Brauchtum im Rupertiwinkel

Aperschnalzen - Der Rupertiwinkel lässt's krachen...

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Aperschnalzen im Rupertiwinkel
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Landkreis - Kaum haben die Weihnachtsschützen ihre Böller wieder eingepackt, wird es im Rupertiwinkel laut. Hier wird zwar nicht geschossen, dafür aber eifrig geschnalzt:

Update, 22. Januar 2017 - So schön war es beim Goasslschnalzen in Eichet

Bildergalerie: Tolle Stimmung bei den Goasslschnalzern in Freilassing

Viele Bräuche gibt es im und rund um das Berchtesgadener Land. Den Nikolaus und seine Kramperl, die Weihnachtsschützen und noch viele traditionelle Brauchtümer. Ein ebenfalls weithin bekanntes und wichtiges Brauchtumsrelikt ist das Aperschnalzen im bayerischen Voralpenland und im Salzburger Land.

Wichtiges Brauchtum 

Das Aperschnalzen gehört zu den uralten, vorchristlichen Bräuchen. Die eigentliche Entstehung ist nicht hunderprozentig bestätigt, hier gibt es verschiedene Meinungen:

  • Eine Bedeutung die nicht wirklich belegbar ist besagt, dass die Schnalzerei zur Zeit der Pest als Kommunikationsmittel genutzt wurde
  • Die Mehrheit spricht aber davon, dass es dabei um das Austreiben des Winters geht. Der Lärm soll die bösen Mächte der Finsternis und der Kälte vertreiben
  •  Und dann gibt es auch noch die Bauern, die der Auffassung sind, dass es sich bei dem Aperschnalzen eher um einen Fruchtbarkeitsbrauch handelt. Die lauten Peitschenhiebe sollen die Saat, die derzeit noch unter der tiefen Schneedecke schlummert, zu neuem Leben erwecken.

Zum ersten Mal erwähnt im Jahre 1730

Den ersten Hinweis über das Aperschnalzen findet man aus dem Jahre 1730 und zwar aus Gois. Urkundlich belegbar ist der Brauch allerdings erst seit dem Jahr 1810. Aus dem Jahre 1829 ist zu lesen, dass in diesem Jahr in Laufen sogar ein Schnalzverbot erlassen wurde, und zwar wegen Ruhestörung

Ebenfalls belegbar ist, dass zu Ehren des Erzherzogs Ludwig Viktor je eine Bauern-, Burschen- und Schulknabenpasse aus Siezenheim im Jahre 1911 auf der Schlosswiese in Kleßheim bei einem Festzug in Bad Reichenhall geschnalzt haben. Aus dem Jahre 1924 gibt es die gleiche Information über die Viehhausener Schnalzer.

Hier wird geschnalzt

Geschnalzt wird zwischen Weihnachten und der Fastenzeit und zwar in den Ortschaften entlang der Grenzflüsse Saalach und Salzach. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem historischen Rupertiwinkel zu. Diese Bedeutung basiert auf dem 1. Mai 1816. Damals wurden auf dem Wiener Kongress Stadt und Land Salzburg endgültig Österreich zugesprochen. Die sogenannten Kornkammer, des alten Erzstiftes Salzburg, Waging, Tittmoning, Teisendorf sowie Laufen blieben bei Bayern  bilden seither den bayerischen Teil des Rupertiwinkels

Übrigens, es gibt natürlich auch eine Schnalzervereinigung, die die Interessen der Aperschnalzer vertritt. Und wie soll es auch anders sein, diese erkennt nur Schnalzergruppen mit Sitz im Rupertiwinkel an.

So wird geschnalzt

Zum  Schnalzen wird eine "Goaßl" verwendet. Diese besteht aus einem Holzstiel und einem Hanfseil, das sich nach außen schmaler wird und mit schwarzem Pech eingelassen ist. Am Ende der Goaßl ist ein Bast befestigt. Der Knall erfolgt durch die schnelle Richtungsänderung. 

Die schnalzenden Gruppen heißen Passen und eine Schnalzerpasse besteht in der Regel aus einer ungeraden Zahl an Schnalzern, meistens beläuft sich diese anzahlsmäßig auf neun Mann. Dann wird in zwei Durchgängen geschnalzt. In der Regel ist der kleinste Mann jeder Passe der so genannte "Aufdreher". Er leitet das Schnalzen ein. Das geschieht mit dem Ruf: "aufdrahd, oani, zwoa, drei, dahin geht's". 

Und schon beginnen alle neun Mann nacheinander an zu schnalzen. Der Kräftigste der Gruppe darf im Anschluss noch am Draufschnalzen teilnehmen. Pro Durchgang schnalzt jeder Mann neun- oder elfmal. Seit 1954 gibt es auch ein alljährliches Treffen, bei dem sich alle Jugend- und Alterspassen treffen. Dieses findet immer eine Woche vor dem Faschingssonntag statt und nennt sich Rupertigau-Preisschnalzen.

Rupertigau-Preisschnalzen

An dem Rupertigau-Preisschnalzen beteiligen sich mehr als 1.700 aktive Schnalzer aus Salzburg und Bayern. Das ganze beginnt mit einem Festzug. Sieben Preisrichter beurteilen dann nach einem ausgeklügelten Punktesystem die Leistung jeder Passe

Das Besondere dabei, die Preisrichter hören die Schnalzer, dürfen sie aber nicht sehen Damit soll verhindert werden, dass eine Pass bevorzugt oder benachteiligt wird. Bewertet wird der gleichmäßigem Takt und die Lautstärke. Die beste und die schlechteste Bewertung einer Pass bleiben jeweils unberücksichtigt. 

Kommentiert wird die Veranstaltung von bekannten Schnalzern, die fachmännisch die Passn am Rande des Geschehens kommentieren. In der Vorkriegszeit floß übrigens beim Preisschnalzen noch die Pflege der bodenständigen Trachtenkleidung ein. Das ist heutzutage nicht mehr der Fall. 

Austreibung der Dämonen

Den Abschluss einer jeder Schnalzerdarbietung bildet stets der Generalpasch, der auch als "Durcheinander" bezeichnet wird. Das Besondere daran ist, dass alle Teilnehmer gleichzeitig schnalzen. Die Lautstärke kann dann schon einmal lautstärkenmäßig einer Dämonenaustreibung gleichkommen. Unbestätigten Gerüchten zufolge, soll es sich während solch eines Durcheinanders schon zugetragen haben, dass die Schnalzerwiese plötzlich von einer Unmenge Würmer belegt war. 

Für die besten Ergebnisse, bzw. höchsten Punktzahlen die erreicht wurden gibt es Urkunden und Bierkrüge, die in den Gaststuben an einem Ehrenplatz aufbewahrt werden, In den Jahren 1986 und 2001 wurden bisher die höchsten Bewertungen festgehalten. 196 von 200 möglichen Punkten wurden von Schnalzerpassen aus Gois, bzw. Siezenheim erreicht. Zusätzlich zu den allgemeinen Preisen erhält die Siegerpass noch eine Wandergoaßl für ein Jahr.

Wichtige Tradition

Während der Wettberwerbscharakter zwischen den einzelnen Passen früher nicht ganz so ernstgenommen wurde, hat die Passnzugehörigkeit im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Teilnahme an Passn-Veranstaltungen wie Schnalzerstammtisch, Schnalzerball oder der so genannte Schnalzermontag hat mittlerweile eine hohe gesellschaftliche Bedeutung

Im Jahr 1957 wurde die "Schnalzervereinigung Rupertiwinkel e.V. mit Sitz in Saaldorf gegründet. Der Zweck des Vereins dient der Erhaltung des heimatlichen Brauchtum

Von Sonderbriefmarken bis Denkmäler

Im Laufe der Zeit wurden den Schnalzern schon viele Denkmäler gewidmet. So gibt es ein Schnalzerlied und einen Schnalzermarsch. 1987 wurde in Loig die Schnalzerkapelle und ein Jahr später in Saaldorf der Schnalzerbrunnen eingeweiht. 1993 wurde den Aperschnalzer von der österreichischen Post sogar eine Sonderbriefmarke gewidmet.

Hier wird bis zur Fastenzeit noch geschnalzt

  • 22.01.2017 - 45. Gebietspreisschnalzen der Gemeinde Saaldorf-Surheim und der Stadt Freilassing in Eichet in Freilassing, Beginn: 14:00 Uhr
  • 27.01.2017 - Schnalzerball in Perach, Gasthaus Alpenblick; im Rahmen des Gemeindeschnalzens der Gemeinde Ainring; Es spielt eine Abordnung der Musikkapelle Ainring
  • 29.01.2017- 44. Ainringer Gemeindepreisschnalzen in Perach, Ausrichter Schnalzerverein Perach, Beginn: 14:00 Uhr
  • 05.02.2017 - 40. Teisendorfer Gemeindepreisschnalzen in Ufering, Ausrichterpasse Ufering, Beginn: 13:30 Uhr
  • 05.02.2017 - 41. Wals-Siezenheimer Gemeindepreisschnalzen in Viehhausen, Beginn: 13:30 Uhr
  • 12.02.2017 - 37. Stoißer-Achental Gemeindepreisschnalzen in Piding, Beginn: 14:00 Uhr
  • 12.02.2017 - 41. Flachgauer Gebietspreisschnalzen (Flachgau und Stadt Salzburg) in St. Georgen bei Oberndorf, Beginn: 14:00 Uhr
  • 12.02.2017 - 38. Gebietspreisschnalzen "Rund um den Waginger See" in Schönram, Beginn: 13:00 Uhr
  • 18./19.02.2017 - 64. Rupertigau-Preisschnalzen in Feldkirchen
  • 18.02. Preisschnalzen mit den ca. 60 Kinder- und Jugendpassen;
  • 19.02. Preisschnalzen der ca. 130 Allgemeinpassen; Preisschnalzen an der Mehrzweckhalle in Mitterfelden mit anschl. Preisverteilung

Weitere Informationen findet Sie unter www.schnalzen.com

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