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Molkerei Berchtesgadener Land baut auf und für Glasflaschen

Große Investition in der Molkerei-Geschichte fur eine nachhaltige Zukunft

Luftbildaufnahme mit Blick auf das neue Gebäude der Produktion IV mit rotem Dach als Randbebauung zur Pidinger Ache.
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Luftbildaufnahme mit Blick auf das neue Gebäude der Produktion IV mit rotem Dach als Randbebauung zur Pidinger Ache.

Die Molkerei Berchtesgadener Land hat im Rahmen einer Presseveran­staltung am Donnerstag, 23. Juni, ihre neue Glasabfüllanlage offiziell eingeweiht. Mit 35 Millionen Euro ist der Aufbau der neuen Produktionshalle samt Anlage eine der größten Investitionen in der Geschichte der Genossenschaftsmolkerei. Die bestehende Flaschen­ Abfüllanlage stieB 2019 an ihre Kapazitätsgrenzen. Für die Molkerei stand außer Frage Milch und Sahne weiterhin im Glas anzubieten. Nun verfügt sie über eine der weltweit mo­dernsten und bezüglich Wasser- und Spülmittelbedarf sparsamsten Mehrweg-Abfüllanla­gen.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Landkreis Berchtesgadener Land - Mit diesem Invest geht die Molkerei konsequent ihren Weg in Richtung umweltfreund­liche Verpackungslosungen weiter, wie Geschäftsführer Bernhard Pointner skizzierte. Of­fen sprach er dabei auch das sich angesichts der aktuellen Krisen und inflationaren Preissteigerungen ändernde Kaufverhalten an. Er zeigte sich aber davon überzeugt, ,,dass ehrli­che Produkte in nachhaltiger Mehrwegverpackung die Zukunft sind“ und die Molkerei damit für die Zeit nach den Krisen richtig aufgestellt sei. Das bestätigte auch Martina Birk, Nach­haltigkeitsbeauftragte vom Neutraublinger Anlagenbauer Krones, der die moderne Glasab­füllanlage in der Molkerei eingebaut hat. In ihrem Impulsvortag stellte sie die Herausfor­derungen von Mehrweg bei Milch und dem Nachhaltigkeitsaspekt von Mehrweg-Glas-Fa­schen heraus. Dass trotz Corona und weltweiten Lieferschwierigkeiten der Neubau und die Anlage fristgerecht aufgestellt werden konnten, verdankt die Molkerei ihrem Credo auch bei Partnern auf Nachhaltigkeit zu setzen. Die Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land steht seit Jahrzehnten für eine Herkunfts­garantie im doppelten Sinn.

Die Milch der eigenen Mitglieder, der Landwirt:innen zwischen Watzmann und Zugspitze, wird erfasst und außerdem ausschließlich am einzigen Standort in Piding im Berchtesgadener Land frisch verarbeitet. Eine Lohnabfüllung durch andere Molke­reien findet nicht statt, sodass Kund:innen sicher sein können: Rohstoff, Verarbeitung und da­ mit auch die besondere Qualität stammen garantiert von Berchtesgadener Land. Das bedeutet umgekehrt: Die Produktion kann nicht ausgelagert werden und es muss am eigenen Standort laufend investiert und modernisiert werden, um z.B. Hygienestandards und neuen Trends zu entsprechen bzw. Abfüllkapazitäten vorzuhalten. Bei der Planung der Flaschenanlage war schnell klar: Die Aufstellung der neuen Anlage muss parallel zur laufenden Produktion an ande­rer Stelle erfolgen. Schließlich benötigt eine Inbetriebnahme mit allen nötigen Qualitätsprüfungen und Probelaufen von Reinigung und Abfüllung Wochen.

Die Produktion IV: Neues Gebäude auf bestehendem Molkereigelände

Das dafür benötigte Gebäude fügt sich als neues, an die Produktion I angebautes Bauwerk per­fekt auf dem seit 1986 am Hockerfeld in Piding bestehenden Unternehmensstandort ein. Die sogenannte Produktion IV rundet dort als Ersatz- und Erweiterungsbau die Bebauung entlang der Pidinger Ache ab. Dazu wurden die Raumlichkeiten der alten Verladung, die seit 2015 am benachbarten Ganslehen erfolgt, abgerissen und die Flache bestmöglich genutzt. Entstanden ist eine neue Bebauung mit 51.000 Kubikmetern auf rund 2.300 Quadratmetern mit Uber alle Stockwerke rund 7.000 Quadratmetern Nutzflache. Im Parterre wurde die neue Glasabfüllanlage inklusive Flaschenwaschanlage mit 850 Quadratmeter Platzbedarf aufgestellt. Im ersten Stock wird schrittweise das Processing zur Herstellung von Sauermilchprodukten mit Erhitzung, Tanks und Kulturenbereitung und voraussichtlich eine neue Butterei aufgestellt. In den zwei obersten Geschossebenen wurden Büros der Abteilungen Qualitätsmanagement, Projektmanagement, Technik und Produktentwicklung untergebracht. Eine Lüftungsanlage mit stockwerksunabhän­giger Betriebsweise wurde für alle Ebenen eingebaut. Besondere Herausforderung beim Bau war die ,,Einhängung“ einer 54 Meter langen und 50 Tannen schweren Versorgungsbrücke für die Versorgung des neuen Gebäudes mit Warmwasser, Eiswasser sowie Druckluft und Dampf aus der molkereieigenen Energiezentrale. Dafür waren zwei große Krane mit 750 bzw. 500 Tannen Ge­wicht nötig, die die Brücke als Ganzes über dem Dach der Produktion I einsetzten.

Die neue Abfüllung: Mehr Flaschen bei weniger Wasserbedarf

Als Marktführer im Segment Trinkmilch in Bayern mit Uber 20 Prozent Marktanteil ist Milch ne­ben Schlagrahm, Butter und Topfen eine der wichtigsten Produktkategorie bei Berchtesgadener Land. Dieses Sortiment umfasst eine breite Vielfalt an Milch-Qualitäten: bio und konventionell, verschiedene Fettstufen von 0,7 bis 3,8 Prozent Fett, verschiedene Gebindegrößen von 250 Mil­liliter bis 10 Liter, von Standard bis laktosefrei, abgefüllt im Tetrapack, Eimer und bereits seit 1991 auch in glasklaren und braunen Mehrwegglasflaschen. Beide Premiumprodukte, die Berg­bauern-Milch und die Demeter- Bio-Alpenmilch, sollen auch zukünftig in der Mehrweg-Glasfla­sche angeboten werden. Für die neue Anlage wurden drei Ziele verfolgt: Verbesserung der Ökobilanz, Verbesserung der Qualität und Erhöhung der Abfüllkapazität.

Die Okobilanz einer Glasflasche muss dabei immer in ihrem Gesamt-Kreislauf gesehen werden, betonte die Nachaltigkeitsbeauftragte Martina Birk. ,,Es gibt nicht pauschal die nachhaltigste Verpackung. So muss bei Glasflaschen immer der Verkaufsradius, die Leergutrückführung und auch der Wasserverbrauch bei der Reinigung abgewogen werden. Die Molkerei Berchtesgadener Land hat ihre Hausaufgaben diesbezüglich gemacht.“ So verbraucht die neue Reinigungsanlage für das Flaschen-Leergut nur noch halb so viel Wasser und deutlich weniger Reinigungslauge. Erreicht wird dies durch eine spezielle Laugenfiltration, sodass die Lauge langer eingesetzt wer­ den kann, bevor die Flasche zum Schluss mit Frischwasser gespült wird. Die ganze Anlage ist komplett in Edelstahlausgeführt und daher gut vor Korrosion geschützt und entsprechend lang­lebig. Der Eingangsbereich mit Leergutreinigung wurde durch eine Wand komplett vom Abfüll­bereich getrennt und der Füllbereich mit einem Reinraum-Dach mit speziellen Luftfiltern sicher ausgestattet, so dass beste hygienische Bedingungen in der Produktion bestehen.

Die Abfüllka­pazität wurde mit 12.000 Flaschen pro Stunde festgelegt und damit verdoppelt. Damit konnte auch das 2019 gegebene Versprechen eingehalten werden: Seit Juni ist die grüne Flaschensahne wieder im Sortiment. Paul Althammer, stellvertretender Produktionsleiter, leitete das Projektteam, das sich nach um­ fangreicher Ausschreibung fUr die Flaschenwasch- und Abfüllanlage von Krones entschied. Bei der Führung in der Molkerei schilderte Althammer eindrücklich, auf welche Details bei der neuen Anlage geachtet und welche Spezialanfertigungen umgesetzt wurden. ,,Unser Projektteam be­stand ausschließlich aus Molkerei- Mitarbeitern. Mit zusammen 125 Jahren Molkerei-Erfahrung von Produktion, Elektrik und Werkstatt haben wir uns gemeinsam eine maßgeschneiderte An­lage aufgebaut“ erzählt er. Der in Neutraubling ansässige Anlagenbauer konnte als einziger die nötigen Anlagenteile in der gewünschten hochwertigen Ausführung anbieten und ist zudem bei Berchtesgadener Land schon seit über 30 Jahren als zuverlässiger Partner bekannt.

Ergänzt wurde die Anlage mit Transportbändern von bms aus Pfattern in der Oberpfalz und der nötigen Inspektionstechnik für Leergut- und Vollgutkontrolle von Heuft aus Burgbrohl im Rheinland. Langfristige Beziehungen zu Partnern gehören zur Nachhaltigkeitsphilosophie der Molkerei. Die Entscheidung- 2019 ge­fällt- hat sich in doppelter Weise bewahrt: ,,Wir hatten uns fUr Firmen in Deutsch landaus Nach­haltigkeits- und Qualitätsgründen entschieden, ohne zum gegebenen Zeitpunkt Uber die As­pekte der Verfügbarkeit durch sichere Lieferketten oder mögliche Reisebeschränkungen nach­ zudenken. Im Nachhinein hat sich das als goldrichtig herausgestellt, denn anders hatten wir unser Projektwahrend der Pandemie nicht stemmen können“ sagt Althammer.

Pressemitteilung Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG

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