Berchtesgadener Kreisausschuss beschließt Resolution

Versand-Medikamente: "Pro Jahr sterben in Bayern 40 Apotheken"

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Landkreis - Nach den Unterschriftenlisten nun Gesprächsthema im Ausschuss für Landkreisentwicklung. Es geht um das flächendeckende Angebot an Apotheken im Landkreis:

Im Rahmen des Zwischenberichts zur Gesundheitsregion Berchtesgadener hat Landhat Kreisrat Hertlein am 31.03.2017 angeregt, den Gesetzgeber aufzufordern der Diskrimierung von deutschen Apotheken gegenüber Versandapotheken im EU-Ausland durch rechtliche Vorgaben entgegenzuwirken. Hintergrund ist ein Gesetzesentscheid des EuGH vom 19.10.2016, dass die gesetzliche Festlegung eines einheitlichen Apothekenpreises für verschreibungspflichtige Medikamente eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des des freien Warenverkehrs in der EU darstelle und damit gegen Unionsrecht verstoße.

Das Problem: Versandapotheken aus dem Ausland haben dadurch einen erleichterten Zugang zum deutschen Markt und können nicht verschreibungspflichtige Medikamente günstier anbieten wie die Apotheke vor Ort. "Durch diese Inlandsdiskriminierung wird das bewährte System der flächendeckenden Arzneimittelversorgung der Bevölkerung mittels öffentlicher Apotheken massicv gefährdet", so heißt es in dem Zwischenbericht.

Droht ein Versorgungs-Engpass für die Bürger? 

Noch droht der Gesundheitsregion Berchtesgadener Land zwar kein Versorgungsengpass, aber trotzdem sind die Apotheken seit Monaten aktiv im Kampf gegen die Versandapotheken. So sammelten die Apotheken zum Beispiel im Frühjahr Unterschriften bei den Kunden, keinen Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamentn in Deutschland zuzulassen.

Die Mitglieder des Kreisausschusses haben beschlossen dem Bundesgesetzgeber die Resolution "Flächendeckende, persönliche Arzneimittelberatung- und -versorgung der Bevölkerung vor Ort erhalten", zu übermitteln.

Interview mit Sabine Wölfer

BGLand24.de hat mit Sabine Wölfer, Inhaberin der Kur-Apotheke und der Salinen-Apotheke in Bad Reichenhall gesprochen, die auf der Ausschuss-Sitzung ebenfalls zu Wort gekommen ist:

Frau Wölfer, sind Sie mit dem Sitzungsergebnis zufrieden? 

Ja - auf jeden Fall. ich habe mich sehr gefreut, dass wir hier im Landkreis alle am gleichen Strang ziehen und die Gefahr erkannt wurde, die uns allen drohen könnte.

Wie brisant ist die Situation für das Berchtesgadener Land? 

Auch wenn wir aktuell noch keinen akuten Versorgungsengpass haben, ist das Thema schon sehr brisant. Pro Jahr sterben in Bayern 40 Apotheken.

Kann man durch politisches Eingreifen ein Apothekensterben verhindern oder auch eventuell erreichen, dass wieder mehr Apotheken entstehen? 

Auf jeden Fall und wenn jemand helfen kann, dann definitiv nur die Politik!

Wie ist die Situation der Apotheken im BGL im Vergleich mit ganz BRD? 

Es schaut überall gleich aus. Derzeit haben wir im Berchtesgadener Land rund 20.000 Apotheken, aber die Prognosen belaufen sich darauf, dass die Anzahl auf gerade einmal 15.000 sinken wird. Und wenn man davon ausgeht, dass gerade einmal jede 3. ausreichend wirtschaftlich geführt wird, dann ist das auch wahrscheinlich. 

Was sind Ihre nächsten Schritte? 

Reden, Mobilisieren, Aufklären! Mit allen Bürgern reden, allen Parteien, allen Politikern, immer wieder die gleichen Fragen und einfach nicht locker lassen! Es ist wichtig, dass uns das nationale Gesundheitssystem erhalten bleibt, ansonsten drohen uns große Lücken und Defizite in der Arzneimittelversorgung. Die Apotheken in Deutschland sind jetzt schon auf eine gesunde Mischkalkulation angewiesen um zu überleben. Wenn ihnen diese genommen wird, dann ist die flächendeckende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung in Gefahr.

Warum die Mischkalkulationen für die Apotheken so wichtig sind, lesen Sie in der kommenden Woche in einem weiteren Artikel auf BGLand24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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