Der Fotograf war am schwierigsten

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Reichenhalls 1. Feuerwehr-Kommandant Andreas Gabriel ist mit dem Ergebnis seines Portraits sichtlich zufrieden.

Bad Reichenhall - Bis Sonntag können Menschen andere Menschen sehen: Im Rahmen der Foto-Ausstellung von Christoph Strom, der Reichenhaller Bürger in ihrer Umgebung portraitierte.

Die Abgelichteten durften jenen Raum, in dem sie fotografiert werden wollten, selbst bestimmen: "Die meisten wählten ihren Arbeitsplatz", stellte Vernissage-Laudator Axel Brötzner, ein guter Freund des Fotografen, fest. 51 Bilder, darauf 70 Menschen, jedes für sich individuell gestaltet. Es sind nicht nur Fotos: Top arrangiert, gestellt ja, gestylt oder künstlich nein.

Bis zu den Hüften im Wasser

Gut 70 Menschen, aus Bad Reichenhall, die mitmachten - manchmal dauerte es keine zehn Minuten, einmal Stunden: Ausgerechnet das Portrait mit Rudolf Schicht, selbst Fotograf, wollte irgendwie nicht so recht klappen. "Am Ende stand ich bis zur Hüfte im Wasser", lacht Christoph Strom heute, wenn er an die Aufnahmen vom 7. November 2011 im Bayerisch Gmainer Schilfgürtel zurückdenkt.

Fotos von der Vernissage:

Fotoaustellung von Christoph Strom eröffnet

Drei Jahre benötigte der 47-jährige Bayerisch Gmainer, um sein Buch "MENSCHEN in Bad Reichenhall" zu seiner Zufriedenheit abzulichten. "Zu Beginn liefs prächtig, viele Freunde und Bekannte waren bereit, mitzumachen". Doch dann stockte der Fluss ein wenig, es ging zäh weiter, schließlich gab es doch noch ein in den Niederlanden gedrucktes Hochglanz-Happyend.

Das Wolle-Bild "gewinnt"

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Christoph Strom: "Eher Handwerker als Künstler"

Das fertige Werk zeigt eine umfangreiche Bandbreite an Persönlichkeiten - von den Reichenhaller Kinobetreibern Max Berger und Josef Loibl, über Schuhmacher Slobodan Mijalkovic oder Maskenbildnerin Verena Böhm und Andreas Frommelt, dem Wirt des Reichenhaller Hauses am Hochstaufen, bis zu Gertraud Els-Wies, deren Wollgeschäft in der Fußgängerzone es nicht mehr gibt. Dafür avancierte das bunteste Werke zum ungekürten Siegerbild der rund 100 Besucher am Vernissage-Abend. Es wurde auch beim bundesweiten Fotowettbewerb "Objektiv 50" prämiert. "Dieses Bild ist einfach der Hammer", lobte Reichenhalls 1. Feuerwehr-Kommandant Andreas Gabriel, der selbst vor seiner Wache in der Reichenbachstraße "Modell stand".

Bild mit Musik

Der Künstler selbst, der sich eher als Handwerker versteht, hat einen anderen Favoriten, der ihm in seinen Augen besonders gelungen ist: Das Bild mit Cellistin und Cellolehrerin Monika Gaggia - "darin steckt einfach viel Musik", so Strom durchaus zufrieden. Sein ältester "Mandant" war zum Zeitpunkt der Aufnahmen 88 Jahre alt, die jüngste acht. Dazwischen Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, allein im schmucken Sitzungssaal des neuen Rathauses: Viel Raum drumrum, eine Aufnahme, die wirkt, ganz tief, ganz ruhig, dank millimetergenauer Symetrie.

Eindeutiges Lieblingsbild der Vernissage-Besucher: Gertraud Els-Wies in ihrem Wollgeschäft.

Für die dreitägige Ausstellung hat Christoph Strom - seine Frau Kerstin betreute den Bücherstand während der Vernissage - alle Bilder selbst auf Fotopapier abgezogen und mit den Daten der Portraitierten sowie deren Aussagen versehen. Auf einem Fragebogen waren die Fragen nach den Vor- und Nachteilen Bad Reichenhalls zu beantworten. Die Antworten hielten sich zum größten Teil die Waage: Es ließe sich sehr gut hier leben, im Kurklima, zwischen den Bergen, nahe der Seen, nahe Salzburgs, unweit von München oder Italien, aber für die Jugend müsse mehr getan werden.

Entdeckerreise lohnt sich

Vielfältige, ja außergewöhnliche Perspektiven, den Mut aus dem Goldenen Schnitt zu gehen, mit Formen und Farben zu jonglieren - das bringt Abwechslung in Christoph Stroms neueste Arbeiten. Fotografie ist Ansichtssache, immer. Das stellte auch Lehrer Axel Brötzner, dessen Familie - Gattin Natascha sowie die Kinder Chiara und Yannik - ebenfalls Platz im Buch fanden, in den Mittelpunkt seiner Eröffnungsrede. Er selbst bedauerte es ein wenig, nicht auch "Opfer" und "Objekt" Christoph Stroms geworden zu sein - bei "diesem gelungenen Werk".

Über Geschmack lässt sich streiten, selbst bezüglich guter Fotos: Über die Aufnahmen, die aktuell in der Kurstadt zu sehen sind, nicht. Ihnen haftet unbeirrbar außergewöhnliches, allemal beeindruckendes, durchgehend interessantes an - sieht der Betrachter doch mehr als nur bekannte Reichenhaller Gesichter und Charaktere. In jedem einzelnen Bild lässt sich viel mehr entdecken, die "Forscherreise" zur VHS lohnt sich in diesen Tagen. Schließlich ist sie viel mehr als nur eine Anssichtssache.

Weitere Fotos von Christoph Strom:

Fotograf Christoph Strom und sein neues Buch

Für die musikalische Begleitung des kurzweiligen Abends sorgten Marco Kasper und Dr. Philipp Meißner. Im Alten Feuerhaus (Volkshochschule) in Bad Reichenhall sind die Bilder von Christoph Strom und ihre dazugehörigen Geschichten noch bis kommenden Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Sein Buch "MENSCHEN in Bad Reichenhall" ist unter www.christoph-strom.de online zu begutachten und auch zu bestellen.

Hans-Joachim Bittner

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