Wahlmüdes Bad Reichenhall!

Bürgerentscheid: 50,2 Prozent gegen den Tunnel

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Hat heute Abend gut lachen: Reichenhalls Grünen-Fraktionssprecher Michael Nürbauer. Die wählende Mehrheit stimmte gegen den Tunnel - wenn auch knapp. Freilich ist auch der Stadtrat enttäuscht, dass das Quorum nicht erreicht wurde.
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Bad Reichenhall - Das Projekt "Kirchholz- und Stadtbergtunnel" wurde abgelehnt. Der Bürgerentscheid scheiterte auch am Quorum.

Dieses sah eine notwendige Mindeststimmenzahl ("Ja") von 2.844 vor. Doch diesbezüglich kamen nur 2.698 Stimmen zusammen, also 49,8 Prozent. Das nötige Quorum wurde damit um 146 Stimmen hauchdünn verfehlt. Insgesamt waren in Bad Reichenhall heute rund 14.100 Männer und Frauen wahlberechtigt.

Das Ergebnis fiel denkbar knapp aus: 50,2 Prozent oder 2.715 Wählerinnen und Wähler stimmten mit "Nein" und damit gegen einen Tunnel unter dem Kirchholz und dem Stadtberg.

Die Wahlbeteiligung lag mit 38,5 Prozent (11 ungültige Stimmen) im enttäuschenden Bereich. Das sieht auch Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner so: "Wir haben hier eine Pattsituation. Damit liegt der Ball jetzt wieder beim Stadtrat, der gefordert ist, den weiteren Weg zu bestreiten - wie auch immer der dann aussehen mag". Zum geringen Interesse, das das Tunnel-Projekt in der Bevölkerung am heutigen Wahltag hervorrief, äußerte sich der Stadtchef wie folgt: "Das müssen wir so hinnehmen, in aller Ruhe bewerten und uns jetzt überlegen, wie wir weiter vorgehen werden. Offenbar fühlten sich heute nicht viele Bürgerinnen und Bürger angesprochen".

Das ist ein Meinungssignal

Manfred Hofmeister aus Marzoll, der im vergangenen Jahr für die Grünen gegen Dr. Herbert Lackner zur OB-Wahl angetreten war, sprach kurz nach der heutigen Wahl von einem Meinungssignal: "Die Wahlbeteiligung ist enttäuschend. Dennoch ist das Ergebnis mehr als beachtlich und ein großer Erfolg für uns." Hofmeister dankte allen, die trotz des schönen Wetters zur Wahl gegangen waren, sowie allen Unterstützern der zahlreichen Tunnel-Gegeninitiativen.

Nürbauer fordert Bayerisch Gmainer Bürgerentscheid

Wahlbeobachter aus der heimischen Politik.

Grünen-Stadtrat Michael Nürbauer bewertete es als "schwierige Frage", wie es jetzt weitergehen solle. Auch er war nicht gerade amüsiert darüber, dass die Reichenhaller/-innen das Quorum verfehlten. "Nach etlichen Niederlagen im Gremium fühlt sich das Ergebnis für uns dennoch wie ein Sieg an", so der Grünen-Fraktionssprecher. Gleichzeitig ermutigte er die Bayerisch Gmainer Bevölkerung, einen Bürgerentscheid zur Tunnelfrage anzustreben: "Schließlich würde der Großteil der Tunnelstrecke unter ihrem Gemeindegebiet verlaufen".

Die Frage am heutigen Wahl-Sonntag lautete: "Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Bad Reichenhall dafür einsetzt, eine zeitnahe Verwirklichung des Kirchholz- und Stadtbergtunnels zu erreichen"?

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger verfolgten die Auszählung im Großen Rathaussaal. Via Beamer wurden die Zwischenergebnisse von Stadt-Mitarbeiter Franz Schmid auf eine große Leinwand projiziert. Das Endergebnis stand gegen 19 Uhr fest.

Wahlergebnis kippte stark

Nach Ausählung des ersten Wahlbezirks (Marzoll) lautete das Zwischenergebnis 24,8 Prozent "Ja", 75,2 Prozent "Nein". Als dann die weiteren Ergebnisse eintrudelten kippte das Resultat immer mehr: Nach drei Wahlbezirken hieß es nur noch 35,3 Prozent "Ja, 64,7 Prozent "Nein", nach fünf Wahlbezirken stand das Verhältnis bei 46,7:53,3 Prozent, am Ende bei 49,8:50,2 Prozent. Insgesamt gab es sieben Wahlbezirke plus die Briefwähler - 1.225 Bürgerinnen und Bürger nützten diese Möglichkeit der Abstimmung.

Fotos vom Golling:

Bürgerentscheid "Tunnel" - Bilder vom Golling

Fotos von der Sonderbürgerversammlung:

Sonderbürgerversammlung in Bad Reichenhall

Video Tunnel-Befürworter:

Video Tunnel-Gegner:

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