Vom afghanischen Staub in den bayerischen Schnee

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Hauptgefreiter Pascal Endreß mit afghanischen Jugendlichen während seines Einsatzes im Sicherungszug am OP North.

Bad Reichenhall - Pascal Endreß war sechs Monate in Afghanistan. Jetzt ist der Gebirgsjäger zurück in Bad Reichenhall. Sein schlimmstes Erlebnis: Ein Selbstmordattentäter in unmittelbarer Nähe!

Hauptgefreiter Pascal Endreß steht neben einem Heeresbergführer bei strahlend blauem Himmel vor einem Dutzend Soldaten im Schnee. Beide erklären der Gruppe an ihrer Ausbildungsstation, wie eine von einer Lawine verschüttete Person geborgen wird. Endreß zeigt dazu die Technik des systematischen Schaufelns, die eine Verletzung des Verschütteten ausschließen und eine schnelle Bergung ermöglichen. Dann dürfen die Soldaten ran, kubikmeterweise Schnee fliegt durch die Luft, bis plötzlich einer der Soldaten laut „Fund!“ schreit, als er auf den Körper der Puppe trifft.

Ausbildung im Winterbiwak auf der Reiteralpe: Endreß (links) bei der Bergung eines Verschütteten aus einem Lawinenfeld.

Beim Winterbiwak des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall auf der Reiteralpe leben rund 250 Soldaten für vier Tage auf dem Übungsplatz. „Wir schlafen im selbstgebauten Iglu, haben nachts Schichtdienst zum Streifelaufen und zur Feuerwache, tagsüber durchlaufen die Soldaten die vielen Ausbildungsstationen“, erklärt der Zweiundzwanzigjährige den Ablauf des Biwaks. Spähtrupp auf Skiern, Umgang mit den Verschüttetensuchgerät, Verwundetentransport, Verletztenversorgung, Skiausbildung, Schneeschuhpatrouille, „Da kommt keine Langeweile auf“, schmunzelt der Gebirgsjäger aus Schwäbisch Gmünd, der in Bad Reichenhall im Hochgebirgsjägerzug, kurz Hochzug dient.

Noch vor einigen Monaten stand er mit dem Gebirgsjägerbataillon 231 im Auslandseinsatz in Afghanistan am OP North und musste als Mitglied des Sicherungszugs den Bataillonskommandeur zu Gesprächen mit Provinzgouverneueren oder zu Shuras begleiten, den Treffen der Stammesältesten. Sechs Monate lang dauerte sein Einsatz. Gefragt nach dem prägendsten Eindruck aus dieser Zeit antworter Endreß ohne zu zögern: „Die Kameradschaft unter den Soldaten war einmalig. Dort steht jeder für jeden ein“. Doch musste er auch erschreckende Erfahrungen machen: „Wir sicherten gerade eine Besprechung des Bataillonskommandeurs ab, als sich in geringer Entfernung ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Zum Glück galt der Anschlag nicht uns, sondern einem afghanischen Lokalpolitiker“. Der Gebirgsjäger beobachtete anschließend die vielen Verletzten und den Abtransport der rund zwölf toten Zivilisten, die der hinterhältige Anschlag kostete.

Schon vor dem Auslandseinsatz hatte sich der ursprünglich freiwillig wehrdienstleistende Endreß entschlossen, in die Offizierslaufbahn zu wechseln. Im Juni wird er dazu das Bataillon verlassen und den Offizierslehrgang an der Infanterieschule in Hammelburg besuchen. Der Abschied fällt ihm schwer, schließlich fühlte er sich im „Hochzug“ ausgesprochen wohl. „Der abwechslungsreiche Dienst, viel Sport, die Gelegenheit, viel draußen unterwegs zu sein und alpine Erfahrungen sammeln zu können, das gibt´s halt nur bei den Gebirgsjägern – und da am meisten im Hochzug. Die gemeinsamen Erlebnisse haben uns zusammengeschweißt“, schwärmt der Offiziersanwärter.

Zurück auf dem Truppenübungsplatz Reiteralpe: Aktuell bestehe der Hochgebirgsjägerzug aus Bad Reichenhall aus 16 Soldaten, davon vier Heeresbergführer, erklärt Endreß. „Dadurch ist unsere Ausbildung absolut professionell und wir erreichen höchstes Leistungsniveau“. Für das Winterbiwak des Bataillons ist der Hochzug deshalb vorwiegend zur Ausbildung der anderen Soldaten eingesetzt. Dazu gehört auch der Bau der Iglus. Wie es sich so schläft im Iglu? Endreß lächelt: „Bei einer Außentemperatur von minus 15 Grad und starken Wind gestern Nacht ist es in unseren recht geräumigen Iglus bei null Grad angenehm warm und vor allem windstill. Ist also alles gar kein Problem“.

Pressemitteilung Hochstaufen Kaserne

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