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„Einen PCR-Gurgeltest aus Salzburg erkennen wir nicht an“

Meine Corona-Erkrankung - ein grenzüberschreitendes Bürokratiemonster

Ein positives Testergebnis aus Salzburg - doch in Quarantäne schickt mich keiner: Wenn die Corona-Erkrankung an der Grenze aufhört - ein Erfahrungsbericht von OVB24-Volontärin Christina Eisenberger.

Salzburg/Berchtesgadener Land - Freitagmittag in Salzburg: Es staut sich ins Wochenende, am Himmel hängen die grauen Wolken, der Wind pfeift durch die Stadt. Ich stehe im Messezentrum und gurgle meine Kochsalzlösung - bei mir beinahe schon ein alltägliches Ritual in Zeiten der Pandemie. Wer so nahe an der Grenze wohnt, fährt leichter mal nach Österreich zum kostenlosen PCR-Test.

„Positiv. Bitte bleiben Sie zu Hause“

Noch ahne ich nicht, welche Folgen das Testergebnis mit sich bringen wird. Am Vortag machten sich schon klassische Erkältungssymptome bemerkbar. Die Lymphknoten leicht angeschwollen, ein Kratzen im Hals und dumpfe Kopfschmerzen. Mit einem mulmigen Gefühl gebe ich die Probe ab und mache mich wieder auf den Heimweg. Kann es wirklich sein, dass ich mich mit meiner Dreifach-Impfung mit Corona angesteckt habe?

Die Frage lässt mich nicht los und hält mich in dieser Nacht wach. Mittlerweile bin ich ja schon fast ein Morgenmensch, doch am Samstag komme ich erst gegen 10 Uhr vom Bett auf. Der erste Blick geht aufs Handy. Die Nachricht vom Roten Kreuz ist da: „SARS-CoV-2-Test: POSITIV. Bitte bleiben Sie zu Hause.“ Scheiße. Was mache ich jetzt?

Mit dabei in der Nachricht ist ein Link: „Zur raschen Bearbeitung Ihres Falles werden Sie höflichst ersucht, Ihre Daten bekanntzugeben“, heißt es weiter. Ich öffne den Link und dann klingt es auf einmal schon nicht mehr so nett. Nach dem österreichischen Epidemiegesetz bin ich „abgesondert“ und stehe „ab sofort unter häuslicher Quarantäne“. Gleichzeitig muss ich wegen diesem Gesetz der österreichischen Gesundheitsbehörde meine Daten mitteilen. Sie bitten wieder „höflichst“ darum. Naja, gesagt getan, ich tippe also meine Daten ein. Lange wird es nicht dauern, bis sich die Salzburger bei mir melden.

Meine Corona-Erkrankung - ein grenzüberschreitendes Bürokratiemonster

Ich stelle mir sofort zwei Fragen: Erkennen die Deutschen meinen Test aus Österreich überhaupt an? Und wie bekomme ich einen Absonderungsbescheid? Die SMS mit dem Positiv-Ergebnis alleine wird kaum ausreichen...

Zu dem Zeitpunkt ist mir schon klar: Meine Corona-Erkrankung wird ein grenzüberschreitendes Bürokratiemonster. Als erstes melde ich mich beim Ärztlichen Bereitschaftsdient - doch den Schritt hätte ich mir sparen können. Die kümmern sich nämlich nur um Erkrankte, die auch medizinische Unterstützung brauchen. Bei meinen Fragen können sie mir jedoch nicht weiterhelfen.

Als nächstes lande ich auf der Seite des Landratsamts Berchtesgadener Land. Hier ist noch eine Nummer aufgelistet: Die Hotline des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Hört sich doch seriös an. Überraschend schnell meldet sich ein Herr am anderen Ende der Leitung und bestätigt meine Befürchtungen. „So weit sind wir noch nicht, dass die positiven Testergebnisse aus Österreich zu uns übermittelt werden“, teilt er mir mit. Ich soll mich am besten gleich bei meinem zuständigen Gesundheitsamt melden.

Da haben wir den Salat. Meine Befürchtungen bestätigen sich. Willkommen im 21. Jahrhundert. Nach zwei Jahren Pandemie klappt das immer noch nicht, denke ich mir. Mein Hals macht sich zwischendurch wieder bemerkbar. Ich trinke einen Schluck Tee und setze meine Suche fort.

„Ein PCR-Gurgeltest aus Salzburg? Die erkennen wir nicht an!“

Wieder geht mein Blick auf die Homepage des Landratsamts und auch hier schildere ich mein Problem bis ins Detail in einer Mail - ein zweites Mal. Leider hatte ich ja nur eine SMS und keine weitere schriftliche Bestätigung für das Ergebnis bekommen - daher meine Frage, wie soll ich weiter vorgehen?

An dieser Stelle möchte ich ein großes Lob an die Frau ausrichten, die mich innerhalb weniger Minuten zurückgerufen hat! „Ein PCR-Gurgeltest aus Salzburg? Ja, die erkennen wir nicht an“, sagt sie erst einmal – und im selben Atemzug: „Ich schreibe Ihnen schnell eine Bestätigung, damit Sie heute Nachmittag noch bei uns in Bayerisch Gmain einen PCR-Test machen können.“ Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Gesagt, getan – ich mache mich sofort auf den Weg nach Bayerisch Gmain und werde am Eingang gleich gefragt, ob ich denn zum Freitesten da bin. „Nein, zum Reintesten!“, kontere ich prompt. Der Mann lacht und bestätigt, „ja die Gurgeltests von den Österreichern erkennens nicht mehr an“.

Die Burschen an der Teststation sind nett und haben Spaß bei ihrer Arbeit. Das hat mich richtig gefreut. Ein, zwei Scherze, Stäbchen in den Rachen und nach wenigen Minuten mache ich mich wieder auf den Heimweg.

Daheim angekommen klingelt mein Handy: eine österreichische Festnetznummer. Arbeitet die Salzburger Gesundheitsbehörde so schnell? Und tatsächlich - der Herr am Telefon geht seinen Fragebogen mit mir durch. Hauptsächlich erkundigt er sich nach meinen Aufenthalten und Kontakten in Österreich. Am Ende meint er, ich soll meinen Kontakten bitte Bescheid geben und sie möchten damit meinen Fall gerne abschließen - und an Deutschland weitergeben.

„Bis das übermittelt ist und die Behörden sich melden, dauert es aber ein bisschen“, lautet sein Schlusssatz. Ich lege auf und bin erst einmal verwirrt. Der Herr vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit hat mir doch gesagt, dass die Zusammenarbeit mit Österreich nicht funktioniert? Aber auf jeden Fall brauche ich einen Bescheid für die Quarantäne. Mit dem deutschen Testergebnis funktioniert das hoffentlich. 

Schickt mich endlich offiziell in deutsche Quarantäne!

Am Sonntagmorgen geht der erste Blick gleich wieder aufs Handy. Auch das deutsche Testergebnis ist schon da: „Nicht eindeutig.“ Wie bitte, was?! „Aufgrund des nicht-eindeutigen Testergebnisses empfehlen wir, die Testung zu wiederholen.“ 

Es ist also Sonntag, ich habe seit drei Tagen Symptome, bereits einen positiven PCR-Test, der aber nicht anerkannt wird. Der Anruf bei meinem Hausarzt wird mir am Montag nicht erspart bleiben. Ihm muss ich dann das Drama schildern, damit er mich endlich offiziell in eine deutsche Quarantäne schickt!

Montagmorgen, halb acht, ich schreite zur Tat und rufe an. „Kommens‘ schnell bei uns vorbei, dann klingelns zwei Mal, jemand kommt raus und dann machen wir einen PCR-Test“, meint die Arzthelferin am Telefon. Das geht ja überraschend einfach, denke ich mir. Und tatsächlich - auch hier geht das Testen recht schnell. Und wie bekomme ich das Ergebnis? „Rufen Sie am Mittwochvormittag mal an. So zwei Tage dauert es meistens, bis das Ergebnis da ist.“ Ich bin kurz sprachlos. Bis dahin kann ich mich beinahe wieder frei testen, schießt mir als Gedanke durch den Kopf.

Am Mittwoch ist es offiziell: ich bin positiv und in deutscher Isolierung. An meiner Situation ändert sich nichts. In Selbst-Quarantäne bin ich ja schon seit fast einer Woche.

Bereits einen Tag später zeigt mein täglicher Schnelltest ein negatives Ergebnis an. Am Samstag, Tag Zehn seit Symptombeginn, lasse ich mich freitesten. Das Ergebnis: Negativ. Diese Nachricht schicke ich gleich an das Gesundheitsamt. Krankheitssymptome habe ich schon seit Tagen nicht mehr.

Zwei Wochen nach Symptombeginn warte ich noch immer auf eine Nachricht vom Gesundheitsamt. Wann ich einen Quarantänebescheid bekomme? Unklar. Meine Corona-Erkrankung hängt derzeit wohl noch an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland fest.

ce

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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