Männer mit ihren Hunden allein am Berg

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Auch Lawinenhunde müssen den Ernstfall üben - diesmal auf der Reiter Alpe.

Schneitzlreuth - Sieben Tage auf einem Berg und das mitten im Winter - für Lawinensuchhunde nichts Ungewöhnliches. Sie müssen schließlich trainiert werden.

Es ist kalt und seit Tagen liegen dichte Wolken über dem Hochplateau der Reiter Alpe; trotzdem hat es kaum geschneit. 13 Männer der Bergwacht nutzen die Abgelegenheit und Ruhe, um mit ihren Hunden eine Woche lang die Verschüttetensuche nach einem Lawinenabgang zu trainieren.

Suchspiel im Schnee

„Andi, wo ist der arme Mann?“, feuert der Reichenhaller Hannes Jahrstorfer seinen siebenjährigen Schäferhundrüden an, der in Windeseile über den riesigen Lawinenkegel fegt und zielstrebig mit der Nase die Witterung von Heli Pfitzer aufnimmt; der ehemalige Wirt des Stahlhauses verharrt muxmäuschenstill in einem Schneeloch vergraben, bis der Vierbeiner mit Bellen und Scharren zielsicher verweist. C-Hunde wie Andi sind voll ausgebildet und arbeiten sehr schnell und effektiv, lassen Techniken wie Radar- oder Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte (LVS) hinter sich.

Aktuell gehören 16 Suchhundeteams zur Staffel, darunter zehn voll ausgebildete Einsatzhunde, die rund um die Uhr für Lawineneinsätze in den Chiemgauer und Berchtesgadener Bergen verfügbar sind und von der Traunsteiner Rettungsleitstelle alarmiert werden.

Die Ausbildung, ein Geduldspiel

Bei der rund dreijährigen Ausbildung zum Suchhund wird vor allem der Spieltrieb der Tiere genutzt. „Wir trainieren nicht den angeborenen Geruchsinn der Hunde. Wir bringen ihnen nur bei, dass sie die gestellten Aufgaben wesentlich einfacher lösen, wenn sie ihre Nase einsetzen“, erklärt Staffelleiter Michael Partholl. Die Ausbildung der Hunde ist zeitintensiv, fordert viel Geduld und ist nicht immer von Erfolg gekrönt; nicht jedes Tier ist geeignet und frühestens nach drei Jahren sind Hund und Herrchen fit genug für echte Einsätze - mit zehn Jahren fallen die ersten Tiere bereits alters- und gesundheitsbedingt wieder aus. Viel Arbeit und Aufwand für eine kurze Zeit, in der der Vierbeiner nur mit viel Glück einen Verschütteten lebend findet.

Ein Einsatzhund muss absolut sicher verweisen

Aufgrund des geringen Zeitfensters von rund einer halben Stunde, in dem etwa die Hälfte der Verschütteten trotz Atemhöhle erstickt ist, kommt organisierte Fremdhilfe durch die Bergwacht in 90 Prozent aller Fälle zu spät. „Trotzdem ist die intensive und langwierige Ausbildung absolut notwendig. Wir können nicht in einem Wochenend-Crashkurs aus einem gewöhnlichen Haustier einen Suchhund machen, der dann im Ernstfall versagt. Der Hundeführer wird mit seinem Tier meist als erstes per Hubschrauber auf der Lawine abgesetzt und muss dann für einige Zeit allein klar kommen und alles richtig machen“, erklärt Partholl und kritisiert Vereine, die damit werben, im Hauruck-Verfahren Rettungshunde auszubilden: „Es droht Absturzgefahr und unsere Leute sind durch mögliche Nachlawinen gefährdet; der Einsatzleiter muss sich also hundertprozentig darauf verlassen können, dass ein Hund sicher verweist, wenn er weitere Retter zum Schaufeln in den Gefahrenbereich schickt.“

Lawinenhunde in Aktion

Lilly, die Streberin

Während gleich mehrere erfahrene Ausbilder im A-Kurs für einige Vierbeiner im ersten Lehrjahr viel Geduld aufbringen müssen, steuert Retriever-Hündin Lilly am Hang gegenüber trotz Nebel zielsicher über das Schneefeld und führt ihr Herrchen, den Berchtesgadener Bergwacht-Arzt Dr. Ralf Kaukewitsch schnurstracks zum vergrabenen Pfitzer Heli. „Lilly ist eine Streberin und hat die gesamte Ausbildung bis zum voll einsatzfähigen C-Hund in der Hälfte der vorgesehenen Zeit geschafft“, freut sich der Mediziner, der an den Nachmittagen im Lenzenkaser der Bundeswehr bei Kaffee und Kuchen mit Vorträgen und in praktischen Übungen das Wissen seiner Kameraden zur Versorgung von Lawinenopfern auffrischt.

Wie jedes Jahr nehmen am Kurs auch Hundeführer der Polizei teil, mit denen die Bergwacht im Einsatzfall Hand in Hand zusammenarbeitet; Staffelleiter Partholl ist auch bei der Polizei für die Hundeausbildung verantwortlich. Gleich sechs Hundeteams stellen sich erfolgreich der A-Prüfung, darunter der stellvertretende Marktschellenberger Bergwacht-Bereitschaftsleiter Martin Wagner und seine knapp einjährige Chica, die schon während der vergangenen Sommer-und Herbstsaison bei vielen Einsätzen mit dabei war, um sich an das Umfeld zu gewöhnen. Wagner: „Wir haben beispielsweise regelmäßig das Ein- und Aussteigen in den Hubschrauber geübt; für Chica ist das alles nun ganz normal.“

Die Hundenase mit moderner Technik koppeln

Im vergangenen Winter war es Andreas Baumann, der auf die Idee kam, seinem Benno am Brustgeschirr ein an ein Funkgerät gekoppeltes LVS-Gerät mit auf den Weg zu geben. Diese Technik hat, sofern der Verschüttete selbst ein LVS-Gerät trägt, drei Vorteile: „Zum einen“, berichtet Baumann begeistert, „kann ich meinen Hund ein wenig kontrollieren, ob er auf der richtigen Spur ist und nicht etwa einer Gams hinterherläuft. Zum anderen besteht so die Möglichkeit, in einem lawinengefährdeten Hang den Vierbeiner vorauszuschicken. Der transportiert so das Empfangsgerät in die Richtung eines möglichen Opfers. Im Falle eines falschen Verdachts würde kein unnötiges menschliches Risiko eingegangen. Zum Dritten kann der wesentlich flinkere Vierbeiner auf diese Weise einen weiteren Mann oder auch den Hubschrauber, der parallel zum Tier mit sucht, ersetzen.“

Kein Flugtag, trotzdem volles Programm

Als Gast ist am Montag Heribert Walter von der Maler- und Lackiererinnung mit am Berg, die der Staffel 750 Euro zur Beschaffung von fünf GPS-Empfängern gespendet hat, mit denen die Flächensuche im Gebirge optimiert werden soll. Die GPS-Empfänger werden von den Hunden bei der Suche getragen und zeichnen permanent die zurückgelegte Wegstrecke auf, die immer wieder am Computer ausgewertet wird. Strecker: „Kreuzen sich die Linien am Bildschirm, läuft der Hund also mehrmals über dieselbe Stelle, hat er mit großer Wahrscheinlichkeit die Witterung des Vermissten aufgenommen – den entsprechenden Teilabschnitt suchen wir dann nochmals genauer ab.“

Nach dem täglichen Training und mehreren größeren Übungen folgt am Nachmittag in der Hütte die Theorie mit Themen aus den Bereichen Notfallmedizin, Lawinenrettung und Tierheilkunde. „Der Flugtag, bei dem die Hunde an den Hubschrauber gewöhnt und per Seilwinde aufgenommen werden, entfällt heuer leider, da wir keine Maschine mehr bekommen werden“, bedauert Sandra Abfalter von der Geschäftsstelle der Bergwacht-Region Chiemgau. „Der fehlende Hubschrauber macht uns eigentlich nicht so viel aus; wir können dafür einen Tag mehr mit den Tieren die Suche üben - das worauf es im Lawineneinsatz eigentlich ankommt“, freut sich dagegen der Reichenhaller Hundeführer Stefan Strecker.

Pressemitteilung BRK BGL

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