Das sagen DEHOGA, Jennerbahn und Nationalpark

Kein Aufatmen in Tourismusbranche trotz Besucheransturm in den Alpen

Wanderer Königssee Collage
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Dieses Jahr zieht es viele Besucher in die Alpen (Symbolbild)

Berchtesgadener Land/Chiemgau - Zahlreiche Anwohner klagen seit Beginn der Sommerferien über wahre Touristenströme in den bayerischen Alpen. Doch wie viel ist tatsächlich in den Urlaubsregionen los? BGLand24.de hat bei der DEHOGA, der Jennerbahn und im Nationalpark Berchtesgaden nachgefragt.

Bereits zu Beginn der Corona-Krise mahnte Markus Söder vor Urlaub im Ausland und warb im gleichen Atemzug für Bayern als attraktive Reise-Alternative für Feriengäste. Das scheinen sich viele Deutsche zu Herzen genommen zu haben, denn es finden sich außergewöhnlich viele Besucher vor allem in der Alpenregion wieder. Die Sommerferien lockten jede Menge Touristen in die Berge, auch solche, die sonst eher nicht im Freistaat Urlaub machen.


Immer wieder erreichten uns in den letzten Wochen Berichte von Lesern, die mit der Situation unzufrieden sind. Anwohner und Besucher gleichermaßen klagen über Müll, vollgestopfte Parkplätze und Verkehrschaos. Auch nicht-eingehaltene Abstandsregeln werden bemängelt.

Gefühlt wird die Alpenregion in diesem Jahr geradezu von Besuchern überrannt. Doch wie akkurat ist dieses Gefühl und wie wirken sich die Besucher auf die Touristenbranche aus?


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BGLand24.de hat bei der DEHOGA und beim Nationalpark Berchtesgaden nachgefragt, wie heftig der Ansturm denn nun wirklich ist.

DEHOGA: Touristen-Ansturm nur in einzelnen Hotspots

Karolina Wojdyla, Referentin für Kommunikation beim Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V., berichtet, dass die Sommerferien leider nicht die erhoffte finanzielle Erleichterung für Hotels mit sich brachten. Zwar haben Gaststätten und Restaurants in den Urlaubsregionen im Schnitt wieder Hoffnung schöpfen können, gleichzeitig bleibt die Lage in den Städten prekär.

Bayernweit können Hotels im Durchschnitt wesentlich weniger Vorbuchungen verzeichnen als noch im Vorjahr. Im August liegen die Reservierungen 42,9 Prozent, im September 49,9 Prozent und im Oktober 54,2 Prozent unter den Vorjahreswerten, so eine aktuelle Umfrage. Im Herbst wird außerdem mit einer Zuspitzung der Lage gerechnet, weil die Außenbereiche dann nicht mehr genutzt werden können.

Allgemein sei die Region auf keinen Fall überlaufen, so Wojdyla. Es gebe lediglich vereinzelte Hotspots, bei denen eine intelligente Gästebetreuung von Bedeutung sei. Die Verluste der vergangenen Monate können aber auch in Hotspots nicht wieder gut gemacht werden, da Hotels eine begrenzte Anzahl von Betten haben, die sie besetzen können. Auch in der Gastronomie könne man nur begrenzte Mengen Gäste zulassen. „Daher versuchen wir alles, um den Erhalt unserer Strukturen zu sichern“, beteuerte sie.

Auf die Frage, ob es eine Prognose für den Herbst gäbe, antwortet Wojdyla wenig optimistisch. „Fast 60 Prozent der befragten Betriebe sehen sich nach wie vor in ihrer Existenz gefährdet." Entscheidend werden auch Rettungs- und Reformmaßnahmen werden.

Für die Hygienekonzepte, die weiterhin streng eingehalten werden müssen, zeigen die meisten Gäste großes Verständnis, so Wojdyla.

Nationalpark Bechtesgaden: Verstöße häufen sich

Auch Carolin Scheiter, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation des Nationalparks Berchtesgaden, sieht keinen direkten Overtourism in der Region. Gerade am Jenner wurde immer wieder von Menschenmassen gesprochen, die geradezu am Berg Schlange stünden.“ Zwar nehme der Nationalpark keine konkreten Zählungen an den Besuchern vor, „was aber im Vergleich zu den Vorjahren auffällt, sind die zunehmenden Verstöße gegen die Nationalparkverordnung wie Campieren, Feuer machen, Drohnen steigen lassen, Befahren nicht freigegebener Straßen und Wege mit PKW und Fahrrädern.“

Diese Vergehen werden, wenn immer möglich, beim Landratsamt zur Anzeige gebracht. Als Hotspot identifizierte Scheiter neben dem Jenner vor allem den Bereich um den Königssee.

Auch ein Hygienekonzept gebe es. In den Informationsstellen (z.B. Haus der Berge, Klausbachhaus) sowie in der Verwaltung und anderen Einrichtungen des Nationalparks gelten detaillierte Hygienekonzepte, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen.

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Wildparker im engeren Sinne gibt es im Nationalpark nicht, denn es gibt keine offiziellen Parkplätze innerhalb des Schutzgebiets. Fahrzeuge, die Forststraßen im Nationalpark ohne Genehmigung befahren (oder auch ohne Genehmigung abgestellt im Nationalpark aufgefunden werden), werden zur Anzeige gebracht. 

Jennerbahn-Vorstand bezieht Stellung zu Aussagen von Besuchern

Franz Moderegger, Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, zeichnet gegenüber BGLand24.de ein ähnliches Bild. Natürlich seien viele Besucher, Einheimische, Touristen und Ausflügler bei schönem Wetter am Jenner unterwegs. „Ich denke, wir sollten uns freuen in einer Gegend zu leben die so einzigartig ist, dass sich auch Menschen aus anderen Gegenden dafür begeistern können. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass wir fast alle zu einem großen Teil auch die Vorzüge genießen in einer Urlaubsdestination zu leben. Viele infrastrukturelle Einrichtungen gäbe es sonst nicht,“ so Moderegger.

Dass aber, wie einige Anwohner berichteten, bereits am frühen Morgen schon lange Schlangen von Wanderern an der Jennerbahn anstehen, sei so nicht richtig. Auch an gut besuchten Tagen käme es vor allem zwischen 10 und 13 Uhr zu Wartezeiten, außerhalb davon sei das kein Problem.

Wer also aus der Gegend kommt und daher zeitlich flexibel ist, solle lieber außerhalb dieser Stoßzeiten kommen, dann ließen sich Wartezeiten gut vermeiden.

Für die Einhaltung des Abstandes zwischen Gästen habe man Markierungen am Boden angebracht und das Anstell-Konzept angepasst. Auch weisen die Angestellten bei jeder Gelegenheit darauf hin, bitte den Abstand zu wahren und sich an die Hygienevorschriften zu halten. Doch an dieser Stelle spiele auch die Eigenverantwortung eine Rolle, die Gäste müssen diese Vorgaben dann auch umsetzen. „Die Besetzung der Gondeln ist - ähnlich wie in den Bussen des Personennahverkehrs - „nur“ auf die Kapazitätsgrenze der Gondeln beschränkt.

Eine Kapazitätseinschränkung wie zu Beginn (ab Ende Mai) wurde im Juli aufgehoben. Dafür wurde eben die Pflicht zum Tragen eines Mundnasenschutzes in den Gondeln eingeführt. Gerne lassen wir aber unseren Gästen, soweit möglich, etwas Spielraum und drängen eben nicht auf die Vollbesetzung. Wir möchten, dass sich unsere Gäste (Touristen, Ausflügler, Einheimische) bei uns wohlfühlen", erklärt Moderegger weiter.

Fazit: Sorgen in Tourismus-Branche bleiben

Abschließend lässt sich feststellen, dass es zwar viele Ausflügler in diesem Jahr in der Alpenregion gibt, dass aber die Hotels im Durchschnitt weiterhin wesentlich weniger Besucher verzeichnen als im Vorjahr. Ein Grund dafür ist sicher, dass ein Großteil der Besucher zu den sogenannten Hotspots, wie am Jenner reist, die Hotels, die nicht direkt an solchen Orten liegen, aber leer ausgehen. Auch Tagestourismus zieht zwar Besucher in die Region, diese buchen aber keine Zimmer. Für die Hotellerie außerhalb dieser Hotspots ist der Besucherstrom also kein Trost.

Wichtig ist und bleibt besonders an gut besuchten Orten die eigenverantwortliche Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. A

jv/jg

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