Nahost-Korrespondent referiert über Iran

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Herbert Mair bei seinem Vortrag über den Iran.

Bad Reichenhall - Der langjährige ARD-Korrespondent Herbert Mair hat am Mittwoch über seine Zeit im Iran referiert. Brisantes Thema war das Machtstreben des Irans.

Rund 70 Personen konnte der Vorsitzende des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik, Manfred Weißenberger, am Mittwochabend im Reichenhaller Bürgerbräu begrüßen. In Kooperation mit der Hans-Seidel- Stiftung hatte Weißenberger den langjährigen ARD-Korrespondenten Herbert Mair eingeladen. Von 1977 bis 1991 war dieser im Nahen Osten, acht weitere Jahre am Balkan. Der inzwischen auf freier Basis tätige Journalist referierte über ein brisantes Thema: Dem Iran, dessen Streben nach der Atombombe und die damit verbundenen Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten.

„Die Entwicklungen im Nahen Osten und der dortige Zustand sind zwar weit von uns entfernt, aber dennoch betrifft es uns immer wieder“, leitete die CSU-Kreisvorsitzende Michaela Kaniber in ihrem Grußwort in das Thema ein. Für Joseph-Peter Schnabel von der Hanns-Seidel-Stiftung war es wichtig, einen „erfahrenen Redner zu finden, welcher die Situation vor Ort kennt und nicht nur aus dem Internet.“ Diesen Ansprüchen konnte Herbert Mair im Anschluss in vollem Umfang gerecht werden – so die Meinung vieler Zuhörer. Der in Wien lebende Journalist legte mit harten Worten los. Der Nahe Osten sei ein „Paradies für Wahnsinnige“ und die entscheidende aktuelle Frage sei, ob Israel den Iran angreifen werde oder nicht. Sein eigener Standpunkt hierzu ist klar: „Das wäre militärischer und politischer Selbstmord!“

Mair hält dieses Szenario aktuell aber für eher unwahrscheinlich. Denn der israelische Geheimdienst Mossad – zu wessen ehemaligen Mitarbeitern er noch immer Kontakt habe – würde vor diesem „Sprung ins Kalte Wasser“ warnen. Ein Militärschlag gegen den Iran würde eine komplett neue Situation mit sich bringen, ein Solidareffekt im kompletten Nahen Osten zu Gunsten des Iran wäre laut Mair die wohl erste Folge. Das scheinbare Ziel von möglichen Interventionen gegen den Nahoststaat sieht er außerdem als unerreichbar an. Die Atomanlagen seien größtenteils unterirdisch und daher nicht in Form von Luftschlägen zerstörbar.

Zu finden sind diese Atomanlagen verstreut über das ganze Land, wie Mair anschaulich anhand einer Karte aufzeigte. Überrascht dürfe der Westen in jedem Falle über diese Entwicklung nicht sein. So sei er es selbst gewesen, der den Iran vor allem in den 70er Jahren mit dem notwendigen Material ausgestattet hatte. Die USA, Frankreich und auch Deutschland seien hier federführend gewesen. Damals, wo noch der Schah von Persien an der Macht war, habe man die Atomentwicklungen im Iran noch hingenommen und auch aktiv unterstützt.

Ruhollah Chomeini, der 1989 verstorbene Führer der islamischen Revolution aus dem Jahre 1979, habe die Atombombe stets verteufelt. Noch heute missbrauche man im Iran dessen Ansichten: „Er war gegen die Bombe, da können wir gar nicht dafür sein“, so der allgemeine Tenor.

„Der Irre von Teheran“ – so eine beliebte Bezeichnung der Medien für den seit 2005 regierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Bekannt ist dieser weltweit für seine harte und provokante Israel-Hetze. Den Spruch „Israel muss von der Landkarte verschwinden“ habe Ahmadinedschad allerdings nie von sich gegeben, behauptet Mair. Ein israelischer Übersetzungsdienst habe die eigentliche Aussage „das israelische Regime muss abgelöst werden“ nur entsprechend verfälscht. Klar sei jedoch, dass der „Irre von Teheran“ für Israel nichts Gutes im Sinne habe.

Nicht nur in der westlichen Welt, sondern auch im Iran selbst sei Ahmadinedschad nicht beliebt – vor allem bei den jungen Leuten, welche im Iran einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Bevölkerung bilden. In einem sei man sich aber einig: „Uns soll keiner vorschreiben, was wir tun beziehungsweise nicht tun sollen!“ Das im „Nahen Osten beliebte Spiel“ – innenpolitische Probleme mit einem selbstbewussten Auftreten im Ausland zu verwischen und damit ein nationales Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen – beherrsche der Präsident voll und ganz. Was in der Berichterstattung kaum erwähnt wird: Nächstes Jahr wird Ahmadinedschads Zeit ablaufen. Laut iranischer Verfassung darf der Präsident nur zwei Amtszeiten innehaben. „Dann kommt wahrscheinlich wieder ein neuer Idiot“, scherzte Mair.

Gemäß dem Motto „bad news are good news“ würden viele Journalisten die vom Iran ausgehende Gefahr dramatisieren. Detailliert schilderte Mair an dieser Stelle die iranischen und israelischen Waffensysteme. „Die iranische Führung mag zwar verrückt sein, aber Selbstmörder sind es keine“, beruhiget er das Auditorium. Schließlich habe Israel ein gutes Warnsystem und im Falle eines iranischen Angriffs auf das heilige Land sei „Teheran wenige Minuten später kaputt“. Außer Frage stehe jedoch die Brutalität des Regimes.

Am Schluss seines Vortrages machte Mair nochmals deutlich, dass er der festen Überzeugung sei, dass der Iran die Bombe haben wolle und diese auch zweifelsfrei bekommen werde. 2015 sieht er hierfür als einen realistischen Zeitpunkt an. Im Anschluss untermauerte ein etwa zehnminütiges Video die Aussagen des Referenten. Abschließend beantworte Mair noch Fragen aus dem Publikum. An der hohen Anzahl der Fragen war das Interesse der Besucher an dem Thema deutlich zu spüren.

stw

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