Wie verhalte ich mich bei Gewitter richtig?

Dieses Bild entstand beim Gewitter am 29. Juni über dem Berchtesgadener Land.

Landkreis – Der Blitzeinschlag am Grünstein in Schönau am Königssee am Freitag machte wieder einmal deutlich, wie gefährlich es ist, während Gewittern draußen unterwegs zu sein.

Die ungeheure Kraft, die hinter Blitzen steckt, wird oft unterschätzt: „Drei Tote, eine Frau in Lebensgefahr, dutzende Verletzte - das ist die vorläufige Bilanz von Blitzeinschlägen am Gewitter-Wochenende“, meldete „Focus Online“ am 1. Juli. Nur eine von vielen Schreckensberichten in den letzten zwei Monaten.

Die alte Regel „Buchen suchen, Eichen weichen“ ist freilich längst überholt. Dem Blitz ist der Baum egal. Er sucht sich von dort aus seinen Weg zum Erdboden. Die Rinde verbrennt, der Baum kann bersten. Selbst wenn der Blitz in einen Baum ein paar Meter weiter einschlägt, besteht höchste Lebensgefahr: Der Blitz springt über oder wandert über die Wurzeln weiter, auch wenn vermutlich kein Kontakt mit dem nächsten Baum besteht.

Blitze über dem Berchtsgadener Land

Blitze über dem Berchtesgadener Land

User-Bild vom Unwetter am 4. Juli im Landkreis Mühldorf.

Findet man im offenen Gelände keinen Schutz, dann sollte man in einer trockenen Mulde in die Hocke gehen und möglichst wenig Bodenfläche berühren (nie flach hinlegen), die Füße dicht nebeneinander stellen und am Besten die Arme um die Beine schlingen. „Alles, was vom Boden herausragt, bietet dem Blitz Angriffsfläche“, so ein Reichenhaller Arzt gegenüber BGLand24.de. Er hat vor etlichen Jahren Erfahrungen mit Blitz-Geschädigten gemacht: „Meistens sind Verbrennungen zu beklagen, später Herzrhythmusstörungen, die oft erst auftreten, wenn sich die Patienten schon wieder vermeintlich besser fühlen. Grund dafür ist eine elektrische Instabilität des Herzens – hervorgerufen durch einen Blitz“. Leider werden Blitzschläge mitunter unterschätzt, weil man den Getroffenen teilweise nicht sofort ansieht, wie schwer sie geschädigt sind. Auch etliche Zeit später können sie noch ins Koma fallen.

Wie stark der Blitz auf den Menschen wirkt, hängt von vielen Faktoren ab: Häufig fließt der Strom an der Haut ab und verursacht dort Verbrennungen. Dafür gibt es wenig innere Verletzungen, die Überlebenschance ist groß. Ist die Haut durch Schweiß oder Regen nass, sinkt ihr elektrischer Widerstand und der Strom fließt durch das Körperinnere. Vergleichsweise harmlos sind da noch Muskelreaktionen, die einen Menschen regelrecht wegschleudern. Schlimmer ist freilich Herzstillstand, Schäden im Nervensystem machen sich dagegen erst zeitverzögert bemerkbar.

Wetterleuchten bei Rattenkirchen

Wetterleuchten bei Rattenkirchen

Am öftesten wird der Kopf getroffen - nicht verwunderlich, sammelt sich doch unter einem Gewitter auf dem Kopf die meiste positive Ladung. Ohren- und Augenschäden sind vorprogrammiert. Natürlich spielen auch die Stärke des Blitzes, seine Dauer und wiederholte Entladungen - das Flackern des Blitzes - eine Rolle.

Am sichersten ist man im Freien immer noch im Auto aufgehoben, denn dieses wirkt wie ein Faradayscher Käfig (gilt natürlich nicht für ein Cabrio). Der Blitz wird über Karosserie und Reifen - die dabei zerstört werden - abgeleitet. Im Asphalt gibt es Brennspuren, quarzhaltiger Sand wird zu Fulguriten gebrannt. Der Faradaysche Schutzeffekt gilt auch für Flugzeuge: Hier versucht man im Labor, durch künstliche Blitze den Schutz zu optimieren. Damit will man Löcher in den Tragflächentanks vermeiden.

So groß kann Hagel sein

So groß kann Hagel sein

Die oberste Regel bei Gewitter: „Weg von Metall“, so der Arzt aus der Kurstadt. Also auch von Seilsicherungen im Gebirge. Berge sind natürlich kein empfehlenswerter Ort, wenn Blitz und Donner anrücken, sie bieten eine ideale Angriffsfläche. Dabei wird oft unterschätzt, dass ein Gewitter auch schon aus einigen Kilometern Entfernung gefährliche Spannung in der Luft erzeugen kann, die erstaunliche Phänomene erzeugt: Schirme knistern, Haare stellen sich auf.

Dennoch zeigt der Blitz immer noch, wo es lang geht, er sitzt zumeist am längeren Hebel. Die Stromstärke einer Hauptentladung beträgt im Schnitt etwa 20.000 Ampere. Sie wird dabei vom Donner begleitet und gehört zu den Elektrometeoren. Weltweit gibt es zu jedem beliebigen Zeitpunkt 2.000 bis 3.000 Gewitter, was auf der gesamten Erde täglich 10 bis 30 Millionen Blitze ergibt (andere Schätzungen gehen von „nur“ vier Millionen aus). Das sind über 100 Blitze in jeder Sekunde. Doch nur zehn Prozent aller Blitze schlagen in den Boden ein. In Deutschland gab es 2003 über zwei Millionen Blitze. Die Regel, dass im Gebirge mehr Blitze auftreten, hat sich an Messdaten nicht bestätigt.

Die Betroffenen heute am Grünstein haben da natürlich ganz andere, erschreckende Erfahrungen sammeln müssen.

bit

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser