Bürgerversammlung im Königlichen Kurhaus

Wasserkraft: Zerhäckselte Fische vs. Öko-Strom

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Fotomontage des geplanten Kraftwerks an der Nonner Rampe. Links ist die Rampe für die Fische zu sehen. Das Gefälle wird 2,80 Meter betragen.
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Bad Reichenhall - Die Meinungen gehen auseinander: Bei der Bürgerversammlung zum geplanten Wasserkraftwerk "Nonner Rampe" wurden nicht nur die Pläne, sondern auch allerlei Bedenken publik.

Kein Rohstoffverbrauch, keine Emissionen, regenerativ und darüber hinaus politisch vorgeschrieben: Die Gründe für erneuerbare Energien liegen längst auf der Hand. Wird es aber konkret und werden Projekte vor der Haustüre verwirklicht, kann die Welt schon wieder anders aussehen. Das wurde am Donnerstag bei der Bürgerversammlung im Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall deutlich: Für und Wider zum geplanten Wasserkraftwerk an der Nonner Rampe prallten aufeinander.

Strom für 2000 Haushalte aus dem "Bürgerkraftwerk"

Worum geht's? Stadtwerke und die staatlichen Bayerischen Landeskraftwerke wollen an der Saalach, genauer gesagt an der Nonner Rampe, ein Wasserkraftwerk bauen. In etwa drei Jahren soll das Kraftwerk stehen, die Kosten liegen bei veranschlagten acht Millionen Euro. Man erhofft sich, aus dem Saalachwasser rund fünf Millionen Kilowattstunden jährlich ziehen zu können - etwa 2000 Haushalte in der Kurstadt könnten so mit Energie versorgt werden. Die Reichenhaller selbst könnten sich mit 1000 bis 5000 Euro am Kraftwerk beteiligen, rund fünf Prozent Rendite erhofft man sich vom sogenannten Bürgerkraftwerk.

Die einleitenden Worte stammten nicht nur von den Projektbeteiligten, sondern auch von der Saalachallianz - ausgewiesene Kritiker des geplanten Kraftwerks. Dass Energie aus Wasserkraft unterstützenswert sei, darin war man sich einig. Doch Erich Prechtl von der Saalachallianz blieb trotzdem nichts anders übrig, als das Kraftwerk abzulehnen: Der Fluss sei mit zwölf Querbauwerken allein auf bayerischer Seite schon genug verbaut, die Fische fänden kaum mehr Laichplätze, durch die Turbinen im Kraftwerk drohe vielen der Tod und außerdem sei die Wassermenge der Saalach in den meisten Monaten des Jahres zu gering, um das anvisierte Energieziel erreichen zu können.

Kommen die Fische unbeschadet am Kraftwerk vorbei?

Tatsächlich drehte sich auch in der anschließenden, regen Diskussion viel um das Schicksal der Fische in der Saalach. Die Projektplaner betonten, man habe ausreichend an die Fische gedacht: Die Stäbe des Rechens vor den Turbinen würden im Zwei-Zentimeter-Abstand angebracht, so dass die Fische erst gar nicht hindurchkämen. Außerdem ist seitlich des Kraftwerks eigens eine "Rampe" für die Fische geplant, auf der sie das Kraftwerk passieren können - im Gegensatz zur momentanen Lösung wäre also auch die Durchgängigkeit für die Fische gegeben.

"Diese Rampe für die Fische ist doch nur ökologischer Touch", hieß es dagegen von einem Fischer - "durch den Zwei-Zentimeter-Rechen passen genügend Fische hindurch." Auch wurde bezweifelt, ob die Tiere durch die Turbinen nicht trotzdem "angesaugt" würden, so dass sie ihre "Rampe" gar nicht erst erreichen könnten. Dass kleine Fische durch den Rechen hindurchgelangen werden, mussten die Planer von RMD Consult schließlich zugeben - aber die Fließgeschwindigkeit der Saalach wäre zu gering, dass die Fische förmlich "angesaugt" würden.

Viele Bedenken gegen das Kraftwerk

Andere Bedenken konnten dagegen ausgeräumt werden: Bei Hochwasser hätten Anrainer nichts zu befürchten, da das Wehr, ein sogenanntes Schlauchwehr, auch abgesenkt werden kann, so dass sich nicht zu viel Wasser anstauen kann - daher sprechen die Planer auch von einem "beweglichen Wasserkraftwerk". Auch angeschwemmtes Holz soll sich nicht verkeilen, da es einfach über das Wehr hinwegschwimmen soll - vom Kraftwerk und den Turbinen wird kaum etwas zu erkennen sein, da es sich unter Wasser befindet.

"Jedes Mal wenn ich über den Nonner Steg gehe, trauere ich dem Wasser hinterher, dass so sinnlos die Saalach hinunterläuft. Ich finde es gut, dass das Kraftwerk gebaut werden soll - und um die paar Fische, die dann vielleicht zerhäckselt werden, ist es doch auch nicht schade", auch die Befürworter im Publikum fanden deutliche Worte. Auch wenn die Wortbeiträge mehrheitlich kritisch waren, werden sich die Befürworter wohl freuen dürfen: Nach zwei Jahren Genehmigung, Planung und Ausschreibung soll etwa 2017 mit den Ausführungen begonnen werden. Im Jahr 2018 soll Bad Reichenhall dann eine Energiequelle mehr haben.

xe

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