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"So schützen wir die Rehe vor dem grausamen Tod"

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So schützen wir die Rehkitze vor dem grausamen Tod
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Landkreis - Rund 100.000 Rehkitze sterben jedes Jahr in Deutschland einen grausamen Tod. Aber immer mehr Menschen wollen dieses Massaker nicht länger zu lassen und kämpfen dagegen an:

"Es gibt so viele Dinge die in unserer Welt Leid erzeugen und dieses Massaker ist eines der grausamsten", so eine Bäuerin aus dem Berchtesgadener Land im Gespräch mit BGLand24.de. Und ergänzt:"Das kommt alles nur, weil immer alles größer, schneller, besser werden muss. Wir kleinen Bauern mit unseren Mähwerken oder wenn wir per Hand mähen - wir haben immer schon auf die Kitz geachtet. Aber die großen, die von außerhalb in unser Tal kommen und uns auch die Wiesen wegnehmen, weil sie mehr Geld haben, denen sind die Kleinen doch egal".

Und in der Tag - je größer und schneller das Mähwerk und die großen Maschinen, desto gefährlicher für die kleinen Kitze! Immerhin, immer mehr Landwirte und Jäger arbeiten zusammen und sprechen sich ab, wann gemäht wird, damit das Feld vorher abgegangen werden kann, Scheuchen aufgestellt um die Mutter und die Kitz zu warnen, etc. Auch immer mehr Freiwillige melden sich und unterstützen diese Arbeit. 

Insbesondere die Aktion "Kids for Kitz" hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.BGLand24.de hat Landwirte und Jäger aus der Region befragt, wie sie zu dem Thema stehen:

Rettet die Kitz - Stimmen aus der Region

Ludwig Fegg - www.wald-wild-mensch.de

"Als Initiator der Berchtesgadener Aktion www.wald-wild-mensch.de habe ich im Jahr 2013 über 20.000 Unterschriften an Staatsminister Brunner übergeben. Leider wird dem Wild in Bayern immer mehr Lebensraum, bzw. Überlebensraum genommen. Die 'Initiative Kids for Kitz' finde ich super, denn sie zeigt, dass sich Kinder und Erwachsene für die Kitzrettung stark machen. 

Manches Rehkitz das in der Wiese von seiner Mutter-Geiß abgelegt wurde, wird vom Bauern, der oft große Flächen zu bearbeiten hat, gar nicht gesehen. Oft jedoch von Menschen, die draußen unterwegs sind, dies melden und damit ein oder mehrere Rehkitzleben retten können. 

Ganz besonders freut es mich, dass hier Leute verschiedener Gruppierungen gemeinsam zusammen arbeiten. Tierschutz, Jägerschaft und der 'normale Bürger' setzen sich für die Rettung der Rehkitze ein. Wildtiere gehören zu unserer bayrischen Heimat, ebenso wie Wälder, Berge und Seen! 

Das Motto meiner Unterschriftenaktion lautete: „Wald, Wild und Mensch in einem vernünftigen Miteinander!“ Danke den Kindern, ihren Eltern und Initiatoren für ihren engagierten Einsatz! Vielleicht führt die Aktion 'Initiative Kids for Kitz' auch dazu, dass verstärkt Mittel wie Drohnen mit Wärmebildkameras oder Infrarot-Sensoren für Mähmaschinen eingesetzt und vom Staat gefördert werden. Viele Landwirte werden sich über diese Unterstützung freuen".

Hias Spiegelsberger - Jagdvorsteher bei der Jagdgenossenschaft Holzhausen in der Gemeinde Teisendorf

"Ich bin Bauer und seit 25 Jahren Jagdvorsteher. Das Reh ist ein Wald u. Waldrandbewohner und ziemlich standorttreu. Bei zu hohen Rehwildbeständen werden rangniedere Tiere ständig verjagt und müssen auf schlechtere Revierteile ausweichen. 

Rehkitze die auf der Wiese geboren werden passen ihr Verhalten an und setzen später ihre Nachkommen auch wieder in die Wiese. Bei angepassten Rehbeständen, das heisst der Wald kann sich ohne Schutzzaun verjüngen, setzen die Rehe ihre Kitze im Wald (auf Lichtungen oder Streuwiesen mit hoher Deckung). Da ich selber Bauer bin, weiß ich wie oft früher Rehkitze ins Mähwerk geraten sind und verletzt oder getötet wurden was mir persönlich auch immer sehr nahe ging. 

Mit unserer Art der Jagdnutzung, der Eigenbewirtschaftung ist dieses Gemetzel kein Thema mehr. Trotzdem nehmen wir vor dem Mähen der Wiesen Kontakt mit dem Jäger auf um unnötiges Leid zu vermeiden.

Familie Eder-Hofhammer, Marzoll 

"Wenn wir mähen, dann geben wir dem Jäger Bescheid und der stellt die Scheuchen auf. Oft wissen wir aber auch selber, wenn Rehe drin und dann gehen wir zusätzlich auch selber vorher schon einmal durch. 

Davon ab mähen wir wir aber eh wesentlich später, wie alle anderen, denn wir befinden uns hier in einem Naturschutzgebiet und in unseren Wiesen gibt es so viele Schmetterlinge. Bis wir dann anfangen können zu mähen, sind die Rehkitz schon viel älter als woanders und längst über alle Berge, als dass etwas passieren könnte.

Gerhard Gleißner, Landwirt und Jagdpächter aus Bad Reichenhall-Marzoll

So schützen wir die Rehkitze vor dem grausamen Tod

Seit Jahrzehnten hat die Jungwildrettung im Gemeinschaftsrevier Marzoll einen hohen Stellenwert. Zuerst müssen die Jäger in ihrem zuständigen Revierteil die Standorte der trächtigen Rehgeissen beobachten. In der Setzzeit findet eine rege Absprache zwischen Bauern und Jägern statt. Vor der Mahd werden verschiedene Rettungstechniken angewandt. Besonders bewährt hat sich der Rehkitzretter Wildschreck KrOf von Martin Thoma. Ein Gerät reicht meiner Meinung für 4 Hektar Wiese. Durch variable Licht- und Tonsignale mit Dämmerungsschalter tritt keine Regelmäßigkeit statt, an die sich die Rehgeiss gewöhnen könnte. Einige Geräte sind bei uns im Einsatz. Natürlich sind diese Blinkanlagen der Rehbockjagd nicht förderlich, der Rehkitzschutz hat bei uns aber hohe Priorität.

Bei der Mahd werden elektronische Wildretter ans Mähwerk angebracht, die einen hohen Ultraschallton (110 Dezibel) erzeugen. Diese Geräte werden in der Salzburger Jägerschaft seit vielen Jahren mit Erfolg eingesetzt. Auch im Revier Marzoll sind drei Geräte im Einsatz, die von den Bauern untereinander weitergegeben werden. Nach meiner Erfahrung sind diese sehr wirkungsvoll bei Feldhasen, bei jungen Rehkitzen im Alter bis zu circa 14 Tagen zeigen sie eher einen mäßigen Erfolg. Der Fluchtinstinkt ist hier noch nicht weit genug entwickelt. Abschließend kann ich sagen, dass Wichtigste bei der Jungwildrettung ist das gute Verhältnis zwischen Landwirt und Jägern. Nur so können Rehkitze gerettet werden.

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