Ansätze für die Salzach-Sanierung

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Landkreis - Die Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Unteren Salzach ist am Dienstag vorgelegt worden. Die Kernthemen: Hochwasserschutz und Naturschutz.

Es geht auch „unten ohne …“

Die Firma hydrophil iC hat im Auftrag von Bund Naturschutz in Bayern und Naturschutzbund Salzburg/Österreich eine zukunftsweisende Studie zur möglichen zukünftigen Entwicklung der Unteren Salzach im Freilassinger Becken erstellt. Diese wurde länderübergreifend von mehreren NGOs und Institutionen (Stadt Salzburg, WWF, Umweltdachverband, Landesumweltanwaltschaft Salzburg, Naturschutzzentrum, Landesbund für Vogelschutz Bayern, Landesfischereiverband Bayern) unterstützt.

Gemeinsam mit einer ähnlichen seit einigen Monaten vorliegenden Studie zum Tittmoninger Becken sind nun die Grundlagen für eine Naturfluss-Variante für die gesamte Untere Salzach-Sanierung gelegt.

Keine weiteren Querverbauungen und keine Kraftwerke

Eines der zentralen Ergebnisse der Machbarkeitsstudie ist, dass an der Unteren Salzach keine weitere Querverbauung mehr nötig ist! Das aktuelle Planungskonzept mit der bereits bestehenden aufgelösten Rampe bei Flusskilometer (FKm) 51,9 ist prinzipiell ausreichend, damit eine stabile Salzachsohle erreicht werden kann. Eine zweite Rampe bei Fkm 55,4 würde die Geschiebebilanz flussab langfristig sogar deutlich verschlechtern, stellt Studienautor und Wasserbau-Experte DI Stefan Sattler / hydrophil iC fest.

Entsprechend der Ergebnisse der Studie wäre eine Kraftwerksnutzung im Freilassinger Becken in krassem Widerspruch mit einer Naturflussvariante – und zusätzlich nachteilig für den Hochwasserschutz – sind die Auftraggeber der Studie überzeugt.

Aufweitungen und Renaturierungen

Die in der Machbarkeitsstudie geplanten Maßnahmen können als Teil eines regionalen und überregionalen Hochwasserschutzkonzeptes gesehen werden. Die intensive Suche nach Problemlösungsstrategien eröffnet die Möglichkeit, zumindest die letzten verbliebenen, von künstlichen Barrieren unbeeinflussten Fließgewässerabschnitte in einen naturnahen Zustand zu versetzen um anthropogen verursachten Probleme zu lösen. So kann der Natur Raum gegeben und kommenden Generationen die Möglichkeit zu erhalten werden, einen Fluss in seinem natürlichen oder zumindest naturnahen Zustand zu erleben.

Alle bisher im Rahmen der Sohlstabilisierung Salzach geplanten und durchgeführten Maßnahmen bekämpfen die Symptome, aber nicht die Ursachen der Sohleintiefung.

Landwirtschaftliche Fläche

Bei der „Naturflussvariante Freilassinger Becken“ ist mit einem verringerten Anteil an beeinträchtigten landwirtschaftlichen Flächen zu rechnen. Im Vergleich zu jener Variante mit einer weiteren Rampe bei Fkm 55,4, wird bei der Naturflussvariante der Wasserspiegel nur bei der bestehenden Rampe (Fkm 51,9) erhöht, ein weiteres Aufstauen und Überfluten ist nicht vorgesehen.

Langfristige Ziele: Sohlanhebung, Hochwasserschutz, Raum für die Natur

Langfristig (Zeitraum 50-100 Jahre) ist die Sohlanhebung ein wichtiges Ziel zur Stabilisierung der Salzachsohle. Gleichzeitig wird damit der Grundwasserspiegel angehoben. Dieser Prozess wird bei der Naturfluss-Variante kontinuierlich erfolgen und durch die Kronenhöhe der Rampe bei Fkm 51,9 bestimmt. Durch ein späteres Absenken der Rampenkrone kann das System langfristig auf zukünftige Veränderungen und Zielvergaben angepasst werden. Die Sohlverbreiterungen führen zu einer Absenkung der Wasserspiegellagen im Hochwasserfall. Eine Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Flächen ist in deutlich geringerem Maß gegeben, als im Rahmen einer aktiven Wasserspiegelanhebung durch ein Rampenbauwerk.

Die Hochwasserereignisse der jüngeren Vergangenheit (speziell das Hochwasserereignis vom Juni 2013) zeigen deutlich wie unverzichtbar Überflutungsräume für den Hochwasserschutz sind. Dammbauten und Einengungen beschleunigen die Hochwasserwellen und führen zu erhöhten Schadenspotentialen flussab. Immer höhere Dammbauten erhöhen gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit eines Versagens und damit ein mögliches Schadenspotential.

Fazit: Neuer Naturraum entsteht

In der Machbarkeitsstudie „Naturflussvariante Freilassinger Becken“ ist ein ganzes Maßnahmenbündel zur sukzessiven längerfristigen Umsetzung vorgesehen (Details siehe Studie). Das zentrale Element ist – bei Verfügbarkeit des Raumes – schon rasch umsetzbar: Die Schaffung eines Nebenarms bei Flusskilometer 54. Dort soll dann der Hauptarm eine Sohlbreite von 110 m aufweisen, die Nebenarminsel 50 m und der Nebenarm rund 60 Meter breit sein … und sich dynamisch verändern dürfen.

Pressemitteilung hydrophil iC GmbH

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