Zum Weltfrauentag 2017 - Teil 2

Die wahren Helden zum Weltfrauentag: Über die Frauen am Berg

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"Frauen am Berg" - Infotafel am Eingang zur Wimbachklamm
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Landkreis - Bergsteiger, Bergführer, Bergwanderer! Weit gefehlt, wer denkt dass die Berge der Männerwelt gehören. Auch zu Zeiten des Damensitzes im Reitsports, haben im Berchtesgadener Land die Frauen bereits die Gipfel erklommen

Vielen ist das Buch „Ersteigungsgeschichte der Berchtesgadener Berge“ von Hans Räthling ein Begriff, allerdings fehlt vielen beim Durchblättern eine ganz wichtige Bevölkerungsschicht. Nämlich: "Die Damenwelt!" 

Tauchen die ersten Bergsteigerinnen hierin doch erst in der Phase auf, wo alle Gipfel bereits erstiegen waren. Ein Schelm wer denkt, hier hapert es an der Gleichberechtigung, aber man vermisst schon zu Beginn ein wenig die Damenwelt. Denn schließlich haben ja auch die Sennerinnen mit ihren Tieren in der Vergangenheit bereits die Berge und Almen erklommen. Oder etwa nicht?

Von wegen Männerdomäne!

Und natürlich nicht zu vergessen die Wallfahrten, denn auch diese waren nicht nur Männersache. Zum Beispiel über das Steinerne Meer oder hoch zum Hocheck, in dessen Kastl sich immerhin ein Frauenbilde verbirgt. 

So schreibt Franz Sartori bereits 1811 in einer Reisebeschreibung von: „…Mädchen aus Salzburg“, die auf dem Scheitel des Hochecks standen, denn „…Trotz seiner Höhe ist der große Watzmann doch gefahrlos zu besteigen“.

Königin Marie von Bayern

Die bekannteste aller historischen Watzmann-Touristinnen ist sicherlich Königin Marie von Bayern (1825-1889). „Anfang September 1854 gestattete der König (Maximilian II., Anm. d. V.) seiner Gemahlin einen Herzenswunsch: den Watzmann zu besteigen. Es geschah von Ramsau aus; man übernachtete auf der so genannten Grubenalpe… Um 3 Uhr morgens wurde gefrühstückt, gegen 5 Uhr aufgebrochen und nach vierstündigem Marsch erreichten wir den Gipfel des Großen Watzmann. Der Raum oben ist sehr klein und doch lagerten auf jener luftigen Höhe wohl über dreißig Personen, da auch von Saalfelden aus eine Gesellschaft zugleich mit uns oben ankam….“, so heißt es in der Biografie „Marie. Königin von Bayern in "Ein Lebensbild“ über die königliche Tour auf das Hocheck. 

Neben dem ein oder anderen männlichen Begleiter wurde die Königin auch von den beiden Hofdamen Friederike Freiin von Gumppenberg und Gabriele Gräfin von Rechberg begleitet. Marie liebte schon in jungen Jahren die Berge, gründete den Achsel-Alpenrosen-Orden und wanderte gerne auch im Königsseegebiet. So bestieg sie zum Beispiel 1858 auch bereits den Untersberg.

Clementine, Gräfin von Armansperg

Und noch eine Dame liebte die Berge, die Landratsgattin Clementine, Gräfin von Armansperg. So findet sich zum Beispiel im Hüttenbuch der Funtenseehütte mindestens einmal jährlich ein Eintrag von ihr. Blättert man zum Beispiel im ersten Funtensee-Hüttenbuch, so findet man den Eintrag:  „Clementine von Armansperg ... mit Führer Kederbacher aus Ramsau. Durch d. Wimbachthal über Hundstodtgruben nach Funtensee am 30. September, am 1ten Oktober auf d. Schönfeldspitze“. 

Die Gräfin kam immer ohne Gatten, dafür aber meist in Begleitung adeliger Damen. So geleitete sie zum Beispiel 1883 Therese von Bayern zum Funtensee. Prinzessin Therese, Tochter des Prinzregenten Luitpold, machte ebenfalls als äußerst bemerkenswerte Frauengestalt des 19. Jahrhunderts auf sich aufmerksam. So machte sie sich zum Beispiel als Forschungsreisende einen Namen und wurde als erste Frau Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 

Clementine von Armansperg trat übrigens 1880 als erste Frau der in Ramsau im Jahre 1875 gegründeten Bergsektion bei, was im selben Jahr drei Gräfinnen aus Genua zu dem gleichen Schritt veranlasste.

Rose Friedmann

Wer sich für die Ostwand interessiert, der kommt an dieser Bergsteigerin definitiv nicht vorbei. Rose Friedmann, geborene von Rosthorn (1864-1919), war die erste Frau, die 1896 die Watzmann-Ostwand durchstieg, bei der insgesamt neunten Begehung. Sie stammt aus einer Wiener Industriellenfamilie, heiratete in zweiter Ehe den österreichischen Industriellen und Alpinisten Louis Philipp Friedmann (1861-1939). Das Paar war Teil der Wiener Gesellschaft und verkehrte viel in Künstlerkreisen.

Rose Friedmann unternahm schwierigste Hochtouren in den Ost- und Westalpen. Anlässlich ihres Todes 1919 widmete ihr die „Österreichische Alpenzeitung“ einen ausführlichen Nachruf: „… Mit ihr schied eine der erfolgreichsten Alpinistinnen aus dem immer enger werdenden Kreis derjenigen, welche die Anfänge des führerlosen Wanderns in den Hochalpen noch selbst mitgemacht haben. … Bergfreudigkeit, gepaart mit einer kräftigen Konstitution und energischem Wollen, führte die Verblichene schon frühzeitig der Alpinistik zu, in welcher sie sich bald der hochturistischen Richtung zuwandte und unter ihren Geschlechtsgenossinnen einen ersten Platz einnahm…Ihre bedeutendste Tur in den Nördlichen Kalkalpen, wo sie in der Dachsteingruppe wiederholte Besteigungen vollführte, war wohl die mit Albrecht v. Krafft und Teufel erzwungene Durchkletterung der Watzmannostwand, wobei außer dem freiwilligen ersten noch ein zweites Biwak bei Gewitternacht hart am Gipfelgrat durchgemacht werden musste.“ 

Nina Schlesener

Buchcover - Meine schönsten Touren rund um Berchtesgaden

Und wer sich in der heutigen Zeit für die Damenwelt am Berg interessiert, der kommt an einer gleichermaßen sportlichen wie sympathischen Berchtesgadenerin nicht vorbei: Nina Schlesener. Berchtesgadens einzige staatlich geprüfte Bergführerin. Die Tochter der Hüttenwirte vom Schneibsteinhaus kennt sich in den Berchtesgadener Bergen aus wie sonst kaum jemand, hat schon viele Sommer als Sennerin auf der Alm verbracht und macht als staatlich geprüfte Bergführerin ihre Leidenschaft zum Beruf. Sogar das Bayerische Fernsehen berichtete bereits in einem Portrait in dem Magazin „Zwischen Spessart und Karwendel“ über die junge Berchtesgadenerin.

In ihrem Buch Meine schönsten Touren rund um Berchtesgaden / Berchtesgaden – My Most Beautiful Tours! In diesem Buch stellt Nina 28 Wanderungen und Bergtouren in den Berchtesgadener Alpen vor, von der gemütlichen Familienwanderung bis hin zur anspruchsvollen Watzmannüberschreitung.

Im Bergsteigerdorf Ramsau

Im Bergsteigerdorf Ramsau genauer gesagt am Eingang zur Wimbachklamm findet sich übrigens eine Tafel, in der ebenfalls viele spannende Infos über "Die Frauen am Berg", die diesen Weg bereits erklommen haben, zu lesen sind.

Quellen: Gemeinde- und Tourismusverwaltung Bergsteigerdorf Ramsau („Berchtesgadener Alpen“ Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der DAV Sektion Berchtesgaden 1950, Nachruf von G. Geyer in der Österreichischen Alpenzeitung 1919, Funtenseehüttenbuch 1879-1884, Heindl Hannes: Marie – Königin von Bayern. 1989, Jahresberichte der D.u.Ö.A.V. Section Berchtesgaden 1875-1900, Sartori Franz: Neueste Reise durch Österreich)

Zum heutigen Weltfrauentag finden Sie auf BGLand24.de einen weiteren Artikel zum Thema: "Die Leidenschaft der Frauen" sowie über die historischen Heldinnen aus dem Berchtesgadener Land.

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