Über 1600 Gastgeber betroffen: „Glücklich ist mit dieser Situation niemand“

Verkraftet Tourismusbranche im Berchtesgadener Land einen zweiten Lockdown?

Lockdown BGL und Brigitte Schlögl
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Hotels und Gastronomie müssen im Berchtesgadener Land wegen der hohen Corona-Neuinfektionen erneut schließen. Dr. Brigitte Schlögl, Geschäftsführerin Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, ist sich sicher, dass dies spürbare Auswirkungen haben wird.

Berchtesgadener Land – Eine 7-Tage-Inzidenz von weit über 200 zwingt den Landkreis zu strengeren Maßnahmen. So mussten am Dienstag, 20. Oktober, alle Touristen abreisen. Auch die Freizeiteinrichtungen und die Gastronomie schließen. Was bedeutet dies für die Tourismus-Branche? 

Zwar hat Landrat Bernhard Kern auf der Pressekonferenz am Montag, 19. Oktober, bewusst von keinem Lockdown gesprochen. Doch alle Betriebe in der Tourismusbranche müssen für 14 Tage schließen – ein herber Rückschlag. Natürlich würde sich die Begeisterung bei den Betroffenen in Grenzen halten. „Glücklich ist mit dieser Situation niemand“, so Dr. Brigitte Schlögl, Geschäftsführerin Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, gegenüber BGLand24.de.


Zweiter Lockdown im Berchtesgadener Land - kann die Tourismusbranche überleben?

Man könne jedoch die politischen Entscheidungen jedoch nachvollziehen. „Es geht auch um die Sicherheit unserer Gäste. Es handelt sich dabei ja auch nicht um eine Willkür. Aufgrund der hohen Neuinfektionen hat man sich zu diesen strengeren Maßnahmen entschieden, auch wenn wir dies natürlich bedauern“, so die Geschäftsführerin.


Schlögl selbst glaubt, dass die Gastgeber auf den Kosten sitzen bleiben werden und die Gäste kostenfrei stornieren können. „Beim Lockdown im Frühjahr galt bereits diese Regelung. Wir sind aber gerade noch dabei dies hundertprozentig abzuklären“, so Schlögl. Bei vielen Gästen handele es sich um Stammkunden, wo viel Fingerspitzengefühl gefragt ist. Man könne jedoch nur um viel Verständnis werben und sie nicht noch zusätzlich verärgern.

Hotel- und Gaststättenverband: „Verheerende Auswirkungen“

Johannes W. Hofmann, Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle Berchtesgadener Land, kritisiert die Maßnahmen gegenüber BGLand24.de dagegen scharf: „Dieser erneute Zusammenbruch der Tourismusbranche wird verheerende Auswirkungen auf die gastronomische Infrastruktur des Landkreises Berchtesgadener Land haben. Viele Betriebe haben trotz des einigermaßen guten Sommers keine Substanz für eine weitere wochenlange Schließung.“

Er verstehe nicht, dass für Übernachtungsbetriebe, die sehr gut mit den Sicherheitsmaßnahmen umgehen und die Infektionsgefahr eindämmen, erneut die Schließung vorgeschrieben wird. „Das grenzt an staatliche Willkür“, so Hofmann. Er persönlich sei zutiefst von der Eigenmächtigkeit der politisch Verantwortlichen enttäuscht.

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Nachwirkungen sicher spürbar

Wie schwer es in den kommenden Monaten wird kann Schlögl derzeit noch nicht abschätzen. „Wir haben aber auf jeden Fall einen wirtschaftlichen Schaden, den die Gastgeber in den nächsten 14 Tagen beziffern können. Und danach kann man auch nicht einfach wieder einen Schalter umlegen und dann geht es wieder. Es wird sicher Nachwirkungen haben“, so die Geschäftsführerin.

Den Imageschaden zu benennen könne man sowieso nicht. Aber natürlich stehe man lieber mit den touristischen Dienstleistungen in den Medien. Der Sommer sei ganz gut gelaufen. Auch der Herbst ist eine schöne Wanderzeit. „Die Frage stellt sich, wer bucht jetzt für die Wintersaison?“, so die Geschäftsführerin. Ob es staatliche Zuschüsse benötigt, um die Betreiber durch den Winter zu bekommen, könne Schlögl noch nicht abschätzen.

Über 1600 Gastgeber betroffen

„Aktuell können wir nur für eine lückenlose Information für die Betriebe sorgen. Danach müssen wir überlegen, wie wir wieder nach außen kommunizieren“, so Schlögl über die Hilfestellung ihres Verbandes. Natürlich seien alle geplanten Marketingaktion erst mal abgesagt.

Nach der Pressekonferenz, auf der die Maßnahmen bekannt gegeben wurden, hat das Team der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH noch bis 21 Uhr gearbeitet: „Wir haben einen Verteiler von über 1600 Gastgebern. In einer Rundmail haben wir die Inhaber über den aktuellen Stand informiert.“ Planungssicherheit habe derzeit niemand. „Wir werden wieder von Woche zu Woche reagieren. Wir werden aber sicher überlegen, wie wir wieder positive Kommunikation betreiben können“, so Schlögl abschließend.

jz

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