Pressemitteilung Kliniken Südostbayern AG

Pflegeberuf nun "attraktiver und zukunftsfähiger"

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Von re.: Manuela Püttner-Nann und Alexander Hoh, die Leiter der Berufsfachschulen für Krankenpflege der Kliniken Südostbayern AG in Bad Reichenhall und Traunstein.

Bad Reichenhall/Traunstein - Am 1. Januar 2020 tritt das 2017 vom Bundestag verabschiedete Pflegeberufegesetz in Kraft.

In diesem wurden die bislang im Altenpflegegesetz (Altenpflege) und im Krankenpflegegesetz (Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) getrennt geregelten Pflegeausbildungen zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammengefasst. "Die Generalistik wird den veränderten Versorgungsstrukturen und Pflegesettings gerecht und macht den Pflegeberuf attraktiver und zukunftsfähiger", so Manuela Püttner-Nann und Alexander Hoh, die Leiter der Berufsfachschulen für Krankenpflege der Kliniken Südostbayern AG in Bad Reichenhall und Traunstein. Sie starten im April mit dem ersten neuen Ausbildungsgang zu Pflegefachfrau oder Pflegefachmann.


Welche Veränderungen bedeutet die Generalistik bundesweit und speziell für unsere Region?

Alexander Hoh: Deutschland steht vor einer der größten Reformen in der Gesundheits- und Krankenpflege, seit es organisierte Krankenpflege gibt. In den EU-Mitgliedsstaaten ist die generalistische Pflegeausbildung Standard, diesen Schritt geht nun auch Deutschland. Es gibt künftig die Möglichkeit, eine fachschulische Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann oder eine hochschulische Ausbildung mit akademischen Grad zu absolvieren. Für die generalistische Pflegeausbildung wurden bundesweite Rahmenlehrpläne entwickelt, auf deren Grundlage die bayrischen Lehrplanrichtlinien erstellt wurden. Auf dieser Basis entwickeln wir an der von Manuela Püttner-Nann geleiteten Berufsfachschule für Krankenpflege in Bad Reichenhall und der von mir geleiteten Berufsfachschule für Krankenpflege in Traunstein in Zusammenarbeit mit unserer Kooperationsschule Insula in Bischofswiesen gemeinsame Lehrpläne. Dies ermöglicht uns, in Traunstein am 1. April sowie an den Pflegeschulen in Traunstein, Bad Reichenhall und Bischofswiesen am 1. September gemeinsam mit der neuen generalistischen Pflegeausbildung zu starten. Für Kurzentschlossene bieten wir übrigens noch freie Plätze an.

Was macht die neue Ausbildung so besonders? 

Manuela Püttner-Nann: Die Generalistik geht auf den demographischen Wandel und die damit in der Praxis jetzt schon aktuellen Anforderungen ein. So sehen sich Pflegekräfte in den Krankenhäusern zunehmend betagteren und oft an Demenzen leidenden Patienten gegenüber, deren Versorgung entsprechendes Wissen benötigt. Und in den Einrichtungen der Altenpflege versorgen die Pflegekräfte zunehmend Bewohner, die in einem immer höheren Alter und mit mehreren Erkrankungen in die Häuser kommen. Dass nun die Ausbildungen in der Kranken- und Kinderkrankenpflege auf der einen Seite und in der Altenpflege auf der anderen Seite zusammengelegt werden, ist nur folgerichtig und erhöht zudem die Attraktivität des Berufes. Dessen Abschluss ist EU-weit anerkannt und damit zukunftsfähiger denn je. Außerdem werden erstmals Tätigkeiten als Vorbehaltsaufgaben geregelt, die nur von Pflegefachfrauen oder Pflegefachmännern ausgeführt werden dürfen. Damit soll gewährleistet werden, dass die Qualität der Pflege steigt. So gewinnt auch der Pflegeprozess noch viel mehr an Bedeutung.


Welche Vorbereitungen haben die Pflegeschulen für diesen neuen Weg getroffen? 

Hoh: Aus unserer Sicht ist es unsere wichtigste Aufgabe, das Ausbildungsangebot in der Region zu sichern und keine Konkurrenz zwischen Schulen oder Trägern aufzubauen. Deshalb kooperieren wir, z.B. im Hinblick auf die formale und inhaltliche Gestaltung der Ausbildung, künftig mit der Pflegeschule Insula in Bischofswiesen der Diakonie Hohenbrunn. Zudem rufen wir momentan unter Federführung von Rupert Übelherr, Leiter des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG und den Gesundheitsregionen Plus der Landratsämter Berchtesgadener Land und Traunstein sowie mit Unterstützung des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben - einen Ausbildungsverbund Generalistik ins Leben. Damit wird der Gesetzesänderung Rechnung getragen, dass künftig alle Träger einer stationären und ambulanten Akut- und Langzeitpflege ausbilden können, sofern Sie einen Kooperationsvertrag mit einer Pflegeschule haben. Das Interesse der Träger in den Landkreisen ist sehr groß, erste Informations- bzw. Arbeitstreffen haben bereits stattgefunden. In einer neuen Verbundkooperation zwischen den Pflegeschulen sowie verschiedenen Ausbildungsträgern können wir Synergieeffekte nutzen und den Schülerinnen und Schülern auf ihrem Weg zu Pflegefachfrau oder Pflegefachmann die bestmögliche Ausbildung bieten.

Welche Zugangsvoraussetzung gibt es für die generalistische Pflegeausbildung? 

Püttner-Nann: Voraussetzungen für den Zugang zu dieser Ausbildung sind neben gesundheitlicher Eignung ein mittlerer Schulabschluss oder aber ein gleichwertiger Abschluss, der erfolgreiche Abschluss einer sonstigen zehnjährigen allgemeinen Schulausbildung oder ein Hauptschulabschluss und eine zweijährig abgeschlossene Berufsausbildung.Eine weitere Zugangsvoraussetzung ist ein Mittelschulabschluss und eine mindestens einjährige, abgeschlossene Kranken- oder Altenpflegehilfeausbildung. Wie auch bisher für Pflegeberufe zählen natürlich auch weiterhin Freude am Umgang mit Menschen, Geduld und Empathie für Menschen verschiedener Generationen und Kulturen sowie emotionale Belastbarkeit und Stressresistenz zu den weichen Faktoren für die Wahl dieses schönen, aber in manchen Momenten auch herausfordernden Berufs mit seinen diversen Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

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