Hipp: Vom Büro direkt ins Atelier

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Seit fast zehn Jahren ist Claus Hipp als Dozent an der Kunstakademie Bad Reichenhall tätig.

Bad Reichenhall - Seit über vierzig Jahren lenkt Claus Hipp die Geschicke von Deutschlands führendem Hersteller für Säuglingsnahrung. In der Kurstadt fungiert er als Künstler-Dozent.

Als Nikolaus Hipp ist der 74-jährige Unternehmer auch als Maler eine Größe und unterrichtet regelmäßig an der Kunstakademie Bad Reichenhall - seit zehn Jahren. Wenn Hipp abends seine zweite Schicht einlegt und sich in seinem Atelier nahe dem Bauernhof der Familie im oberbayerischen Pfaffenhofen die Malerschürze umbindet, wird aus dem Geschäftsmann ein Künstler.

Atelier im Forsthaus

Seine Malerausbildung hat er parallel zum Jurastudium an der Münchner Kunsthochschule bei Professor Heinrich Kropp absolviert. „Mein Atelier befindet sich in einem alten Forsthaus. Da störe ich niemanden. Gute Ideen kommen mir nicht jeden Tag und nicht auf Knopfdruck. Aber ich muss ja auch nicht malen, ich darf. Wenn ich davon leben müsste, wäre die Versuchung groß, das zu machen, was der Markt wünscht. Es erfordert sehr viel Tapferkeit, auf wirtschaftlichen Erfolg zu verzichten, um seiner Linie treu zu bleiben“, weiß er.

Jedes Bild fange Claus Hipp zwar schnell mit einem skizzenhaften Entwurf an, werde dann aber immer langsamer: „Ein Bild braucht Zeit“. Seinen Studenten an der Kunstakademie fordert Hipp Konzentration und Einsatz ab. „Ich bin schon sehr streng, aber die Leute wollen ja aus dem Seminar auch was mitnehmen“.

Form wichtiger als Farbe

Nikolaus Hipp, wie er sich als Maler und Lithograf nennt, malt ausschließlich abstrakt. Seine Bilder sind wie Schlaglichter voll satter Farbe. „Wichtiger als die Farbe ist aber die Form. Wenn die nicht stimmt, hilft die ganze Farbe nichts. Aber sie ist natürlich das, was den Betrachter anspricht und muss entsprechend gezielt und gut eingesetzt werden.“

Wenn Claus Hipp morgens in die Firma fährt, macht er jeden Tag einen Abstecher zur barocken Wallfahrtskapelle Herrenrast hinauf und schließt die Pforte auf. Das kleine Gotteshaus hat er vor dem Verfall gerettet und renoviert. „Als er noch Kardinal war, hat mich der jetzige Heilige Vater gebeten, mich als Patron um die Kapelle zu kümmern - und das mache ich.“

„Malerei steckt in uns“

An die eigene Rente denkt Hipp noch nicht, solange er gebraucht werde, mache er es gerne. Auch seine Kinder sind im Familienbetrieb tätig, den Claus Hipp 1967 von seinem Vater übernommen und zum Marktführer für biologische Babynahrung gemacht hat. Kunst hat bei den Hipps seit jeher einen hohen Stellenwert. „Schon mein Vater hat als 14-Jähriger im Glaspalast in München ausgestellt und sein erstes Geld mit Bildern verdient. Davon hat er sich die ersten langen Hosen gekauft. Mein Großvater und Urgroßvater waren auch gute Maler und meine Mutter kam ebenfalls aus einer künstlerischen Familie. Also irgendwie steckt das bei uns drin.“

Bilder ohne Namen

Die Bilder von Nikolaus Hipp sind weltweit in Ausstellungen zu sehen, hängen in Kirchen und öffentlichen Gebäuden. Sie tragen bis auf ganz wenige Auftragsarbeiten keinen Namen, sondern nur Nummern. „Ich möchte dem Betrachter seine eigenen Gedanken lassen, ein Bild entsteht ja erst im Auge des Betrachters“, erklärt er.

Neben Unternehmer und Maler ist Claus Hipp auch noch Musiker, Generalkonsul von Georgien und Bauer. Auf seinem Hof stehen 20 Pferde und 80 Rinder. „Wenn bei uns die Kälber auf die Welt kommen, muss man auch mal in der Nacht aufstehen und mit anpacken.“ Bergbauer zu werden, das hätte sich der umtriebige Geschäftsmann auch gut vorstellen können.

Informationen zur Kunstakademie gibt's im Internet unter www.kunstakademie-reichenhall.de.

kb/bit

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