„Malen ist gefährlich, es ist Quälerei"

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Malerei bedeute immer auch Scheitern, sagte Markus Lüpertz in seiner Ansprache. Entscheidend sei, auf welchem Niveau man scheitere.

Salzburg – „Das hier hat Niveau“ bescheinigte Professor Markus Lüpertz seinen 27 Studienabsolventen der Kunstakademie Bad Reichenhall bei der großen Abschlussausstellung in Salzburg.

Über 60 Werke, überwiegend im Großbildformat, hatten die Absolventen des zweijährigen Studienganges „Malerei“ in den großen Sälen der Kavernen 1595 platziert. Und der Meister sparte nicht mit Lob: „Das, was wir in den letzten zwei Jahren gemacht haben, hatte Sinn. Ich bin stolz, denn jeder von Ihnen hat sich entwickelt und seine Position bestimmen können“. Steigungen und Findungen seien sichtbar geworden, so Professor Markus Lüpertz. „Das ist ein Erfolg, auf den sogar ich gerne schaue.“

Zwei Jahre haben er und seine fünf Assistenten Reinhold Braun, Friedrich Dickgiesser, Leander Kresse, Eva Re und Arnim Tölke die 27 Studenten und Studentinnen begleitet. „Ich werde oft gefragt, warum ich das mache?“, sagte Lüpertz in seiner kurzen Ansprache vor rund 300 geladenen Gästen. „Ich mache das, weil es eine Art von Begleitung ist, die auf ein Ziel hinausläuft, auf das zwar alle gebannt schauen, von dem man aber nicht weiß, ob und wann es eintritt“. Das Wichtigste sei ihm, das Malerei überhaupt passiert, egal wo und in welchen Ecken der Welt. „Denn Malerei ist die einzige, wirkliche Königsdisziplin. Nichts kommt ihr nahe. Im Gegensatz zu anderen Disziplinen konnte sie sich nicht technisch weiterentwickeln. Sie blieb gleich: es wird immer noch mit Pinsel und Farbe gemalt.“

Man müsse Kunst in einer Hierarchie begreifen in der ganz oben die Malerei stehe. Es gäbe viele „Flüchtlinge“ vor der Malerei, „große Ströme, Tracks, die ins Nirgendwo führen, zur Fotografie oder zur Installation“. Aber auch das habe seine Berechtigung, gibt Markus Lüpertz zu. Es sei eine Form des Zeitgeistes, habe aber mit Bildender Kunst nichts zu tun. Seine Studenten hätten in den vergangenen zwei Jahren Durchhaltevermögen und Ehrgeiz bewiesen, auch wenn das Scheitern vorprogrammiert war. So sei eben die Malerei. „Das muss man ertragen können“, weiß Lüpertz, „gegen das Scheitern muss man ein ganzes Leben ankämpfen. Aber es kommt auf das Niveau an, auf dem man scheitert.“ Er kenne die Quälerei, Malen sei nicht nur reine Freude, im Gegenteil, Malen sei gefährlich, das habe er seinen Kursteilnehmern immer wieder gesagt.

Als Zertifikat überreichte Markus Lüpertz den 27 Männern und Frauen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Irland und dem Irak den offiziellen Akademiebrief und versäumte nicht, Direktor Rupert Fegg und seinem Team für ihre Arbeit zu danken. „Sie sind ständig engagiert, die Reichenhaller Schule voranzutreiben und zusammenzuhalten. Es ist eine einzigartige Einrichtung, die in all den Jahren poetisch geblieben ist.“

Malen mit Markus Lüpertz

Das Lob und die Anerkennung gab Rupert Fegg zurück. „Ohne ihn wären die Absolventen nicht da, wo sie heute stehen und unsere Akademie hat mit dieser Lichtgestalt Möglichkeiten, die uns sonst verschlossen wären. Er schafft es jedem Künstler, egal wo er steht, den Mut zum Weitermachen zu geben“.

Über 100 Anmeldungen seien damals für den neuen Studiengang in der Kunstakademie eingegangen, erinnert sich Direktor Rupert Fegg, 28 habe man ausgewählt und nur eine Teilnehmerin ist zwischendrin ausgestiegen. Alle anderen hätten durchgehalten. „Der Abend ist für mich ein absolutes Highlight, nicht nur, weil wir 27 hervorragende Künstler entlassen können, sondern auch, weil diese Ausstellung in Österreich stattfindet. Ich glaube nicht, dass schon mal so viele Deutsche auf einmal in Salzburg ausgestellt haben“, freute sich Fegg.

Auch wenn die Vorbereitung der Veranstaltung ihm und seinem Team viel Logistik und Aufwand abverlangt haben. Mit äußerster Vorsicht mussten alle Bilder von Reichenhall aus rüber geschafft und Stellwände aufgebaut werden, und das bei laufendem Akademiebetrieb. „Aber auch für uns haben sich die Mühen gelohnt.“

Anja Struck aus Lüneburg ist eine der Absolventinnen. Sie komme eigentlich von der Zeichnung her und wollte in die Malerei einsteigen. Den Lüpertz-Studiengang in Bad Reichenhall wählte sie, weil „der Professor für mich ein Vorbild ist, von dem ich ganz viel lernen kann.“ Das war auch die Motivation von Tanja Schmid Osterkamp aus Köln. „Ich bewundere ihn als Maler und musste die Gelegenheit einfach wahrnehmen, zwei Jahre bei ihm studieren zu können.“ Sie nehme aus der Zeit ganz viel Erfahrung mit. Jetzt falle es ihr deutlich leichter, ihre Vorstellungen im Bild umzusetzen und mutiger mit dem Pinsel umzugehen. Anja Struck bestätigt: „Ich habe sehr viel gelernt, vor allem im Umgang mit Farben.“

In zwei Jahren plant die Kunstakademie Bad Reichenhall einen Meisterkurs bei Professor Markus Lüpertz anzubieten. „Aber jetzt sollen die Studenten erstmal draußen Erfahrungen sammeln“, sagt Direktor Fegg. Für alle die neu einsteigen wollen, findet 2011 ein Studiengang bei Professor Jerry Zeniuk statt. Informationen gibt es unter www.kunstakademie-reichenhall.de

Pressemitteilung Kunstakademie Bad Reichenhall

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