Turbulenzen bei AfD Berchtesgadener Land

„Dreiste, freche Lügen“ oder „an den Haaren herbeigezogen“? Das sagt der neue Vorsitzende Müller

Neuer Kreisvorstand der AfD-Berchtesgadener Land
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Der neue Kreisvorstand (von l. nach r.): Michael Brandl, Dr. Klaus Kuchlbauer, Hansjörg Müller, MdB, Wolfgang Koch, Dr. Wolfgang Köbele, Toni Edfelder. Die AfD betont, dass das Bild bearbeitet worden sei, die Abstände seien eingehalten worden.

Berchtesgadener Land - Am Samstag, den 19. September, wurde der AfD-Kreisvorstand des Berchtesgadener Landes neu gewählt. Während der Sitzung soll es Turbulenzen gegeben haben, im Nachgang war von "dreisten, frechen Lügen" und einer fingierten Wahl die Rede. Was ist dran an den Vorwürfen? BGLand24.de hat bei Hansjörg Müller, dem neuen Kreisvorsitzenden der AfD, nachgefragt.

Die AfD Berchtesgadener Land lud am vergangenen Samstag zur Wahl. Galt es unter anderem doch, einen Kreisvorstand zu wählen. Neuer Kreisvorsitzender im Berchtesgadener Land wurde der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Müller, sein Stellvertreter Wolfgang Koch. Dr. Wolfgang Köbele als Schatzmeister, Toni Edfelder als Schriftführer und Dr. Klaus Kuchlbauer als Beisitzer komplettieren das neue Führungsteam. Nicht alle waren mit dieser Wahl allerdings einverstanden. Ganz im Gegenteil.


„Dreiste, freche Lügen“

Bereits die Presseaussendung der AfD selbst verrät, dass es bei der Wahl Nebengeräusche gab. „Der frühere stellvertretende Kreisvorsitzende Jens Schosnowski zog seine Kandidatur lautstark zurück“, ist da etwa zu lesen. In sozialen Medien wird das ein oder andere AfD-Mitglied deutlicher. Birgit Filzer, bei den Kommunalwahlen immerhin auf dem dritten Platz der AfD-Kreisliste, verleiht ihrem Ärger über die Wahl und das Wahlergebnis auf ihrer Facebook-Seite mit deutlichen Worten Ausdruck: „Unglaublich! Dass es dreckig wird, war mir klar, aber so viele dreiste, freche Lügen in drei Stunden habe ich vorher in 50 Jahren noch nie gehört“, schreibt sie etwa. Die Wahl sei „fingiert“ gewesen. Weiters spricht sie von einer „intriganten, lächerlichen und unprofessionellen Vorstandswahl“. Mitglieder hätten die Mitgliedschaft gekündigt und Hansjörg Müller „die Mitgliedskarte gestückelt vor die Visage geschmissen.“ Der „Untergang“ des Kreisverbandes sei jedenfalls besiegelt, so Filzer.


Pikant: Filzer, Hansjörg Müller und Jens Schosnowski gelten eigentlich als ideologisch nahestehend, Müller und Schosnowski werden dem offiziell aufgelösten Flügel um Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke zugerechnet.

AfD-Müller bestätigt Unstimmigkeiten

Im Gespräch mit BGLand24.de beschreibt Hansjörg Müller den Verlauf des Abends aus seiner Sicht. Die fünf Stunden hätten überwiegend in „friedlicher, gesitteter und harmonischer" Atmosphäre stattgefunden. In einer etwa 15 Minuten langen Phase habe es allerdings Unstimmigkeiten gegeben. Organisiert wurde der Abend übrigens vom AfD-Bezirk Oberbayern - dies, da der Kreisverband nicht mehr handlungsfähig gewesen sei, so Müller.

Die Behauptungen Filzers seien „an den Haaren herbeigezogen“. Er erklärt sich ihre Attacken damit, dass sich Filzers Favorit Schosnowski nicht durchgesetzt habe.

Die Wahl sei jedenfalls transparent abgelaufen, Filzer habe selbst mit abgestimmt. Auch sei es möglich gewesen, geheim zu wählen - Kritiker hatten anklingen lassen, dass diese Möglichkeit nicht gegeben gewesen sei. Der Wahlleiter habe laut Müller eigens noch auf eine dafür bereitgestellte Wahlkabine hingewiesen.

Risse in der AfD? Das sagt Müller

Davon, dass es den Eindruck erwecke, dass bei der AfD-Berchtesgadener Land ein Riss selbst durch alle ideologischen Lager gehe, will Müller nichts wissen. Er selbst beschreibt sich als „deutschen Patrioten“ und zugleich wirtschaftsliberal. Eine Eigenschaft, mit welcher er die verschiedenen Lager in der AfD abbilde. „Deshalb habe ich bei der Wahl auch so große Unterstützung erfahren“, führt er aus. Primär sei es bei der Wahl allerdings nicht um Ideologie gegangen, sondern darum, wer ein „anständiger Mensch“ sei und wer nicht. Mit Wolfgang Koch etwa, der eher als gemäßigt gilt, könne er gut, da dieser eine „geradlinige Art" habe.

Nun gelte es, Frieden im Kreisverband zu stiften. Dabei setze er auf seine berufliche Erfahrung als Sanierungsgeschäftsführer. Die Frage, ob das Tuch zu Filzer und Schosnowski vollkommen zerschnitten sei, beantwortet er indirekt. Filzers Aussagen sprächen für sich, Schosnowski wiederum hätte seine Chance gehabt, und diese nicht genutzt.

Dass die Streitereien innerhalb des Kreisverbandes der AfD geschadet hätten, räumt Müller ein. Nun gelte es aber, das schlechte Image zu bereinigen. Darauf angesprochen, ob offen ausgetragenen AfD-Querelen - ob nun im Kreisverband oder bundesweit - die Chancen der Partei bei den Wählern nicht erheblich schmälere antwortet er, dass es im Kreisverband nun keinen Riss mehr gebe.

Kritik an AfD-Bundessprecher Meuthen

Direkt auf den AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen angesprochen - dieser hatte in der Vergangenheit ja sogar eine Spaltung der Partei ins Spiel gebracht, da sich die unterschiedlichen Lager nicht mehr unter ein Dach bringen ließen - meint er, dass Meuthen „auf dem besten Wege sei“, die Parteibasis gegen sich aufzubringen. Die Äußerungen Meuthens seien zunehmend als dessen private Meinung zu klassifizieren. Für alle Funktionsträger gelte, dass sie sich nicht gegen das Parteiprogramm stellten. So müsse man die Aussagen Meuthens einordnen.

Der ideologische Riss in der Partei zwischen den als gemäßigt geltenden Wirtschaftsliberalen und dem sogenannten „solidarisch-patriotischen“ Flügel werde allerdings überzeichnet dargestellt. Er habe selbst ein wirtschaftsliberales Programm aufgesetzt, welches von Björn Höcke als gut befunden worden sei.

Kreisverband will auf wirtschaftliche Themen setzen

Im kommenden Bundestagswahlkampf wolle der Kreisverband vor allem auf wirtschaftliche Themen setzen. Durch die Corona-Maßnahmen drohte eine Massenverarmung sowie ein wirtschaftlicher Zusammenbruch. Er wolle die „Leistungsträger der Gesellschaft" ansprechen - Angestellte, Selbstständige sowie die Arbeiterschaft.

-dp-

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