Müllentsorger: Belastung oder Bereicherung

Bad Reichenhall - Die Müllentsorgungsfirma MSP will von Bayerisch Gmain nach Bad Reichenhall umziehen. Vor dem zweiten Erörterungstermin nimmt der Widerstand zu. **Jetzt mit Stellungnahme der Bürgerinitiative**

Auf 1,8 Hektar soll in bestehenden Gebäuden an der Reichenhaller Straße in Marzoll-Türk eine Bodensortierhalle, eine Ballenpresse, ein Schredder und ein Brecher betrieben werden. "Verarbeitet werden Papier, Kartonagen, Kunststoffe, Holz, Bauschutt und gefährliche Abfälle", erklärte Gerald Pölzl, der Geschäftsführer, im BGLand24-Interview. "Asbest, lackiertes Holz, Elektrogeräte und Kühlgeräte sind beispielsweise gefährliche Abfälle." Diese würden in Marzoll aber nur zu frachtbaren Mengen zwischengelagert und weitertransportiert werden. "Asbest muss außerdem schon in staubdichten Bigpacks angeliefert werden."

Eine Bürgerinitiative rechnet mit einer erheblichen Belastung der Anwohner durch Staub, Lärm und anderen Immissionen. "Ein Gutachten begrenzt die Belastung durch an - und abfahrende Lkws auf 50 am Tag. Realistisch betrachtet werden das aber sicher 80 bis 100 werden", mutmaßt Manfred Hofmeister. Der Sprecher der Bürgerintiative "Lebenswertes Marzoll" hat zusammen mit vielen Nachbarn gegen das laufende Genehmigungsverfahren Einspruch erhoben.

"Bei einem ersten Erörterungstermin im Landratsamt haben wir Verfahrensfehler aufgedeckt", so Hofmeister gegenüber BGLand24. "Ein Brandschutzgutachten fehlt und ein wasserrechtliches Gutachten muss nachgereicht werden." Die Geschäftsführer von MSP, Gerald Pölzl und Holger Gerstung, versicherten im Gegenzug, dass diese Dinge immer erst im Laufe eines Verfahrens bearbeitet würden. Durch die Widersprüche der Anwohner wollen sie ihren eingereichten Plan nachbessern. "Der Holzschredder könnte möglicherweise in der Bodensortierhalle untergebracht werden. Den Betonbrecher wollen wir nach Möglichkeit unter zehn Tagen im Jahr benutzen."

Genau diese beiden Maschinen bereiten den Anwohnern am meisten Kopfzerbrechen. "Den Holzschredder hört man kilometerweit. Er soll an 34 Tagen im Jahr betrieben werden. Dazu kommen zwölf bis 20 Tage Betonbrecher der so laut ist, wie ein startendes Flugzeug." Dem widerspricht Pölzl: "Bisher ist ein Lärmpegel von 60 Dezibel zugelassen, bei unseren angrenzenden Nachbar werden maximal 57 Dezibel auftreffen, wenn der Beton-Brecher in Betrieb ist." Ein Grünabfälle-Häcksler für den Hausgebrauch habe 97 Dezibel.

Lärmschutz und Luftreinhaltung würden beim zweiten Erörterungstermin am 1. Juni im Landratsamt diskutiert werden, weiß Hofmeister. Er hofft darauf, die Entscheidungsträger der Stadt auf die Seite der Anwohner zu ziehen. "Ganz Bad Reichenhall ist seit 1. Januar Kurzone. Da ist die Frage, ob es sich eine Kurstadt, ein heilklimatischer Kurort leisten kann, dass das, mit dem sie in Prospekten werben, nicht wahr ist."

So sieht der Plan von MSP für Bad Reichenhall aus.

Die Jahresumsatzmenge der Firma MSP in Bad Reichenhall soll bei 84.000 Tonnen liegen. Nur 1000 davon seien gefährliche Abfälle, betonte Pölzl. An 250 Tagen im Jahr soll die Anlage in Betrieb sein und das von 7 bis 17 Uhr. Eine derartige Anlage sei bisher in einem normalen Gewerbegebiet nicht genehmigt worden, sagte Hofmeister. "Sie gehört in ein Industrie- oder Sondergebiet."

Bisher ist MSP in Bayerisch Gmain zuhause. "Bei der Ansiedlung hat es kleine Probleme gegeben", erinnert sich Bürgermeister Hans Hawlitschek. "Seitdem hat es keine Beschwerden mehr gegeben." Das sei richtig, gibt auch Hofmeister zu, "aber Bayerisch Gmain ist eher ein Wertstoffhof plus. In Bad Reichenhall sprechen wir von anderen Dimensionen." Deshalb rechnet auch Thomas Birner von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land mit weiteren Widerständen. "Trotzdem hoffe ich, dass die Genehmigung erteilt wird. Wir würden MSP gerne behalten."

Diese Entscheidung liegt letztlich beim Landratsamt und der Stadt Bad Reichenhall. Bisher hatten die Fachbehörden keine Einwände.

Christine Zigon

Rubriklistenbild: © cz

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser