Drei Rettungseinsätze zeitgleich

Viel Arbeit für die Bergwacht

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Marktschellenberg/Schneizlreuth - Am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag musste die Bergwacht zu gleich drei zeitgleichen Rettungsaktionen anrücken: 

Am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag waren die Bergwachten am Untersberg und am Predigtstuhl im Lattengebirge mit drei teilweise zeitgleichen und sehr aufwendigen Rettungsaktionen voll gefordert: Neben einer verunfallten 28-jährigen Kletterin mit einer Fußverletzung in der Route Feuerstein (VI+) am Salzburger Hochthron mussten Bergwacht und Polizeihubschrauberstaffel insgesamt drei verstiegene Wanderer aus dem Auergraben auf der Untersberg-Südseite und aus den Rothofen-Gräben am Predigtstuhl ausfliegen.

Am Freitagabend ging ein Notruf vom Salzburger Hochthron ein, wo eine 28-jährige Kletterin aus Wien im Vorstieg in der Route Feuerstein (VI+) in der fünften Seillänge ins Seil gestürzt war und sich am Fuß verletzt hatte. Sie wurde von ihrem Kletterpartner bis zum Standplatz abgelassen, wobei der Notruf zunächst in Österreich einging und bei der Grödiger Bergrettung landete, die den Einsatz auf bayerischem Gebiet dann gegen 16.50 Uhr an die Bergwacht Marktschellenberg übergab. Die Bergwacht und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ mussten den Unfallort erst suchen und konnten die Patientin aufgrund der überhängenden Felswand nicht direkt per Rettungstau anfliegen, weshalb die Einsatzkräfte am Hochplateau abgesetzt wurden. Von dort aus bereitete die Bergwacht eine bodengebundene Rettungsaktion vor, wobei zunächst geplant war, die Frau weiter abzuseilen oder per Motorwinde nach oben zu ziehen. Ein Bergretter wurde rund 150 Meter tief zur Unfallstelle abgelassen, übernahm die Erstversorgung und schaffte es, die 28-Jährige und ihren Partner aus der überhängenden Wand seitlich auf einen Gratkopf zu führen, von wo aus ein Abtransport per Hubschrauber möglich war. Die Retter forderten dafür einen Hubschrauber mit Rettungswinde an, wobei wegen einer Schlechtwetterfront unklar war, ob ein Flug vor Einbruch der Nacht überhaupt noch möglich ist. Kurz nach 19 Uhr traf dann ein Transporthubschrauber der Bundespolizei mit 90-Meter-Rettungswinde in Marktschellenberg ein. Die Besatzung schaffte es gegen 19.45 Uhr, die Verunfallte, ihren Kletterpartner und den Retter vom Gratkopf aus aufzunehmen und ins Tal zu fliegen, wo sie eine Rettungswagen-Besatzung des Roten Kreuzes übernahm und zur Kreisklinik Bad Reichenhall brachte, die sie nach ambulanter Behandlung wieder verlassen konnte.

Bergwacht im Dauereinsatz

Noch während des Einsatzes meldete sich ein unverletzter 58-jähriger Wanderer aus Hessen aus dem Auergraben nördlich oberhalb der Almbachklamm am Untersberg, der dem Bachlauf bergauf gefolgt war und schließlich im absturzgefährlichen Gelände nicht mehr weiterkam. Mehrere Suchmannschaften der Bergwacht Marktschellenberg arbeiteten sich durch Steilhänge und Latschenfelder zu dem Verstiegenen vor und konnten schließlich Rufkontakt herstellen. Die Besatzung des nachgeforderten Polizeihubschraubers „Edelweiß 1“ flog den Verstiegenen und drei Bergwacht-Einsatzkräfte dann gegen 23.30 Uhr per Winde nach Maria Gern aus. Beim anschließenden Gespräch mit dem Verstiegenen stellte sich heraus, dass der Mann durch die Almbachklamm aufgestiegen war, an der Theresienklause nach einem in Wirklichkeit nicht vorhandenen Wirtshaus gleichen Namens gesucht hatte und deshalb weiter in Richtung Quelle aufgestiegen war. „Wir mussten während der vergangenen Jahre bereits mehrere Wanderer retten, die dachten, die Theresienklause in der Almbachklamm sei ein Wirtshaus und die dann bei ihrer Suche in Bergnot geraten sind“, berichtet der Marktschellenberger Bereitschaftsleiter Martin Wagner.

Am Freitagabend gegen 20 Uhr meldeten sich über Notruf zwei Wanderer vom Predigtstuhl im Lattengebirge, die nach einer Bergfahrt mit der Seilbahn beim Abstieg über den Waxriessteig falsch abgezweigt waren und dann im steilen, absturzgefährlichen Gelände der südwestlich verlaufenden Rothofen-Gräben oberhalb von Baumgarten festsaßen. Der 53-jährige Mann und die 49-jährige Frau aus der Oberpfalz und aus Mittelfranken wussten nur ungefähr, wo sie waren, konnten aber mit Lichtzeichen und Hilferufen auf sich aufmerksam machen. Insgesamt 15 Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger suchten in mehreren Gruppen den Waxriesteig talwärts, den Todsbachsteig am Poschberg und das Gelände am Schneideck nördlich der Posch-Jagdhütte ab und konnten dann schließlich Rufkontakt herstellen, aber die Wanderer aufgrund des steilen und von mehreren kleinen Gräben durchzogenen Geländes nicht sehen. Die Besatzung des Bundespolizei-Hubschraubers, der am Untersberg im Einsatz war, ortete die Verstiegenen beim Rückflug nach Oberschleißheim und gab die ungefähren Koordinaten an die Bergwacht weiter, konnte aber keine nächtliche Rettung per Winde durchführen. Die Bergwacht richtete deshalb ein Seilgeländer und eine Abseilstelle ein und arbeitete sich bergab bis auf 150 Meter oberhalb der Einsatzstelle vor. „Edelweiß 1“, der unterwegs zum Auergraben am Untersberg war, zeigte den Rettern per Landescheinwerfer die genaue Position der Wanderer an; vom Boden aus war aber nicht eindeutig zu sehen, in welchem der drei nebeneinander verlaufenen Gräben der Mann und die Frau tatsächlich sitzen. „Edelweiß 1“ flog nach der Untersberg-Rettungsaktion mit einem Bergwachtmann an Bord direkt zum Rothofen weiter und setzte den Retter mit maximal möglicher Seillänge per Winde auf einer steilen Wiese unterhalb ab, der die Verstiegenen von der Felswand weg weiter nach vorne führen musste, wo sie nacheinander per Winde aufgenommen und in die Hochstaufen-Kaserne ausgeflogen werden konnten. Die Rettungsaktion dauerte bis 1 Uhr in der Nacht, wobei die Bergwacht Berchtesgaden „Edelweiß 1“ für den Rückflug nach München mit ihrem Kerosinanhänger wieder auftankte.

Am Freitagnachmittag gegen 14 Uhr mussten die Bergwacht Berchtesgaden und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ zum Rinnkendlsteig ausrücken, wo ein erschöpfter Wanderer mit Höhenangst Hilfe brauchte. Die Einsatzkräfte flogen den Mann dann per 25-Meter-Tau nach St. Bartholomä aus, von wo aus er mit dem Kursboot zurück zur Seelände fuhr. Darüber hinaus fanden einige weniger aufwendige Rettungsaktionen statt, die weitgehend von den Hubschrauber-Besatzungen alleine abgewickelt werden konnten. Unter anderem brauchte am Mittwoch gegen 10.40 Uhr ein Verletzter mit gebrochenem Sprunggelenk am Hochkalter medizinische Hilfe. „Christoph 14“ holte einen Ramsauer Bergwachtmann an der Blaueishütte ab und flog dann zur oberhalb gelegenen Unfallstelle. Die Einsatzkräfte versorgten den Verletzten und transportierten ihn dann zur Kreisklinik Bad Reichenhall. Am Donnerstag gegen 8.40 Uhr musste ein weiterer Bergsteiger mit Knöchelverletzung mit „Christoph 14“ von der Wasseralm in der Röth abgeholt und zur Kreisklinik Bad Reichenhall geflogen werden.

Am Samstagmorgen (12.9.) gegen 8.40 Uhr musste die Bergwacht Berchtesgaden mit ihrem Rettungsfahrzeug zum Stahlhaus ausrücken und einen 33-jährigen Österreicher mit gebrochenem Sprunggelenk versorgen. Der Mann wurde nach Hinterbrand gefahren und dort vom Landrettungsdienst des Roten Kreuzes zum Weitertransport ins Krankenhaus Hallein übernommen. Am Samstagnachmittag gegen 13.30 Uhr (12.9.) ging ein Notruf aus dem Schuttkar in der Watzmann-Ostwand ein, wo zwei Bergsteiger bei einem Steinschlag verletzt wurden.

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz

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