Frühjahrszeit: Vorsicht Rehkitze in Gefahr!

Achtung Rehkitze - Der verzweifelte Kampf gegen den grausamen Tod

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Rehkitz
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Landkreis - Tierkinder kommen auf die Welt. Aber genau diese sind in ihren ersten Lebenswochen einer tödlichen Gefahr ausgesetzt, die man mit ein wenig Engagement ganz einfach verhindern könnte:

Rund 100.000 junge Kids sterben jedes Jahr in Deutschland einen qualvollen Tod durch die Mähdrescher in der Landwirtschaft. Dazu kommt eine große Dunkelziffer die vermutlich wesentlich höher ist. 

Aber nicht nur Rehkitze sind gefährdet, auch unzählige Feldhasen, Katzen, Mäuse und selbst Vögel sind schon häufig den sich unerbittlich rotierenden Kreiseln zum Opfer gefallen.

Grausamer Tod der Tiere 

"Nicht nur junge Rehe sind extrem gefährdet, während Kitze durch Mäharbeiten getötet oder schwer verletzt werden, um im letzteren Fall unter größten Schmerzen zu sterben, werden Hasen zumeist untergepflügt oder zerquetscht. Dabei wäre beides mit relativ geringem Aufwand in den meisten Fällen zu verhindern." so Christian Blas, der Vorsitzende der Allianz für Wildtiere. Und ergänzt: "Um hier tatsächlich Abhilfe zu schaffen, müssen Bauern, Jäger und Tierschützer zusammenarbeiten".

Positive Beispiele unter den Landwirten 

Landwirt Anderl Resch

Dabei wäre es eigentlich ganz einfach, diese grausamen Massaker zu verhindern. Viele Landwirte sind sehr engagiert, wenn es um den Schutz der Jungtiere geht. So wie Anderl Resch aus dem Berchtesgadener Land, der regelmäßig Scheuchen aufstellt und vor der Mahd mit dem Hund über die Wiesen läuft, um die Mutter des Jungtieres zu warnen und ihr zu signalisieren, dass dieser Ort für Kitz nicht mehr sicher ist.

Bildergalerie: Rehkitze und Co in Gefahr

Zivil- und strafrechtliche Folgen für die Landwirte

Weit gefehlt wer glaubt, dass die Justiz dieses grausame Massaker an den Tieren ungeahndet lässt. Nimmt ein Landwirt billigend in Kauf, dass sich noch abgelegte Rehkitze in der Wiese befinden, die beim Mähen zu Tode kommen, so muss er nicht nur mit zivilrechtlichen, sondern auch strafrechtlichen Folgen rechnen

Eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sowie ein Bußgeld sind die Folge. Dazu kommen auch immer häufiger Schadenersatzzahlungen an den Jagdpächter des Gebietes, wenn der Landwirt leichtfertig Rehkitze durch den Erntevorgang getötet hat. Abgesehen davon, dass die kleinen Tierleichen in Siloballen zu gefährlichen Vergiftungen der Kühe führen kann.

Wussten Sie das? 

BGland24.de hat die Wildtierbiologin Dr. Christine Miller gefragt, welche Überlebenschancen die jungen Kitz generell haben und wo die Gefahren überall lauern: "80% der Kitze werden in einem circa dreiwöchigen Zeitraum rund um den 22. Mai gesetzt. Aber: 20-80% der Kitze sterben im ersten Sommer. 

Wie viel davon durch Mähwerke zu Tide kommen ist unterschiedlich und hängt von der Landschaftsstruktur und der Rücksicht der Landwirte ab", so Dr. Miller. Und ergänzt: "Neben der Landwirtschaft ist der Bestand auch extrem wetterabhängig. So sind die Geißen aufgrund des frühen Frühjahrbeginns rund zwei Wochen 'außer Takt' geraten. Vor allem in Waldgebieten schlägt sich das in geringerer Überlebenswahrscheinlichkeit der Kitze nieder. 

Auch die Wetterkapriolen im Frühling, vom Spätfrost bis zum Dauerregen im Mai sind schlechte Nachrichten für die Kitze. Erst ab Mitte, Ende August beginnt die aktive Führung der Kitze durch die Geiß. Erst dann beginnen die Jungen mit der Mutter das Revier kennen zu lernen. 

Diese Ortskenntnisse sind überlebensnotwendig. Als nächstes stehen dann die Fächer 'Sicherheit' und 'Revierkunde' bis zum nächsten Frühling auf dem Stundenplan. Die Führung der Kitze dauert so lang. Verlieren die Kitze vorher die Mutter, staksen sie recht unsicher und unerfahren in und durch die Einstände und sind extrem gefährdet. 

Körperlich ausgewachsen sind Rehe übrigens mit 4 Jahren, obwohl Geißen schon ab dem dritten Jahr nur noch wenig an Körpergewicht zulegen. Auch ein 'Zu spätes' Setzen der Kitz oder zu trockene Sommer können übrigens auch die Überlebenswahrscheinlichkeiten und damit die Zuwachsraten der Geißen um bis zu 40% verringern. 

Erschreckend: Seit 2009 sind die Rehwildstrecken in weiten Teilen Europas wieder im sinken, was durch den steigenden Jagddruck in manchen Gebieten jedoch verschleiert wird".

Initiative Kids for Kitz

Initiative Kids for Kitz - stoppt den Mähtod! So lautet das Motto einer Initiative, die sich gegen den grausamen Mähtod bei Rehkitzen einsetzt. Doris Völker-Wamser, eine Tierschützerin, die jedes Jahr beobachten musste, wie vor ihrer Haustüre zahlreiche Kitze ausgemäht wurden, kam auf die Idee

Sie informierte sich über die Möglichkeiten der Kitzrettung und hat es sich zum Ziel gemacht, die Kinder auf das Thema aufmerksam zu machen. Zum Beispiel durch Aufklärungsarbeit in Kindergärten und Schulen, durch das Basteln von bunten Scheuchen im Kunstunterricht, die dann mit den Lehrern den Jägern übergeben werden, damit er sie kurz vor der Mahd ausbringen kann und viele andere Aktionen. 

2016 wurde diese Initiative von der Bayerischen Staatsregierung mit dem Tierschutzsonderpres ausgezeichnet.

Weitere spannende Info über die jungen Rehkitz lesen Sie im Wildtierforum auf be-outdoor.de

Mehr über die Initiative Kids for Kitz und wie auch Sie den jungen Rehkitz helfen können, lesen Sie am Wochenende auf BGLand24.de

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