Was machen die Österreicher anders?

Corona-Abwehr in Salzburg und im Berchtesgadener Land – Ein Vergleich

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In Salzburg wird umfassend getestet. 

Salzburg/Berchtesgadener Land - In Salzburg gibt es vier Corona-Drive-In Teststationen, die Bettenanzahl wurde massiv aufgestockt. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land aus?

Im Bundesland Salzburg gibt es mittlerweile vier Coronas Drive-In-Teststationen, betrieben vom Roten Kreuz und den Samaritern, neben 200 Betten in einem eigenen Covid-19-Haus wird bis Donnerstag in zwei Hallen im Messezentrum eine Art Zusatzklinik mit 700 Betten für mild bis mittelschwere Corona- Krankheitsverläufe eingerichtet, im Land gibt es weitere Reserven in Schwarzach und Zell am See. Das Landesmedienzentrum, das Rote Kreuz und andere Organisationen informieren fast im Minutentakt über neue Zahlen, neue Serviceeinrichtungen und Hotlines. 


Dagegen scheint die Corona-Krise im Kreis Berchtesgadener Land noch verhaltener anzulaufen, täglich kommt am späten Nachmittag aus dem Landratsamt eine dürre Pressemitteilung mit der aktuellen Zahl der Infizierten und der Personen in Quarantäne, das war’s. Viele grenznah wohnende Bayern fragen sich, ob sie derzeit mit Corona-Symptomen in Salzburger Kliniken fahren können. Die aktuellen Einreisebestimmungen der Republik Österreich lassen derzeit nur Durchreisende oder Berufspendler in das Land, selbst Österreicher müssen ein Gesundheitsattest nachweisen oder sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Medizinische Notfälle mit dem Rettungswagen fahrend sind wohl ausgenommen, zumindest ist noch keine Zurückweisung bekannt geworden. Eine selbstständige Fahrt in ein Krankenhaus scheint wohl nicht möglich, auch wenn es bei medizinischen Notfällen Ausnahmen gibt. Nach Auskunft der Polizei wird ein medizinischer Notfall in einem Rettungswagen nicht aufgehalten, „vor privaten Fahrten in ein Salzburger Krankenhaus raten wir dringend dies vorher mit den Salzburger Gesundheitsbehörden abzuklären“, so Hans Wolfgruber, also mit dem Gesundheitsamt in der Stadt oder mit der zuständigen Bezirkshauptmannschaft. Das würde auch die Beamten bei der Einreisekontrolle so handhaben.

Corona-Krise: Was machen Österreicher anders? Bgland und Salzburg im Vergleich

Salzburg bereitet sich weiter auf steigende Fallzahlen vor. © Michael Hudelist
Salzburg bereitet sich weiter auf steigende Fallzahlen vor. © Michael Hudelist
Salzburg bereitet sich weiter auf steigende Fallzahlen vor. © Michael Hudelist

Von Seiten des Landratsamtes BGL heißt es, dass „derzeit die Kapazitäten beiderseits der Staatsgrenze noch ausreichend sind, eine Kooperation besteht derzeit hinsichtlich einer Patientenübernahme noch nicht“, so Andreas Bratzdrum aus dem Landratsamt. Der für alle Salzburger Kliniken derzeit zuständige, medizinische Leiter des Einsatzstabes, Prof. Richard Greil, sagt auf Nachfrage, dass man das übliche Einzugsgebiet nach wie vor bedienen wolle, „also Trauma- Patienten aus dem süddeutschen Raum werden nach wie vor nach Salzburg gebracht, derzeit in das Unfallkrankenhaus“, so Greil. Deutschland hätte seine Maßnahmen zwar später gesetzt, er gehe aber davon aus dass der sonst übliche Transfer von Patienten bestehen bleibt. „Wir haben eine Betreuungspflicht für Menschen, egal woher sie kommen“.

Eine Teststraße im Gesundheitsamt

In Salzburg sind seit einer Woche Drive-In-Teststationen in Betrieb, mittlerweile vier im gesamten Bundesland, die Uniklinik hat eine eigene Covid-19-Klinik in Betrieb genommen, von ähnlichen Maßnahmen hört man im Berchtesgadener Land nichts. Erst auf Nachfrage hören wir von einer Art „Teststraße“ im Staatlichen Gesundheitsamt, „hier gibt es bei einer Seitentür einen speziellen Eingang“, dazu sind mobile Einheiten von der Kassenärztlichen Vereinigung unterwegs, wie viele dies sind ist nicht zu erfahren, in Salzburg gibt es fünf dieser Teams, betreut vom Roten Kreuz.

Salzburg rüstet Kliniken massiv auf, und BGL?

Während man in Salzburg auch das Landeskrankenhaus für den erwartet starken Infektionsanstieg weiter aufrüstet und neben einem eigenen Covid-19-Haus mit 200 Betten und 50 Beatmungsplätzen auch spezielle Triage-Zelte aufgebaut hat ist von derartigen Aktivitäten in BGL nichts zu hören. „Die vorhandenen Betten sind derzeit ausreichend, sollten Maßnahmen erforderlich sein, wird dies in Absprache mit den Kreiskliniken und der Regierung von Oberbayern erfolgen“, so der Sprecher des Landratsamtes, Andreas Bratzdrum. Derzeit seien nur wenige Patienten stationär aufgenommen „im unteren einstelligen Bereich“, eine genaue Zahl will Bratzdrum nicht nennen, „das geben wir nicht raus“. Offiziell ist auch nicht zu erfahren, wo die Patienten behandelt werden, unseren Recherchen nach ist derzeit die Kreisklinik Trostberg der Ankerplatz für bestätigte Corona-Patienten mit schwererem Verlauf.

Zurück zu Österreich,hier steht den Patienten neben dem Hausarzt das österreichweite Gesundheitstelefon 1450 zur Verfügung, beide Stellen können bei entsprechenden Symptomen und weiteren Bedingungen wie Aufenthalt in einem Risikogebiet zum Beispiel in Tirol oder Kontakt mit einem Infizierten einen Test anordnen, der dann zum Beispiel von mobilen Teams oder in einem der Drive-In-Stationen gemacht werden kann. Das Landratsamt verweist in diesem Zusammenhang „auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes“. Im Landkreis sei zudem die Nummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes zuständig. „Beim Bürgertelefon des Landratsamtes rufen täglich mehrere Hundert Personen an“, alleine am Montag seien es zwischen 9 und 15 Uhr rund 600 Anrufe gewesen. „Das liegt vermutlich daran, dass sich mit den Ausgangsbeschränkungen vom 20.03.2020 aktuell viele individuelle Fragen ergeben haben“.

Informations-Offensive versus „geben wir nicht raus“

Während das personell gut ausgestattete Medienzentrum des Landes Salzburg laufend Informationen und Zahlen zentral streut gibt es aus dem Landratsamt nur einmal täglich eine dürre Presseinformation mit der aktuellen Zahl der Infizierten, wo sich diese aufhalten wird „nach negativen Erfahrungen“ nicht mehr veröffentlicht, „in kleineren Gemeinden sind Infizierte doch sehr schnell identifiziert, und das wollen wir nicht“.

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