Überfüllte Berge und chaotische Parksituation

Touristenansturm in der Region: Das sagen Anwohner und Urlauber

Ein überfüllter Wanderparkplatz der Alpe Kammeregg und zahlreiche Touristen auf dem Jenner in den Berchtesgadener Alpen.
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Einige Anwohner und Urlauber beklagen sich derzeit über überfüllte Parkplätze und Wanderwege im bayerischen Alpenvorland. Auch auf dem Jenner in den Berchtesgadener Alpen waren in den letzten Wochen zahlreiche Personen unterwegs.

Berchtesgadener Land/Chiemgau - Zahlreiche Touristen machen heuer wegen Corona im Alpenvorland Urlaub. Sie sorgen für volle Parkplätze, überfüllte Wanderwege und Staus. So denken Anwohner aber auch Urlauber über die aktuelle Situation:


Dieses Jahr ist die Lage besonders schlimm“, so eine Anwohnerin aus Schönau am Königssee gegenüber BGLand24.de. „Der Königssee ist total überlaufen. Auch der Verkehr ist unzumutbar - überall steht man im Stau“. Ihrer Meinung nach halten sich die zahlreichen Touristen nur mäßig an die bestehenden (Abstands)-regeln. „Im Supermarkt halten die Personen keinen Abstand und mit ihren Autos fahren und parken sie einfach dort, wo sie gerade wollen. Überall hinterlassen die Urlauber zudem ihren Müll. Wenn man das alles hier so sieht, könnte man meinen, bei uns im Berchtesgadener Land gibt es kein Corona".

Touristenansturm in der Region: Das sagen Urlauber aus dem Chiemgau und Berchtesgadener Land


Auch Martin Ziegler aus dem Chiemgau zeigt sich nicht gerade begeistert über die zahlreichen Touristen, die gerade in das Alpenvorland strömen. „Ich habe nicht das Recht zu bestimmen, wer in die Berge darf, aber momentan sind dort viele Menschen unterwegs, die die Welt der Berge und Natur als eine Art ‚Disney World Bavaria‘ sehen. Bei diesen Wanderern steht nicht das Entschleunigen und die Natur im Vordergrund, sondern das perfekte Foto und der darauffolgende ‚Ruhm‘ in den sozialen Netzwerken.“

Der Chiemgauer bestritt zusammen mit seinem dreijährigen Mini Malteser namens „Chanel“ bereits zahlreiche Berggipfel in der Region. Jede Woche geht es für das Duo in die Berge. „Zusammen mit ‚Chanel‘ habe ich bereits 91 Gipfel bestiegen. Von klein auf habe ich mit ihr dafür trainiert und sie ist immer ganz begeistert“, so Ziegler im Gespräch mit BGLand24.de. Zusammen mit seinem Hund hat er auch ein Foto in den sozialen Netzwerken geteilt, das auf die aktuelle Situation in den Bergen anspielt.

Am Steineren Meer in den Berchtesgadener Alpen posierte das Duo mit Sonnencreme, Wasserball und Schwimmreifen. „Das Foto ist eine Satire an die Ballermann- und Goldstrand-Touristen. Einige Touristen sehen in dem verkarsteten Gebirgsstock nämlich nur das Meer“, so Martin Ziegler.

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Touristenboom im Alpenvorland: Das sagen Urlauber zu der Situation

Unsere Leserin Rita aus den Niederlanden und ihr Mann machten bereits um die 60 Mal Urlaub im Berchtesgadener Land. So auch Ende Juni. „Wir sind beide sehr gerne in dieser Region, aber dieses Mal war es grausam. Am Jenner gab es einen regelrechten Stau. Die Leute kamen mit der Gondel in Massen zur Bergstation. Da hielt sich auch keiner mehr an den empfohlenen Mindestabstand“, so die 54-Jährige im Gespräch mit BGLand24.de. Laut ihr wurde auch auf den Wanderwegen der Abstand ignoriert. „Wenn wir das gewusst hätten, wären wir nicht in den Urlaub gefahren. Wir fühlten uns im Berchtesgadener Land - was eigentlich unsere zweite Heimat ist - sehr unsicher“.

Auch die Eltern von Vroni aus Garching an der Alz machten im Berchtesgadener Land Urlaub. Anlässlich ihres Hochzeitstages verbrachten sie einige Tage in der Region. Beim Anstehen an der Jennerbahn wollte das Paar aber am liebsten wieder umdrehen. „Selbst am frühen Morgen standen hier zahlreiche Touristen an. Die Abstandsregeln wurden bzw. konnten anhand der vielen Menschen nicht eingehalten werden", so Vroni gegenüber unserer Redaktion.

Laut ihren Eltern wurden die Abstandsregeln nicht einmal innerhalb der Kabinen eingehalten. „In den Gondeln der Jennerbahn werden mehr Menschen reingelassen als erlaubt“, so Vroni. Auch eine Person, die auf die Einhaltung der Regeln achtet, gebe es nicht. Dasselbe soll am Königssee der Fall sein. Auch dort trage niemand eine Maske oder achte auf den Mindestabstand, wenn er sich in die Warteschlange für eine Bootsfahrt stelle. „Meine Eltern hatten dort das Gefühl, Corona würde nicht existieren", so die junge Frau abschließend.

BGLand24.de hat bei der DeHoGa und beim Nationalpark Berchtesgaden nachgefragt, wie heftig der Ansturm denn nun wirklich ist. Die Antworten veröffentlichen wir in einem gesonderten Artikel am Freitag, 4. September. In einer Pressemitteilung teilte der Nationalpark Berchtesgaden aber bereits mit, dass allen voran das illegale Campieren, Müll hinterlassen, Feuermachen, der Einsatz von Kameradrohnen und das Befahren nicht freigegebener Forst- und Wanderwege mit PKW oder Mountainbikes für Unmut sorgen.

Ausflugsticker für Bayern soll Tourismus entzerren

Ausflugsticker für die Region

-> Ausflugsticker für das Berchtesgadener Land

-> Ausflugsticker für den Chiemgau

Bayerns Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte bereits Ende Mai einen Ausflugsticker für Bayern vorgestellt. Auf der Website finden Touristen wichtige Live-Informationen zur Verkehrs- und Parkplatzsituation sowie zu Wartezeiten an beliebten Attraktionen, Bergbahnen und der Seenschifffahrt in Bayern.

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Zudem klagten bereits vor den Sommerferien beliebte Ausflugsziele in Bayern über Staus, Müll, überfüllte Gaststätten und vollgepackte Wanderwege. In den Sommerferien platzte dann leidgeplagten Anwohnern im beschaulichen Unterlaus bei Feldkirchen-Westerham (Landkreis Rosenheim) der Kragen. Sie riefen aufgrund der chaotischen Parksituation am Badeweiher die Polizei. Es existieren auch noch viele andere Beispiele in der Region.

88 Prozent (Stand: 3. September, 11.30 Uhr) unserer Leser finden sogar, dass sich die Belastung durch Touristen in Zeiten von Corona verschlechtert hat und das Alpenvorland regelrecht überrannt wird.

jg/jv

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