DAV: „Es gibt durch den aktuellen Lockdown kein Verbot“

Skitouren immer beliebter – noch größerer Ansturm wegen Corona?

Ausflug in die Berge
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Skitouren werden immer beliebter. Allein in den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Aktiven laut DAV verdoppelt.

Landkreis Berchtesgadener Land – Das Skitourengehen erfährt seit einigen Jahren einen großen Zulauf. Auch in Zeiten von Corona? Einerseits lässt sich hier der Abstand gut einhalten und es gibt auch kein Gedränge am Lift. Gibt es deshalb einen noch größeren Ansturm auf Skitouren? BGLand24.de hat beim Deutschen Alpenverein (DAV) und dem Tourismusverband nachgefragt.

Dichtes Gedränge am Lift und volle Pisten: Die Skisaison entspricht vielleicht nicht gerade den aktuellen Zeiten von Corona mit Mindestabstand. Dennoch soll es in den heimischen Gebieten mit einigen Regeln möglich sein. Auch der Spaß soll dabei nicht zu kurz kommen. Dennoch könnten vielleicht einige Skiläufer auf ein derzeit beliebte Alternative umsteigen: Skitour.


Skitouren immer beliebter - derzeit kein Verbot

„Es gibt durch den aktuellen Lockdown kein Verbot zu wandern oder auf Skitour zu gehen. Die Bewegung an der frischen Luft ist sogar explizit gestattet und gewünscht“, erklärt Daniel Hrassky von der Presse DAV Sektion Berchtesgaden gegenüber BGLand24.de. Im südlichen Landkreis gibt es unzählige Skitouren mit Varianten, in der Summe deutlich über 100.


„In Deutschland hat sich die Anzahl der aktiven Skitourengeher in den letzten zehn Jahren auf aktuell rund 600.000 verdoppelt, Tendenz steigend“, so Hrassky. Kaum eine andere Sportart hatte im Alpenraum in den letzten Jahren einen derartig positiven Aufwärtstrend und etablierte sich als beliebter Breitensport.

Erleben Skitouren in Zeiten von Corona einen noch größeren Ansturm?

Dennoch erwartet der DAV keinen nennenswerten Anstieg durch Corona über das bereits bestehende Wachstum hinaus. „Die Hürden für den Einstieg sind im Verhältnis zum alpinen Skilaufen höher“, so Hrassky. Einerseits sei hier die Ausrüstung zu nennen, die mindestens 1.000 Euro kostet. Auf der anderen Seite sei die Zielgruppe eine andere. Auch die Abfahrtstechnik sei eine andere als auf der Piste und muss in der Regel neu erlernt werden – etwa Abfahrten im Tiefschnee und Steilgelände.

Wer eigenverantwortlich mit Tourenski ins winterliche (Hoch-)Gebirge geht, benötigt vor allem das Wissen und die Erfahrung, um mit den winterlichen Gefahren umgehen zu können. „Besonders das richtige Einschätzen der Lawinengefahr muss gelernt und sehr ernst genommen werden“, so Hrassky. Bei weitergehendem Interesse empfiehlt der DAV Kurse der örtlichen Bergschulen zu besuchen. Als Anfänger/Umsteiger sollte man sich zudem vorerst auf Skitouren auf Pisten beschränken.

Tourismusverband: „Auch diesen Winter viele auf Tourenski unterwegs“

Auch der Tourismusverband kann keine Prognose für den kommenden Winter abgeben. „Wir gehen aber davon aus, dass, wie in den Vorjahren, auch diesen Winter viele auf Tourenski unterwegs sind. Gerade auch weil man sehr individuell an der frischen Luft unterwegs ist“, so Isabel Stöckl von der Presseabteilung Berchtesgadener Land Tourismus GmbH gegenüber BGLand24.de.

Skitouren sind laut Stöckl im Berchtesgadener Land nicht im Kommen, sondern schon viele Jahre fest etabliert: „Die Einheimischen sind begeisterte Tourengeher. Auch das Tourengehen auf Pisten ist in den letzten Jahren angestiegen“. Da Skitouren nur eines von vielen Angeboten des Wintersports sind, glaubt der Tourismusverband nicht an eine große Chance für die Region. „Der Tourist im Berchtesgadener Land ist kein klassischer Tourengeher. Wir haben in diesem Bereich mehr Tagesgäste, beispielsweise. aus dem Chiemgau oder Salzburger Land“, erklärt Stöckl.

Umfrage

Für alle Skitourgeher gilt es einige Punkte zu beachten. „In freier Natur gibt es viele sensible Naturräume, die nicht gestört werden dürfen. Auf den Pisten ist unbedingt Rücksicht auf die Alpinfahrer zu nehmen und es sind die Sperrzeiten einzuhalten“, zählt Stöckl auf. Denn bisweilen werden Anweisungen nicht immer befolgt und sorgen für Unmut bei den Betreibern.

Der Charme von unberührten Pisten dürfte auch in diesem Winter viele Skitourengeher in der Region begeistern. „Neulinge sind eher selten im Gelände unterwegs. Ansonsten gilt bei Skitouren das gleiche wie für den Bergsport im Sommer. Der Trend dazu hält an und erfordert Rücksicht von allen Beteiligten“, so Hrassky abschließend.

jz

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