Piraten setzen Segel in Richtung Rathaus

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Die Piratenpartei im Berchtesgadener Land (v. l.): Martin Schön mit seinen Parteikollegen.

Bad Reichenhall – Der Reichenhaller Pirat Martin Schön hat mit seiner Partei im Berchtesgadener Land noch viel vor. Auch bei der Oberbürgermeisterwahl wollen sie kräftig mitmischen!

Klar Schiff hat er in seinem Denken über Parteien schon lange gemacht. Land war in Sicht, die neuen Ufer zum Greifen nah. Deshalb ist der Martin Schön ein Pirat geworden. Der führende Pirat im Berchtesgadener Land.

„Wir möchten mehr Transparenz und Beteiligung“, sagt der Lokalpolitiker jener Piratenpartei, die kürzlich in den Landtagswahlen in Berlin für Aufsehen gesorgt hatte und der prognostiziert wird, dass sie gute Chancen hätte, in den Bundestag einziehen zu können, wenn aktuell Bundestagswahlen wären. Für Martin Schön gibt es noch viel zu tun. Auf 80 Piraten schätzt er die Mitglieder im Berchtesgadener Land. Die Anhängerschaft ist deutlich größer. Offizielle Zahlen gibt es bislang keine. „Wir müssen aufklären, über uns informieren“, sagt er. Aktuellster Coup: Bei der Oberbürgermeister-Wahl in Bad Reichenhall wollen die Piraten mitmischen.

Politische Organe seien wie Satelliten. „Ich leide unter den Satelliten. Man kommt sich verarscht vor.“ Martin Schön sagt das mit vollem Ernst: Weit weg, fast unerreichbar. Als Bürger, der ein Anliegen habe, werde man sowieso nicht gehört. So sei eben die aktuelle Situation in der Politik. Sich damit zufrieden geben, nein, das möchte Martin Schön, der Pirat, in keinem Fall. „Manchmal hat man als Bürger das Gefühl, man müsste überhaupt nicht mehr mitdenken“, sagt er. Von selbstbestimmtem Handeln könne keine Rede sein. Oben werde entschieden und unten? Mitläufer, Regierte, die Möglichkeiten des Einzelnen seien begrenzt. Vor allem in dieser Hinsicht möchte die Piratenpartei für einen Umbruch sorgen, national, aber auch im Berchtesgadener Land. Man hat sich formiert, vor zwei Jahren, während des Bundestagswahlkampfes seien zwei Piraten durch das Berchtesgadener Land gezogen und haben Plakate von Berchtesgaden bis nach Laufen verteilt. Das war der Anfang der BGL- Piraten. „Wir wollten wahrgenommen werden.“ Zwischen einem und 1,8 Prozent der Wählerstimmen erhielt die Partei – je nach Gemeinde – damals. Ein erster Erfolg, wenngleich auch ein kleiner. Mit Informationsständen habe man über sich und das Parteiprogramm informiert, die Bürger hatten das Bedürfnis aufgeklärt zu werden. „Wir brauchen noch mehr Präsenz“, weiß Schön. Deshalb veranstalten die Piraten auch in regelmäßigen Abständen in Bad Reichenhall einen Stammtisch. Ein kleiner, fester Kreis habe sich schon gebildet. Man trifft sich, tauscht sich aus, analysiert das Programm. Programm? Der Vorwurf geistert durch die Parteienlandschaften, dieses sei nur sehr eng gesteckt, bestimmte Themen würden dort erst gar nicht behandelt. „Natürlich haben wir ein Parteiprogramm“, entgegnet Schön. Eines, das – eigentlich – weit gefächert sei. Viel werde bei den Piraten diskutiert, zusammengetragen, auch in der Bildungspolitik habe man was zu sagen. Liederbücher mit Material ohne Copyrights, speziell für Kindergärten, zum Kopieren nach Lust und Laune. Auch das ist Politikverständnis, eine neue Perspektive. Eine, die nicht jedem einleuchten mag.

Dies alles werde medial nur falsch dargestellt, sagt Schön. Auf bestimmte Sujets reduziert. Das große Ganze erkenne man dann nicht mehr. Aber ist das nicht logisch, bei dem Parteinamen? „Ja, der Parteiname“, sagt Schön. Aus der Tradition heraus sei dieser gewachsen. Jetzt könne man aus diesem nicht mehr heraustreten. Im Übrigen: „Wir erreichen damit mehr Menschen“, weiß der engagierte Politiker. Der Name alleine bedeute dann nur wenig. „Kein Mensch fragt einen CSUler, ob er seinen Rosenkranz mit dabei hat“, so die lapidare Antwort des Vorsitzenden im Berchtesgadener Land. Als Protestpartei verstehen sich Martin Schön und seine Kollegen nicht. Nur „kriegt man auf einfacher Argumentationsbasis nichts durch, wenn man keine Parteiverpflichtung hat“, weiß er, der es noch bis vor ein paar Jahren nicht für notwendig erachtete, parteipolitisch engagiert und aktiv zu sein. Die Piraten seien etwas komplett Neues, „wir sind anders motiviert.“ Ein anderes Verständnis von Parteiwesen müsse her, vernetzter untereinander, vielleicht motivierter. Beeindruckend sei es, wie schnell die Prozesse verliefen, wie qualitativ hochwertig das ist, was am Schluss dabei herauskommt. Vielleicht spielt Schön in dieser Hinsicht auch auf die im März 2012 anstehende Oberbürgermeisterwahl in Bad Reichenhall an. Ein Piraten-Kandidat? Am Stammtisch, der erst Anfang dieser Woche stattgefunden habe, sei man guter Dinge. Warum es also nicht wagen? Das Rathaus entern? „Wir stellen jemanden auf“, sagt Schön. Die Piraten meinen, sie könnten das. Wenigstens den Glauben daran, scheint man nicht verloren zu haben. In Berlin, vor ein paar Wochen, haben sie gezeigt, wie es geht.

kp

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