418,5 Millionen Euro für die Kreiskliniken Südostbayern

"Es ist besser zu klotzen als zu kleckern"

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Dr. Uwe Gretscher (l.) und Landrat Georg Grabner sind sich einig: Hohe Investitionen sind erforderlich, die Kliniken Südostbayern zukunftsfähig zu machen.

Bad Reichenhall - Rund 418,5 Millionen Euro will die Kliniken Südostbayern AG bis 2033 in die Hand nehmen, um in die Standorte Traunstein, Ruhpolding und Bad Reichenhall zu investieren. Klinikenvorstand Dr. Uwe Gretscher hat die Pläne für die nächsten 15 Jahre nun dem Kreistag im Landratsamt präsentiert.

Die Kliniken Südostbayern AG hat für die Kreiskliniken Traunstein, Ruhpolding und Bad Reichenhall eine Zielplanung für deren eigene Liegenschaftsentwicklung erstellt. So soll in die Kreisklinik Traunstein bis 2033 ein Investitionsvolumen von 289,5 Millionen Euro fließen

Nicht nur strukturell soll neu geordnet werden, so Gretscher, ebenfalls sollen die Funktionseinheiten konzentriert werden. „Wir wollen maximale Synergieeffekte nutzen“, sagte der Klinikvorstand. In Traunstein würde eine komplett neue Klinik entstehen. Der Bettenbedarf für 2026 wird auf 617 geschätzt. 

77 Millionen Euro für die Bettenkapazität

In den ersten Bauabschnitten soll insbesondere die Bettenkapazität erweitert und die Kinder- und Jugendmedizin neu gebaut werden. Die geplanten Kosten: 77,48 Millionen Euro, wobei eine erwartete staatliche Förderung in Höhe von rund 45 Millionen Euro zum Tragen kommt. In einem weiteren Bauabschnitt (2022 bis 2025) sollen neue Operations- und Funktionsräume geschaffen werden. Die mit erwarteten 70 Millionen Euro geförderte Maßnahme soll insgesamt 100 Millionen Euro kosten. Insgesamt werden für die ersten Bauabschnitte Gesamtkosten von 177,48 Millionen Euro kalkuliert. 

Nach Abzug der erwarteten staatlichen Förderung von 115 Millionen Euro an Einzelfördermitteln sowie der geplanten Verwendung von etwa 3,5 Millionen Euro an Pauschalfördermitteln für Medizintechnik müsste von der Kliniken Südostbayern AG ein Eigenanteil von 58,79 Millionen Euro finanziert werden. Der Landkreis Traunstein hat bereits beschlossen, der Kliniken Südostbayern AG für den ersten Bauabschnitt einen Investitionskostenzuschuss von 4,6 Millionen Euro zu gewähren. Hierbei handelt es sich um Finanzmittel des Landkreises Traunstein, die für den bisherigen, nun nicht zu verwirklichenden ehemaligen Bauabschnitt 9 angespart wurden. 

In der Finanzplanung der Kliniken Südostbayern AG sind im Zeitraum von 2018 bis 2024 weiter Investitionskostenzuschüsse von jährlich je drei Millionen Euro, insgesamt 21 Millionen Euro, durch die beiden Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein enthalten. In den bisherigen Verhandlungen wurde davon ausgegangen, dass der Landkreis Berchtesgadener Land ein Drittel, also 1 Million Euro pro Jahr, und der Landkreis Traunstein zwei Drittel, also 2 Millionen Euro pro Jahr, übernehmen – entsprechend der Beteiligungsverhältnisse. Vorstandsvorsitzender Uwe Gretscher sagte, dass es sich bei den geplanten Investitionen „um keine Blütenträume handelt.“ 

Drei Jahre für die Unternehmenssanierung investiert

Drei Jahre lang habe man viel Zeit und Arbeit in die Unternehmenssanierung gesteckt. „Wir wollen zukunftsfähig bleiben.“ Rückstellungen seien gebildet und Altlasten bereinigt worden. „Wir tragen uns wieder selber, auch, wenn es noch Luft nach oben gibt“, so Gretscher. Lagen die Verbindlichkeiten der Kreiskliniken 2013 noch bei 60 Millionen Euro, konnten diese bis 2017 auf 20 Millionen Euro verringert werden. 

Gretscher betonte, dass es sich bei den geplanten Investitionen um Vorüberlegungen handelt. So könnte die Kreisklinik Reichenhall entweder im Bestand modernisiert werden, was aber mit einer jahrelangen Baustelle verbunden wäre. N otwendige Umbau- und Sanierungsmaßnahmen am bestehenden Standort würden sich über 14 Jahre erstrecken – mit Gesamtkosten von rund 136 Millionen Euro. 

Neubau als Alternative

Die Alternative: ein modularer Neubau auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern. Der Bettenbedarf wird für das Jahr 2026 auf 300 Betten geschätzt. Ein solcher Neubau würde rund 125 Millionen Euro kosten, der Grunderwerb noch nicht eingeschlossen. Die Bauzeit würde bei drei Jahren liegen. Bei einem erwarteten Baubeginn 2021 wäre der Neubau frühestens 2024 fertig.

Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner betonte, dass es bereits Überlegungen über mögliche Grundstücke gebe. „Es ist nicht so, dass wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht haben.“ Die Kliniken Südostbayern AG plant ebenfalls für die Kreisklinik Ruhpolding eine Baumaßnahme.Der voraussichtliche Eigenanteil liegt bei 2,25 Millionen Euro. Kreistagsmitglied Dr. Bartl Wimmer sagte, dass es sich um eine „enorme Investitionssumme“ handle. Er betonte, dass man sich nur dann an die Sache heranwagen solle, „wenn der Vorstand stabil ist und die Sache mitträgt.“ Wichtig sei ihm, nicht erneut in eine Situation zu geraten, in der die Eigenkapitalausstattung zu knapp werde. Er forderte, auch weiterhin Transparenz zu zeigen und eine „saubere Debatte über die geplanten Dinge zu führen.“ 

Hans Metzenleitner sagte, „dass nun die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Was hier passiert, ist aller Ehren wert.“ Zum ersten Mal überhaupt könne man agieren und nicht nur reagieren. Die Wettbewerbsfähigkeit der Kliniken Südostbayern müsse unter allen Umständen erhalten bleiben. 

Rudolf Zeif erklärte, dass ihn eine Bauzeit für die Klinik Reichenhall von 14 Jahren „beunruhigen“ würde. Es sei nun wichtig, Ausschau nach einem guten Grundstück zu halten. Auch Dr. Werner Vietze betonte, dass es „Unsinn wäre, in Reichenhall nur zu sanieren.“ Vor allem benötige man Parkplätze und ein geeignetes Grundstück. „Es ist besser zu klotzen als zu kleckern.“ 

Richard Grassl forderte, eine Informationsoffensive zu starten „und die Bürger auf dem langen Weg mitzunehmen.“ Anderenfalls befürchtet er, „dass es schwierig wird.“ Landrat Georg Grabner bekräftigte dessen Wunsch. Vorstandsvorsitzender Uwe Gretscher informierte, dass man in Reichenhall zum aktuellen Zeitpunkt gut handlungsfähig sei und ausreichend Zeit habe. „Bereits jetzt eine Debatte zu führen, wäre sinnlos.“ 

Kilian Pfeiffer

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