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Mountainbiken in den Alpen

Steiler und gefährlicher: Fachberaterin Sonja Schreiter über helmloses Fahren, Unfälle und Fähigkeiten

Mountainbiker und Wanderer am Jenner. Im Hintergrund: das Dr.-Hugo-Beckhaus, unweit der Mittelstation.
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Mountainbiker und Wanderer am Jenner. Im Hintergrund: das Dr.-Hugo-Beckhaus, unweit der Mittelstation.

Beim Mountainbiken in den Bergen wird zu oft auf den Helm verzichtet, weiß Sonja Schreiter, bei der „Deutschen Initiative Mountainbike“ (DIMB) Fachberaterin für das Berchtesgadener Land und den Chiemgau.

Berchtesgadener Land - Weil Mountainbikes nicht nur in den Berchtesgadener Alpen Hochkonjunktur haben, will man mit präventiven Maßnahmen die Unfallgefahren im Vorfeld bannen.

Mountainbiken im alpinen Raum liegt im Trend. Wie verlief die Entwicklung der vergangenen Jahre im bayerischen Raum?

Sonja Schreiter: Mountainbikes werden im Alpenraum seit rund 30 Jahren genutzt. Laut einer repräsentativen Umfrage hat die Anzahl der Personen, die häufig Mountainbike fahren, von 2013 bis heute nur minimal zugenommen. Auch die Anzahl der Menschen, die sich selbst als Mountainbiker bezeichnen, ist ziemlich gleich geblieben. Was zugenommen hat, sind die Verkaufszahlen - vor allem von E-Mountainbikes und Pedelecs. Wobei nicht jeder, der sich ein Mountainbike kauft, damit auch im Gelände oder am Berg unterwegs ist. Nach unserer Beobachtung sind hauptsächlich Mountainbiker auf das Pedelec umgestiegen oder haben sich ein Zweitrad angeschafft.

Es ist eher eine subjektive Zunahme an Mountainbikern, die sich auf Crowding-Effekte zurückführen lässt: Auf besonders attraktiv beworbenen Routen konzentrieren sich die Nutzer bei Tagesausflügen an einzelnen schönen Tagen oder Wochenenden. Dass mit dem Pedelec mehr Routen gefahren werden, die früher für viele zu steil waren, kann zu der wahrgenommenen Zunahme natürlich beitragen. Außerdem liegen im bayerischen Alpenraum viele beliebte Urlaubsregionen. 

Sonja Schreiter, bei der “Deutschen Initiative Mountainbike” (DIMB) Fachberaterin für das Berchtesgadener Land und den Chiemgau, bei einer Veranstaltung am Jenner.

In Österreich und der Schweiz steigen die Unfallzahlen, in Deutschland verharren sie. Welche Ursachen liegen den Unfällen zugrunde?

Schreiter: Für Deutschland orientieren wir uns an der jährlichen Unfallstatistik des Deutschen Alpenvereins. Diese zeigt, dass Unfälle und Notfälle beim Mountainbiken mit nicht einmal zehn Prozent aller Vorfälle eine eher untergeordnete Rolle spielen. 94 Prozent der Unfälle sind Stürze ohne Fremdeinwirkung. Die meisten Unfälle werden aus Bikeparks und nicht aus der freien Natur gemeldet. Kollisionen mit Wanderern wurden in den vergangenen 20 Jahren keine gemeldet.

Auch bei der Staatsanwaltschaft in Traunstein ist das Mountainbiken kein Thema, sagte mir der leitende Oberstaatsanwalt. Die steigenden Unfallzahlen in Österreich und in der Schweiz gehen vermutlich darauf zurück, dass es in diesen Ländern mehr speziell angelegte Infrastruktur und Bikeparks mit Liftanlagen gibt. Dort ereignen sich mehr Unfälle. Die Gründe könnten sein, dass man risikofreudiger und mit höherem Tempo unterwegs ist.

Sie sagen: „Helme zu tragen, wird noch immer oft vernachlässigt.“ Vor allem beim Bergauffahren. Welchen Erfahrungen haben Sie gemacht?

Schreiter: Wir sehen, dass unter Mountainbikern die Quote an Helmträgern generell hoch ist. Auf Trails und im Bikepark dürfte die Quote bei nahezu 100 Prozent liegen. Unterschiedliche Meinungen zum Tragen eines Helms gibt es lediglich bei großer Hitze und langem Bergauffahren, vor allem auf breiten Forststraßen. Das ist mir auch bei einer Tour in Berchtesgaden, die auf Forststraßen verläuft, wieder aufgefallen. Wir empfehlen, möglichst immer einen Helm zu tragen. Wer einen Helm besitzt und diesen dabei hat, sollte ihn auch aufsetzen. Am Lenker oder im Rucksack kann er den Kopf im Notfall nicht schützen.

Als präventive Maßnahme hat die DIMB einen Regelkatalog aufgestellt, zudem gibt es ein Image-Video, das auf die Gefahren und die gegenseitige Achtung am Berg hinweist. Worauf sollten Bergsportler, die mit dem Zweirad unterwegs sind, achten?

Schreiter: Beim Radfahren in den Bergen gilt es, seine eigenen Fähigkeiten in Bezug auf Kondition und Fahrtechnik realistisch einzuschätzen. Die Tourenplanung sollte sorgfältig im Voraus und mit Berücksichtigung des Wetterberichts erfolgen. Unvorhersehbare Vorfälle können eine Tour deutlich in die Länge ziehen. Deswegen ist es gut, an ausreichend Proviant zu denken, Werkzeug und ein Erste-Hilfe-Set dabei zu haben.

Das Rad sollte vor jeder Tour auf seinen technisch einwandfreien Zustand und die Funktion geprüft werden. Zur eigenen Sicherheit und derer anderen, sollte man sein Mountainbike immer unter Kontrolle halten. Dazu zählt, zu jeder Zeit anhalten zu können und das Tempo der jeweiligen Situation und dem Gelände anzupassen. Wanderer haben Vorrang. Auf die Vorbeifahrt sollte man frühzeitig aufmerksam machen. Es ist besser, in nur kleinen Gruppen zu fahren.

Gibt es eine Grundvoraussetzung, die man mitbringen sollte, wenn man mit dem Mountainbike in die Berge fährt?

Schreiter: Eine Grundvoraussetzung gibt es nicht. Das Schöne am Mountainbiken ist, dass man die Herausforderung in Bezug auf Kondition und fahrtechnischen Anspruch individuell steigern kann. Man braucht aber eine realistische Selbsteinschätzung. Zu Beginn fährt man nur auf den einfacheren, flacheren Wegen.

Mit zunehmender Erfahrung kann man sich auch an schwierigere, längere oder anspruchsvollere Touren heranzuwagen. Je steiler oder schwieriger das Gelände ist, desto wichtiger ist eine gute Fahrtechnik. Dafür gibt es Fahrtechnikkurse. Das Gelände in den Bergen unterscheidet sich bei Steigungen, Untergrund und Exposition der Wege häufig deutlich vom normalen Radfahren. 

E-Bikes gelten als schwer und unhandlich. Hat die Nutzung von E-Bikes die Unfallhäufigkeit erhöht?

Schreiter: Es liegen uns keine Zahlen vor, dass die Nutzung von E-Bikes zu überproportional höheren Unfallzahlen geführt hat. Nur etwa elf Prozent der vom DAV registrierten Mountainbike-Unfälle passieren mit E-Bikes. Wir wissen von der Bergwacht, dass beim E-Biken eher Blockaden, etwa durch Überforderung, auftreten. Eine Überforderung endet aber selten in einem Unfall. Es gibt ja die Möglichkeit abzusteigen oder zu schieben. Wir empfehlen gerade beim Bikeverleih, dass es eine möglichst ausführliche Einweisung für die Nutzer gibt und darauf geachtet wird, dass ein Mindestmaß an Schutzausrüstung getragen wird

Es gibt viele Touren-Apps. Worauf sollte man bei Informationen im Internet aufpassen? Kann man sich auf die Inhalte verlassen?

Schreiter: Solche Apps eignen sich grundsätzlich gut für Tourenplanungen. Durch Bilder und Beschreibungen kann man sich einen Gesamteindruck der Route verschaffen. Es ist aber wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen. Bewertungen müssen richtig eingeordnet werden. Das wiederum muss man mit dem eigenen Können abgleichen. Manchmal sind Wege in einem schlechten Zustand oder nicht mehr vorhanden - oder es gibt Wegsperrungen. Wir empfehlen, die geplante Tour immer mit den Angeboten und Informationen des örtlichen Tourismus und klassischem Kartenmaterial abzugleichen.

kp

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