Schnelles Internet wichtiger als Straßenbau

Landkreis - Schnelles Internet ist heutzutage ein wichtigerer Standortfaktor als die Anbindung zum Straßenverkehr. Das ergab jetzt eine Studie.

Nach Ansicht des Grünen-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Dr. Bartl Wimmer bestätigt die vor kurzem vorgelegte Studie über die Bedeutung der internationalen Leitbetriebe der Euregio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein die Einschätzung der Kreis-Grünen in Bezug auf das schnelle Internet. Wie Wimmer auf der letzten Sitzung der Grünen-Kreistagsfraktion ausführte, stimmten laut der Studie 91 Prozent der im Landkreis befragten Leitbetriebe der Aussage „ein schneller Ausbau der Breitbandinfrastruktur ist ein wesentlicher Standortfaktor“ zu. Demgegenüber sehe nur eine Minderheit der Betriebe Nachholbedarf bei der Verkehrsinfrastruktur. Lediglich 45 Prozent der befragten Betriebe stimme der Aussage „der schleppende Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist ein Hemmnis für das Festhalten am Standort“ zu. Er könne diese Einschätzung aus seiner Erfahrung als Unternehmer voll und ganz bestätigen.

Internet als absolute Grundvoraussetzung

In vielen Branchen sei mittlerweile der Zugang zu schnellem Internet ein wichtigerer Standortfaktor als der weitere Ausbau der Straßenverkehrsinfrastuktur. Er kenne keinen Betrieb im Landkreis, dessen Bestand am Standort beispielsweise vom sechsspurigen Ausbau der A 8 oder vom Bau des Kirchholztunnels abhänge. Dagegen würden zahlreiche Betriebe an ihren derzeitigen Standorten in absehbarer Zeit Probleme bekommen, wenn sich der Ausbau des schnellen Internets im Landkreis mit den notwendigen Kapazitäten weiter so zögerlich gestalte. Es könne nicht sein, dass Unternehmen Baupläne ihrer Bauteile an Kunden in der ganzen Welt per Post und Paketdienst statt per Internet auf die Reise schickten. Auch böte das Vorhandensein eines ausreichend schnellen Internets die Möglichkeit, ganze Rechenzentren im Landkreis anzusiedeln. Auf diese Weise könnten hochqualifizierte und gut bezahlte Jobs im Landkreis geschaffen werden. Viele junge Menschen, die in der IT-Branche arbeiteten, müssten nicht mehr nach ihrem Abitur in andere Regionen abwandern. In seinem Unternehmen sei der Zugang zum schnellen Internet inzwischen eine absolute Grundvoraussetzung für den Betrieb eines Standortes. Umso erstaunlicher sei es, so Wimmer weiter, dass viele Verantwortliche im Landkreis diese Herausforderung für die hiesigen Betriebe immer noch nicht erkannt hätten.

"Ein Leitbild aus den 50er und 60er Jahren"

So sei in einer Pressemitteilung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land über die oben erwähnte Studie das Thema schnelles Internet überhaupt nicht erwähnt worden. Dagegen nehme in dieser Pressemitteilung das Thema Verkehrsinfrastruktur breiten Raum ein. Wimmer wörtlich „Offenbar ist man bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land noch immer einem Leitbild aus den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts verhaftet, wonach weiterer Straßenausbau der wichtigste Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung ist“. Eine solche Haltung sei aber in der heutigen Zeit in einem Land, das über eines der dichteste Straßennetze der Welt verfüge, völlig fehl am Platze. Die stellvertretende Kreistagsfraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Elisabeth Hagenauer, bekräftigte die Kritik Wimmers und nahm dabei den Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl ins Visier. Dieser habe in einem Presseartikel die oben genannte Studie gar zum Anlass genommen, um sich über seiner Meinung nach zu wenigen Brücken zwischen Salzburg und Bayern in der Euregio zu beklagen. Sie kenne aber keinen einzigen Betrieb in der Region, dessen wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit am Bau weiterer Brücken über die Salzach hänge.

Dagegen komme auch in dem Bericht Steinmassl´s das Thema schnelles Internet überhaupt nicht vor. Das schnelle Internet werde aber auch für private Haushalte immer wichtiger, bemerkte Hagenauer zum Abschluss ihrer Ausführungen. Das zeigten nicht zuletzt die entsprechenden Wortmeldungen auf einer Bürgerversammlung im Bad Reichenhaller Ortsteil Marzoll. Es werde Zeit, dass im Landkreis Berchtesgadener Land alle Verantwortlichen an einem Strang zögen und für Verbesserungen beim schnellen Internet sorgten. Wie man ein solches Thema entschlossen angehe, zeige etwa die Stadt München. Die investiere in den nächsten Jahren rund 250 Millionen Euro in den Bau eines Glasfasernetzes.

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen Berchtesgadener Land

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