliche Denkmalschutz anlässlich eines Ortstermin am 5. August 2010 nun der Auffassung, dass der schlechte Erhaltungszustand der Burgruine Karlstein einen dringenden Handlungsbedarf erkennen ließ. Diesem wurde nun mit den Sanierungsarbeiten Rechnung getragen. Insgesamt nahm die Sanierung - von der ersten Besichtung über die Planung bis hin zu den Arbeiten mit ihrem heutigen Abschluss - rund fünf Jahre in Anspruch.

Unter den Gästen weilte auch Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner sowie die Verantwortlichen der Sanierung: Von den Bayerischen Staatsforsten, von der Stadt Bad Reichenhall, dem Bayersichen Landesamt für Denkmalpflege, der Feuerwehr, den Grundstücksnachbarn, den Ingenieuren, den beteiligten Firmen und nicht zuletzte den Arbeitern, ja sogar den beiden Industriekletterern, die notwendig waren.

Freier Blick in alle Richtungen

Der Blick von der freistehenden Ruine geht Richtung Osten über die St. Pankraz-Kirche nach Bad Reichenhall und Salzburg mit Untersberg, im Westen zum Thumsee, im Norden zu Hochstaufen und Zwiesel sowie im Süden über die Kugelbachalm zum Predigtstuhl. Um Lagerfeuer im Burggelände kündig einzudämmen - "ob wir sie verhindern können, steht in den Sternen", so Renoth -, wurden keine Holzgeländer, sondern Sicherungen aus Metall angebracht.

Der Stadt Bad Reichenhall wird seitens des Forstamtes in Kürze noch eine Dokumentation der Arbeiten für das Archiv übergeben.

bit

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser