Teisendorfer Poststall: 10. Feuerwehrsymposium

Jubiläums-Feuerwehrsymposium des Kreisfeuerwehrverbandes Berchtesgadener Land

+
Symposium 2018

Landkreis Berchtesgadener Land - Knapp 250 Teilnehmer folgten letzten Samstag der Einladung zum Jubiläums-Feuerwehrsymposium des Kreisfeuerwehrverbandes Berchtesgadener Land in den Teisendorfer Poststall. 

Hoch erfreut wies Kreisbrandrat Josef Kaltner in seinen Begrüßungsworten darauf hin, dass dieses Symposium nun bereits zum zehnten Mal stattfinden konnte und sich offensichtlich immer mehr wachsender Zustimmung erfreut. Gut erkennbar daran, dass die Veranstaltung schon seit Wochen restlos ausverkauft war.

Hochkarätige Referenten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum

Symposium 2018

Ein Grund dafür, dass sich die Veranstaltung in diesen zehn Jahren zu einer hoch anerkannten Einrichtung entwickelte, liegt sicher daran, dass es stets gelungen ist, hochkarätige Referenten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu gewinnen, die nicht nur Wissen haben, sondern dieses Wissen auch an den Mann bringen können. Auch in diesem Jahr ist das gelungen: Fünf ausgewiesene Fachleute auf ihrem Gebiet brachten qualitativ hochwertige Informationen aus verschiedensten Fachbereichen des Feuerwehrlebens spannend und verständlich ins Publikum.

„Menschenrettung über tragbare Leitern der Feuerwehr“

Den Anfang machte Dipl. Ing. Brandamtmann Jan Südmersen von der Berufsfeuerwehr Osnabrück. Er ist dort zuständig für die sogenannte Einsatzvorbereitung. Sein Thema in Teisendorf war „Menschenrettung über tragbare Leitern der Feuerwehr“. In unserem ländlichen Bereich reichen sehr oft diese tragbaren Leitern aus oder müssen vielleicht sogar reichen, weil man mit der Drehleiter gar nicht überall hinkommen kann. Tragbare Leitern haben also auch in der heutigen hochmodernen und hochtechnischen Zeit noch durchaus ihre Berechtigung und kommen auch jederzeit noch immer mit Recht zum Einsatz. Andererseits gibt es auch immer wieder Bestrebungen den sogenannten 2. Rettungsweg gänzlich über Leitern darstellen zu wollen. Auf dem Papier ist das ganz einfach darstellbar. Wenn man aber in der Praxis aus einem Gebäude mit vielen Menschen in einer relativ kurzen Frist alle Personen retten will, stößt man sicher schnell an Grenzen. Besonders wenn es sich nicht um sportlich fitte Jugendfeuerwehrleute handelt, die bei der Übung der Feuerwehr gerettet werden sollen, sondern um kleine Kinder, alte Menschen, Leute mit Behinderung, evtl. sogar bettlägerig, mit Höhenangst oder in Panik wegen Feuer und Rauch. All diese Probleme und noch viele mehr sprach der Referent im Klartext an. Das Thema war somit bei ihm sicher in besten Händen.

Wärmedämmung aus Polystyrol

Ein spektakuläres Feuer mit katastrophalen Folgen, bei denen die Rettung per Leitern auf Grund der Größe des Gebäudes und der hohen Brandintensität nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen konnte, war der Brand des Greenfell Towers in London. Für Dr. Michael Buser aus Wien, Geschäftsführer der Beratungsfirma Risk Experts Risiko Engineering GmbH, war das aber auch gar nicht das Thema. Er ist von Berufswegen ein gefragter Fachmann was Wärmedämmverbundsysteme angeht. Weniger im Sinne: Welche Dämmung bringt man wie an? Aber sehr stark im Bezug auf zusätzliche Gefahren und Risiken durch moderne Wärmedämmverbundsysteme. Dass die in Deutschland am meisten verbaute Wärmedämmung aus Polystyrol nicht nur gut dämmt, sondern leider auch ganz besonders gut brennt („An die Wand geklebtes gepresstes Heizöl“) war für viele Anwesende nicht gänzlich neu. Wie schnell diese Art von Dämmung aber tatsächlich brennt, auch wenn sie im Prospekt als schwer entflammbar deklariert ist, erstaunte dann doch. In einigen Videos von Dr. Buser konnte man denaußerordentlich rasanten Brandverlauf in Echtzeit „bewundern“. Im Video erstaunlich, wenn man als Feuerwehrmann in Realität aber an eine solche Einsatzstelle kommt, bedeutet das viele zusätzliche Gefahren und neue Taktiken, die man beachten und anwenden muss um dem Geschehen Herr zu werden.

Gesetzliche und emotionale Grenzen

„Tue Gutes und Rede darüber“, dieses Motto kann man auch über die Öffentlichkeitsarbeit bei der Feuerwehr setzen. Die Darstellung der Feuerwehr in der Öffentlichkeit gewinnt in Zeiten der immer schneller und dichter werdenden Informationsfülle zunehmend an Bedeutung. Georg Lettner, Lehrkraft an der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried und Kreisbrandmeister im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit mit diesem Thema. Er stellte die Möglichkeiten aber auch die gesetzlichen und emotionalen Grenzen der Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr dar. Dabei ging er auf die Nutzung sozialer Medien ebenso ein, wie auf die Kooperationsmöglichkeiten und die Konkurrenzsituationen mit kommerziell ausgerichteten Journalisten. Auch den für Feuerwehrkräfte normalerweise ganz ungewöhnliche Blick auf den Einsatz aus Sicht eines Betroffenen thematisierte Georg Lettner in der Hoffnung die Einsatzkräfte entsprechend zu sensibilisieren und nicht selber zu viel Gaffer zu werden.

Der Brand des historischen Rathauses in Straubing

Die besonders undankbare Aufgabe direkt nach dem Mittagessen referieren zu „dürfen“, meisterte Stadtbrandrat Stephan Bachl von der Feuerwehr Straubing ganz bravourös. Sein Thema: Der Brand des historischen Rathauses in Straubing im Jahr 2016. Besondere Einsätze waren jedes Jahr mit auf dem Programm, da man aus diesen auch oft einiges an Erfahrung mitnehmen kann ohne selber dabei gewesen zu sein.

Dieser Brand, der nicht nur spektakulär war, sondern auch einiges an Problemen mitbrachte, die vor Ort gelöst werden mussten, war prädestiniert dafür einen spannenden Bericht nach sich zu ziehen. Der damalige Einsatzleiter und inzwischen Stadtbrandrat Stephan Bachl konnte aus erster Hand berichten, was denn genau die Schwierigkeiten bei diesem Feuer waren und was man denn daraus gelernt hat.

Vorbeugender Brandschutz kein Hindernis, sondern Hilfe

Ging es in Straubing mit sehr hohem Sachschaden ab, stand bei einem anderen Einsatz in unserer Landeshauptstadt der Personenschaden im Vordergrund: Drei Tote gab es bei einem Brand in einem Wohnblock in der Münchner Innenstadt. Die Feuerwehr löschte den Brand natürlich, konnte aber nicht verhindern, dass drei Menschen starben. Ganz einfache Fehler wie eine aufgekeilte Brandschutztür waren hauptverantwortlich für den Tod der Opfer, andererseits half eine vor 30 Jahren von der Feuerwehr geforderte Notleiter acht Menschenleben zu retten. Branddirektor Dipl.-Ing. (FH) Peter Bachmeier ist der Leiter der Abteilung Vorbeugender Brandschutz (VB) bei der Münchner Berufsfeuerwehr und berichtete über beides, sowohl über den Einsatz als auch als Schwerpunkt über Gesichtspunkte des VB die bei diesem Brand Einfluss nahmen und auf die man im Vorfeld eines Einsatzes vielleicht noch mehr achten sollte. Sein Fazit: Ohne funktionierenden vorbeugenden Brandschutz steht auch die beste Feuerwehr manchmal vor unlösbaren Problemen. Sein Schlussappell ging dann an alle Menschen: Den vorbeugenden Brandschutz nicht als Hindernis oder Verhinderungswerkzeug zu sehen, sondern als Hilfe, das Ziel zu erreichen, alle Menschen retten zu können.

Kreisfeuerwehrverband Berchtesgadener Land e.V.

Zurück zur Übersicht: Landkreis BGL

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser