1.094 Einsätze in 2018 - Versammlung in Bad Reichenhall

30 Bergtote und Rekord-Einsatzzahlen für Bergwachten der Region

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Bad Reichenhall - Die rund 600 ehrenamtlichen Einsatzkräfte der 15 Bergwachten in der Region Chiemgau (Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land und Traunstein) waren 2018 bei insgesamt 1.094 Einsätzen gefordert. Insgesamt mussten sie 30 Tote bergen – elf mehr als 2017.

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Neuer Rekord an Einsätzen, aber relative Zahlen sinken 

„Die relativen Unfallzahlen nehmen aber ab, wenn man davon ausgeht, dass immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind. Wir sollten deshalb gelassen bleiben und uns hüten, falsche, nicht belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Steigerungen sind in den Sportarten Wandern, Bergsteigern und Mountainbiken auffällig. 

Auch wenn wir mehr Rettungseinsätze haben, mithin die absoluten Unfallzahlen steigen, so ist angesichts der wachsenden Bergsport-Aktivitäten und der Zunahme der Wanderer und Biker in den alpinen Regionen doch festzuhalten, dass die relativen Unfallzahlen sinken oder zumindest nicht steigen. 

Freilich: Outdoor-Sport und Erlebnis-Sehnsüchte sind im Trend und werden weiter boomen; die bayerischen Alpen sind gefragt wie offenbar nie zuvor, darauf müssen wir uns einstellen“, erklärt Burger, der auch feststellt, dass die Zahl der Einsätze für Unverletzte, so genannte blockierte, in Bergnot geratene Menschen, die sich versteigen oder mit Gelände und Wetter überfordert sind, seit Jahren zunimmt.

Besonders häufig sind die Bergwachten und damit einzelne Bereitschaften an wenigen, sehr bekannten und beworbenen Urlauber-Hotspots gefordert, wo Massen-Tourismus in einem fließenden Übergang direkt ins alpine Gelände mündet, in dem ansonsten eigentlich ausschließlich Bergsteiger mit entsprechender Erfahrung, Kondition, Können und Ausrüstung unterwegs wären, was beispielsweise in Klettersteigen, im Umfeld von Seilbahnen, in Wintersportgebieten und an weltbekannten Orten wie dem Königssee (Kingslake), dem Watzmann oder Eagles Nest passiert. 

Viele erfahrene Bergsteiger und Kletterer helfen sich im Notfall selbst und gegenseitig und brauchen die Bergwacht gar nicht, außer es ist jemand schwerer verletzt und die Umstände sind entsprechend schwierig. „Die absolute Zahl der Einsätze spiegelt nie den tatsächlichen Aufwand wieder, denn an komplexen, größeren Rettungen sind oft 30 oder mehr Einsatzkräfte beteiligt; 

bei Suchaktionen auch mehrere Tage hintereinander“, erklärt Geschäftsführer David Pichler, der mit der Regionalleitung den rund 600 ehrenamtlichen Bergrettern der gesamten Region für ihr leidenschaftliches, außergewöhnliches Engagement dankt: „Bergwacht ist Leidenschaft, daraus erwachsend unsere besondere Tatkraft und Schlagkraft!“

Mehr Alarme nach Feierabend 

Die Retter stellen fest, dass der Zeitpunkt für Unfälle und entsprechende Alarmierungen bei Notfällen nach 16 Uhr über die Jahre bayernweit signifikant steigt – unter anderem auch, weil es durch das Handy sehr einfach ist, anzurufen und Hilfe anzufordern. Die Bergwacht empfiehlt die Mitnahme eines geladenen Handys explizit als Teil der Notfall-Ausrüstung, gibt aber zu bedenken, dass in einigen Regionen kein Netz verfügbar ist und man sich nicht immer nur aufs Handy verlassen sollte. 

Das Handy ermöglicht zeitnahe Rettung, kann bei nicht mehr ansprechbaren oder vermissten Bergsteigern unter anderem vom Hubschrauber aus geortet werden, wodurch sich die Überlebenschancen um ein Vielfaches erhöhen, und hilft auch, Suchaktionen erfolgreich zu gestalten oder Suchaktionen zu vermeiden. „Die Möglichkeiten des Handys können in seltenen Fällen zu einer nicht objektiv erforderlichen Alarmierung verleiten. 

Wir sind aber alle selbst Bergsteiger, sollten nicht zu streng sein und auch emotional gelassen bleiben, da wir Retter und keine Richter sind. Wir haben ein gutes Risiko-Management bei den Einsätzen und wissen, was wir tun müssen, sollen und zu unterlassen haben!“, betont der stellvertretende Regionalleiter Michael Holzner.

30 Bergtote im Chiemgau, statistisch gegenüber 2017 eine Erhöhung um 37 Prozent 

Im vergangenen Jahr gab es 30 Bergtote in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen; 2016 waren es 19. „Das sind regionale Schwankungen, die einfach davon abhängen, wie viele Leute unterwegs sind. Belastbare Schlussfolgerungen können wir daraus nicht ziehen, wir hatten einen extrem schönen Bergsommer, das heißt, es zog mehr Menschen und Bergsteiger ins Gebirge als in einem verregneten Sommer“, erklärt Burger. Bayernweit blieb die Zahl aber mit rund 80 bis 100 Toten jährlich während der letzten Jahre ziemlich konstant. 

Die Einsätze der Bergwachten in der Region Chiemgau für verletzte, erkrankte oder in Bergnot geratene Menschen verteilen sich auf verschiedene Sportarten, wobei am Meisten beim Skifahren auf der Piste (366), Wandern (244) und Bergsteigen (157) passiert ist, gefolgt von Snowboarden (97), Bergradeln (41) und Klettern (41), Sucheinsätzen (31), Skitouren (30), Gleitschirmfliegen (20), Rodeln (14), Langlaufen (7), Lawinen (5), Eisklettern (1), Drachenfliegen (1), Schneeschuhwandern (1) und Sonstigem (74). 

Dabei wurden 254 der Einsätze mit Hubschrauber-Unterstützung abgewickelt, also entgegen der öffentlichen Wahrnehmung nur rund ein Viertel; in den meisten Fällen ist die Bergwacht zu Fuß im unwegsamen Gelände unterwegs.

Die Einsatzzahlen hängen auch von Wetter und Tourismus ab

 „Die Zahl der Einsätze hängt vor allem vom Wetter während der Haupturlaubszeiten und davon ab, ob es einen schneereichen Winter und schönes Wetter gab, da dann allgemein mehr Leute unterwegs sind und die Bergwacht in den Skigebieten viel mehr Arbeit hat. 

Ist zur Ferienzeit gutes Bergwetter, dann sind auch mehr Menschen am Berg – und wo mehr los ist, passiert in der Regel auch mehr“, erklärt Pichler. Die Bergwacht in der Region Chiemgau arbeitet trotz ihres ehrenamtlichen Charakters stetig professioneller. 

Spezialisierte Gruppen stehen zusätzlich zur Rettung aus wasserführenden Schluchten bereit (Canyon-Rettung), kümmern sich um die psychische Betreuung von Betroffenen nach schweren Bergunfällen (Kriseninterventionsdienst (KID)) oder bilden Suchhunde für Lawineneinsätze (Lawinen- und Suchhundestaffel) aus. 

Die Bergwacht Freilassing ist zusätzlich Bergrettungswache für Höhlenrettung und deckt den südostbayerischen Raum bis Rosenheim und das Salzburger Grenzgebiet in enger Zusammenarbeit mit der Salzburger Höhlenrettung ab.

Auszug Pressemeldung BRK Berchtesgadener Land

Quelle: chiemgau24.de

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