„Schulen leisten hervorragenden Beitrag zur Umweltbildung“

Vier Schulen aus dem Berchtesgadener Land erhielten das Prädikat „Umweltschule in Europa“

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Berchtesgadener Land - Die Auszeichnung „Umweltschule in Europa“ wird jährlich an Schulen vergeben, die sich in besonderer Weise für Umweltprojekte in ihrem Schulumfeld engagieren, und so zu einer umweltbewussten und nachhaltigen Entwicklung der Schule beitragen.

Zu den heuer Ausgezeichneten gehören auch vier Schulen aus dem Berchtesgadener Land: die Grundschulen Saaldorf-Surheim und Ainring, die Mittelschule Bad Reichenhall und das Rottmayr- Gymnasium Laufen.


Im Rahmen eines Festaktes am Münchner Willi-Graf-Gymnasium wurden die Prädikate vom bayerischen Kultusminister Michael Piazolo an Vertreter von 163 Schulen aus Oberbayern und Schwaben verliehen. Piazolo lobte das vorbildliche Engagement der Schülerinnen und Schüler: „Mit euren Projekten habt ihr einen aktiven Beitrag zur umweltfreundlichen Gestaltung des Schulalltags geleistet. Es ist beeindruckend, mit wie viel Einsatz und Eigeninitiative ihr Verantwortung für unsere Zukunft übernehmt.“ Bildung für nachhaltige Entwicklung sei in den bayerischen Lehrplänen als schulart- und fächerübergreifendes Bildungs- und Erziehungsziel verankert: „Unsere Schulen leisten einen hervorragenden Beitrag zur Umweltbildung“, so der Minister weiter.

Bayerisches Umweltministerium fördert das Programm

Gerade bei Projekten werde bei den jungen Menschen Interesse für umweltbewusstes Verhalten und einen nachhaltigen Lebensstil geweckt. Die Auszeichnung Umweltschule in Europa – Internationale Nachhaltigkeitsschule erhalten Schulen, die innerhalb eines Schuljahres zwei Projekte zu Themen wie biologische Vielfalt, Klimaschutz oder Nachhaltigkeit durchführen.


Das Bayerische Umweltministerium fördert das in Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) durchgeführte Programm. "Umweltschule in Europa" ist eine Ausschreibung der Europäischen Umweltbildungsstiftung. Die Auszeichnung wird für ein Jahr verliehen. Weltweit beteiligten sich in diesem Jahr über 49.000 Schulen in über 50 Staaten an dem Projekt. Auch im Berchtesgadener Land dürfen sich in diesem Jahr wiederum vier Schulen mit dem Prädikat „Umweltschule in Europa“ schmücken.

Dabei darf „schmücken“ nicht nur im übertragenen, sondern auch im Wortsinn verstanden werden, erhält doch jede teilnehmende Schule neben der Zertifizierungsurkunde ein dekoratives Banner zum Anbringen in ihrem Schulgebäude. In den Bewerbungsunterlagen sind jeweils Jahresthemen vorgegeben, aus denen sich die teilnehmenden Schulen zwei Projektfelder zum Thema „Umwelt und Nachhaltigkeit“ auswählen, diese dokumentieren und einer Jury vorlegen. Nachfolgend eine Zusammenfassung der Projekte, mit denen sich die teilnehmenden Schulen aus dem Berchtesgadener Land beworben haben.

Mittelschule Bad Reichenhall: Insekten im Fokus

Auf der Höhe der Zeit war die Zenoschule, hatte sie sich doch noch vor Beginn des Bienen-Volksbegehrens das Thema „Insekten im Fokus- wir schaffen Lebensräume“ als Projektschwerpunkt ausgewählt. Bereits im Oktober 2018 wurde zusammen mit der Stadtgärtnerei und der Biosphärenregion BGL ein Projekt für die Wildbienen abgeschlossen. Am Pulverturm neben Schloss Gruttenstein pflanzten die Schüler Obstbäume, gestalteten ein Insektenhotel, stellten eine Informationstafel in Wabenform auf und legten eine Blühwiese an. In Zusammenarbeit mit dem Schülerforschungszentrum wurde ein Blumenkasten aus heimischem Lärchenholz entwickelt. In Kooperation mit der Stadtgärtnerei wurde am Wochenmarkt interessierten Bürgern die insektenfreundliche Bepflanzung von Blumenkästen demonstriert.

In einer weiteren Aktion wurden mit Unterstützung der Biosphärenregion in mühsamer Handarbeit aufkommende Sträucher, Bäume und Weideunkräuter auf der Bichler Alm bei Weißbach entfernt. Durch dieses sogenannte „Schwenden“ trugen die Schüler zur Pflege der Kulturlandschaft bei. Im Rahmen ihres Arbeitseinsatzes erfuhren sie, dass Almflächen, die sich selbst überlassen werden, verbuschen und langfristig zu Wald werden.

Dadurch verschwinden die Weideflächen und damit auch der Lebensraum für zahlreiche seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Neben der Schulgartenarbeit versuchte sich die Mittelschule auch im ökologischen Landbau. Auf 3.000 Quadratmeter wurden auf einem Acker in Karlstein Kartoffeln angebaut und von der Ausbringung bis zur Ernte betreut und versorgt. Ein weiterer Themenschwerpunkt war „Umgang mit Plastik“.

Hierzu wurde zum Schuljahr 2018/19 auf kunststofffreie Hefte umgestellt. Sämtliche Hefte, Mappen und Schnellhefter bestehen aus farbigem Karton mit aufgedrucktem Schullogo. „Damit fördern wir neben dem Umweltaspekt auch die Identität innerhalb der Schulgemeinschaft“, resümiert Rektor Christian Schneider.

Grundschule Saaldorf-Surheim: Wie werden wir eine nachhaltige Schule?

Die Grundschule Saaldorf-Surheim hatte sich mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ das Ziel gesetzt, den Kindern die verschiedenen Facetten dieses Begriffes nahezubringen. Durchgeführt wurde eine Projektwoche, bei der als externe Fachfrau Meike Krebs-Fehrmann von der Biosphärenregion BGL die Planung und Durchführung der einzelnen Workshops begleitete. Im Rahmen einer Schülerversammlung sowie bei einzelnen Projekten stand der sparsame Umgang mit Ressourcen im Mittelpunkt.

Dazu wurden in der Schule Hinweisschilder aufgehängt und die 4.Klasse gestaltete zum Thema eine große Collage. Zudem wurde eine Tauschbörse für Bücher und Spiele durchgeführt sowie die Wiederverwertung (Upcycling) von alten Büchern und Zeitungen im Kunstunterricht erprobt. „Regionale Lebensmittel“ war ein weiterer Themenschwerpunkt überschrieben.

Die Kinder durften mit Laufener Landweizen backen und Sauerkraut selbst herstellen. Auf dem Programm stand auch der Besuch von zwei Biohöfen und einer Gärtnerei. Die Kinder konnten dabei Gemüsepflanzen und Kräuter einpflanzen und mit nach Hause nehmen. Ein Teil der Pflanzen wurde auch in den beiden Schulgärten eingesetzt und von der Arbeitsgemeinschaft „Umwelt / Schulgarten“ betreut. Für das Jahr 2020 hat sich die Grundschule für eine Zusammenarbeit mit der „GemüseAckerdemie“ sowie dem Klimabündnis Salzburg entschieden, um mit diesen Partnern ein ganzjähriges praxisbasiertes Bildungsprogramm im Schulgarten umzusetzen.

Grundschule Ainring: Abfälle vermeiden und wiederverwerten

Im Lauf des Schuljahres durften die Kinder der Grundschule Ainring immer wieder in die faszinierende Welt der Insekten eintauchen. Auch sie hatten sich für das Thema Insekten im Fokus: Wir schaffen Lebensräume entschieden.

Eine Projektwoche „Bienen“, der Besuch beim Lehrbienenstand im Eichetwald bei Freilassing sowie zwei zeitweise im Pausenhof aufgestellte Bienenvölker waren Höhepunkte des Jahres. Produkte aus den insektenfreundlich angelegten Pausenhöfen der Schule wurden beim Markt der Nachhaltigkeit während des Sommerfestes angeboten. Dort konnte man Kräutertees, Blumensamen und Blühpflanzen erwerben. Daneben gab es aber auch viele Upcycling-Produkte, die passend zum zweiten Thema & Mee(h)r aus Plastik hergestellt wurden.

Bei einer Rama- Dama-Aktion nahmen die Kinder wahr, wie viel Plastikmüll in ihrem Schulumfeld herumliegt. Um auf diese Problematik und deren Folgen hinzuweisen gestaltete jede Klasse ein großes Plastik-Meerestier. Flaschendeckel, Joghurtbecher, Chipstüten und vieles mehr wurde zerschnippelt und aufgeklebt. So entstand eine bunte Unterwasserwelt, die aus der Ferne betrachtet wunderschön aussah, doch bei näherer Betrachtung die gesamte Problematik der Meeresverschmutzung offenbarte. Bei Upcycling-Kursen im Schülerforschungszentrum oder einem Radl-Flickkurs wurde zudem der nachhaltige Umgang mit Ressourcen herausgearbeitet.

Rottmayr Gymnasium Laufen: Auch ohne Fleisch schmeckt’s gut

Für besonderes Engagement in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit hat sich das Laufener Gymnasium das Prädikat „Umweltschule mit drei Sternen“ erarbeitet. Im vergangenen Juli wurde auf Initiative der Umweltgruppe „Jetzad fia spada“ eine vegetarische Woche in der Schul- Mensa durchgeführt.

Das Besondere daran: Der vegetarische Speiseplan war nicht angekündigt. Erst in der Woche darauf erfuhren die Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines von der Schüler- Mitverwaltung organisierten Gewinn- und Ratespiels, was sie da eigentlich gegessen hatten. Die Projektwoche wurde durch den Vortrag einer ehemaligen Schülerin zum Thema „Vegane Ernährung“ abgerundet. Neben zahlreichen weiteren Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekten halfen Schüler zusammen mit dem Landschaftspflegeverband beim Pflanzen einer Biosphären-Hecke.

Norbert Höhn

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