Einsätze in 2017 - BRK Berchtesgaden zieht Bilanz

Bombendrohung in Bayerisch Gmain und Vermisstensuche am Königssee

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Landkreis Berchtesgadener Land – Der Einsatzleitwagen (ELW2) des Fachdienstes „Information und Kommunikation“ (IuK) der ehrenamtlichen BRK-Bereitschaften ist seit 2004 im Dienst und hat sich bei vielen Großeinsätzen bewährt, etwa beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall, mehreren Hochwasser-Katastrophen, Wald- und Gebäudebränden oder größeren Verkehrsunfällen. 2017 fanden für die freiwillige Gruppe 34 Dienstabende, vier Übungen, 16 größere Einsätze und vier größere Sanitätsdienste statt, bei denen der Fachdienst zur Koordination benötigt wurde. Wichtiger Höhepunkt im Jahr 2017 war die Katastrophenschutzübung im Oktober am Königssee.

Die beiden Fachdienstleiter IuK, Heinrich Schnell und Andreas Gleißner, blicken nach 34 Dienstabenden, 16 Einsätzen und vier großen Sanitätsdiensten auf ein arbeitsreiches Einsatzjahr 2017 zurück. Der ehrenamtliche Fachdienst der BRK-Bereitschaften ist bei größeren Sanitätsdiensten, Rettungs- und Betreuungseinsätzen für funktionierende Funk-, Telefon- und Internetverbindungen zuständig. Er stellt in Großschadenslagen unter anderem die so genannte Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL), die direkt dem Leitenden Notarzt (LNA) und dem Organisatorischen Leiter (OrgL) untersteht. Die Mitarbeiter unterstützen die Einsatzleitung bei allen Führungsaufgaben, kümmern sich um die Patienten- und Helfererfassung, dokumentieren den Einsatzablauf und stellen Einsatzabschnittsleiter.

Das waren die Großeinsätze 2017:

„Ein sehr schöner Dienst ohne größere Zwischenfälle war 2017 wieder das Open-Air der Reichenhaller Philharmonie am Thumsee“, erinnert sich Schnell. Geplante Sanitätsdienste mit Einsatzleitwagen waren außerdem noch beim Faschingszug in Teisendorf, beim Thermenlauf in Bad Reichenhall und beim Krampuslauf in Teisendorf. 

Darüber hinaus gab es einige größere Alarm-Einsätze, bei denen die UG-SanEL benötigt wurde: im März die Bombendrohung in Bayerisch Gmain, im Mai eine große Vermisstensuche am Königssee, im Juli ein großer Wasserrettungseinsatz in Marktschellenberg und der Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Berchtesgaden. Größter Einsatz war 2017 die  Unterstützung der Traunsteiner Kollegen beim Chiemsee-Summer-Festival in Übersee, das aufgrund von Orkanböen geräumt werden musste. Hier übernahm die Mannschaft aus dem Berchtesgadener Land den Einsatzabschnitt Behandlungsplatz, um die Traunsteiner UG-SanEL zu entlasten.

Neue Arbeitsgruppe gegründet - die erste dieser Art in Bayern

In den 34 Dienstabenden und Lehrgängen bildeten sich die 13 Mitglieder ausgiebig fort: Themen waren unter anderem Funk, Bedienung der umfangreichen Technik im Fahrzeug sowie notfallmedizinisches Wissen. Fünf Mitglieder nahmen am Fachlehrgang für Rettungssanitäter teil, um ihr Wissen auf den neuesten Stand zu bringen. UG-SanEL-Leiter Andreas Gleißner schulte die Mannschaft vor allem in Einsatztaktik und für besondere Einsatzlagen.

Anfang 2017 wurde auch eine neue Arbeitsgruppe IuK/UG-SanEL in der BRK-Region 18 gegründet. In dieser sind alle IuK- und UG-SanEL-Gruppen aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn, Rosenheim und Traunstein vertreten. „Das Projekt trägt bereits Früchte: Durch die engere Zusammenarbeit kommunizieren wir untereinander besser bei Großschadenlagen und können einheitlich auch bei Unterstützungseinsätzen arbeiten, ohne uns groß auf abweichende regionale Gegebenheiten einstellen zu müssen“, freut sich Schnell. Eine derartige Zusammenarbeit ist bayernweit einzigartig; im Oktober nahm die UG-SanEL aus Traunstein bereits mit den heimischen Kollegen zusammen an der Katastrophenschutzübung am Königssee teil. Die Teams der beiden ELWs übernahmen jeweils einen anderen Einsatzabschnitt, entlasteten sich gegenseitig, koordinierten den jeweiligen Bereich und tauschten die Daten untereinander aus.

2017 gab es auch eine technische Erweiterung: 

Neben Digital-, Satelliten- und WLAN Richtfunk verfügen wir nun auch über eine weitere Technik zur Führungsunterstützung“, erklärt Ausbilder und Funk-Experte Dr. Rüttger Clasen. Der Kurzwellen-Funk ist trotz Satellit und Internet nicht tot. Das Internationale Rote Kreuz in Genf unterhält mit seinen Mitgliedsländern eine eigene Kurzwellen-Infrastruktur zur Steuerung der weltweiten Hilfseinsätze. In Deutschland ist jeder Landesverband über Kurzwellenfunk und mit dem Generalsekretariat in Berlin über ein eigenes Internet-Gateway verbunden. Eine der drei bayerischen Stationen wird seit 2017 vom heimischen Fachdienst am BRK-Haus Mitterfelden betrieben. 

Neben dem Roten Kreuz schätzt auch das Technische Hilfswerk (THW) die Vorteile des Kurzwellenfunks bei seinen Einsätzen. Kurzwellenfunk hat eine überragende Bedeutung in der Führungsunterstützung bei Groß- aber auch kleinräumigen Schadenslagen, insbesondere bei Strom- und Kommunikationsausfall. Wenn Internet und Satellit ausfallen, ist der Kurzwellenfunk der ideale Ersatz zum digitalen Datentransfer in Form von E-Mail, Bildübertragung und Lagebild-Aktualisierung. Kurzwelle, auch HF-Betrieb genannt, ermöglicht weltweite Kommunikation, aber auch Nahverkehr innerhalb der Landkreisgrenzen. 

„Diese Technik ist eine wertvolle Ergänzung unserer Kommunikationsmöglichkeiten“, freut sich Dr. Clasen. Er wird die Anlage betreiben und zunächst im internationalen Katastrophenverkehr aus Oberbayern unterstützen. Im weiteren Verlauf wird die Ausbildung der Mitarbeiter und die Überprüfung der taktischen Einsatzmöglichkeiten im Vordergrund stehen. Ein besonders Anliegen für Dr. Clasen ist auch die Einbindung des Amateurfunks, der eine extensive digitale Infrastruktur unterhält. DRK-HFnet und Amateurfunk werden in Ainring von Dr. Clasen gemeinsam betrieben.

Insgesamt leisteten die ehrenamtlichen Mitglieder des heimischen Fachdienstes IuK im Jahr 2017 2.229 Stunden. „Umgerechnet auf einen Facharbeiter-Stundenlohn von 18,75 Euro wären das rund 41.800 Euro“, schmunzelt Schnell.

Pressemeldung BRK Berchtesgadener Land

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