Kommunalwahl Bayern 2020: Landratskandidat für das Berchtesgadener Land

18 Fragen an Roman Niederberger (SPD)

Will Landrat im Berchtesgadener Land werden: Roman Niederberger (SPD).
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Will Landrat im Berchtesgadener Land werden: Roman Niederberger (SPD).

Berchtesgadener Land - Am 15. März 2020 finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Auch im Berchtesgadener Land wird der Landrat gewählt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. Dieses Mal: Roman Niederberger (SPD).

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Die Antworten auf unseren Fragebogen:

1. Name

Roman Niederberger


2. Partei

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

3. Alter

47

4. Wohnort

Piding (seit 1972 mit Unterbrechungen; von 1996 bis 2009 aus beruflichen Gründen Wochenendpendler mit Zweitwohnung in München)

5. Geburtsort

Bad Reichenhall

6. Familienstand

ledig

7. Kinder

keine

8.  Wie verlief Ihre bisherige politische Karriere?

Ich bin 1990 in die SPD eingetreten und engagiere mich seitdem vor Ort und überregional für die Sozialdemokratie. Meine Partei habe ich als Kandidat im Berchtesgadener Land bei drei Landtagswahlen vertreten, war sechs Jahre Mitglied des Gemeinderats Piding und bin seit 2014 Kreisrat und stellvertretender Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion. Seit zwölf Jahren bin ich Kreisvorsitzender der SPD im Berchtesgadener Land.

9. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Neben Willy Brandt ist für mich vor allem Hans-Jochen Vogel ein politisches Vorbild, den ich beim 30-jährigen Jubiläum der SPD Piding persönlich kennenlernen durfte und der vor kurzem seinen 94. Geburtstag feiern konnte. Er verkörpert für mich Besonnenheit, Vernunft und Beharrlichkeit bei der Arbeit an unseren sozialdemokratischen Zielen Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität.

10. Was verbindet Sie mit Ihrer Kommune? Was ist das Besondere Ihrer Kommune?

Das Berchtesgadener Land ist meine Heimat, in der ich zur Welt gekommen bin und der ich trotz langjähriger Berufstätigkeit in München immer treu geblieben bin. Es gibt hier nicht nur eine wunderschöne Natur und Umwelt, sondern auch einzigartige Menschen – mit vielen davon verbinden mich Freundschaften seit meiner Kindheit. Ganz besonders ist für mich die hohe Zahl an Bürgerinnen und Bürgern, die sich bei uns ehrenamtlich mit enormem Einsatz für ihre Mitmenschen engagieren: von der Feuerwehr bis zur Arbeiterwohlfahrt, von der Bergwacht bis zum Generationenbund, vom Sportverein bis zur Kinderkrebshilfe.

11. Warum sind Sie genau der Richtige?

Seit über zwölf Jahren übernehme ich in der bayerischen Finanzverwaltung Führungsaufgaben, deswegen bin ich es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und zu erklären und Menschen zu motivieren. Deswegen traue ich mir zu, ein Landratsamt zu leiten und es noch mehr zu einer bürgerfreundlichen und starken Dienstleistungsbehörde für die Bürgerinnen und Bürger zu entwickeln. 

Durch mein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in Arbeiterwohlfahrt, Kinderkrebshilfe, Gewerkschaft und anderen Verbänden habe ich gezeigt, dass soziale Themen und der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft mir wirklich am Herzen liegen. Und ich glaube, dass ich als seit bald 30 Jahre aktiver Sozialdemokrat im Berchtesgadener Land bewiesen habe, dass ich das nötige Rückgrat und Durchhaltevermögen für das Amt des Landrats mitbringe.

12. Was wurde in der vergangenen Amtszeit verpasst? Was wollen Sie besser machen?

In den letzten Jahren wurden viele wichtige Prozesse im Landkreis begonnen oder fortgeführt: Klimaschutzkonzept, Mobilitätskonzept, neues Wirtschaftsleitbild, Gesundheits- und Bildungsregion sind nur einige Beispiele. Bisher fehlt es noch daran, diese vielen wichtigen Einzelthemen zu einer gemeinsamen Strategie für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Landkreis zusammenzuführen. Und wir haben dringenden Nachholbedarf bei der Schaffung und Erhaltung von gutem und bezahlbarem Wohnraum. Hier werde ich als neuer Landrat anpacken.

13. Was ist für Sie die größte Herausforderung Ihrer Kommune? Wie stehen Sie dazu und was gedenken Sie zu tun?

Aus allen gesellschaftlichen Bereichen wird immer wieder die Frage des guten und bezahlbaren Wohnraums angesprochen – ob es um die Gewinnung von Fachkräften, die Stärkung von Familien, das Auskommen mit Rente oder Lohn oder um Fragen der Integration geht. Deswegen ist für mich das dringendste Thema die Schaffung und Erhaltung von guten und bezahlbaren Wohnungen im Berchtesgadener Land. Deswegen werde ich dem Kreistag eine deutliche Stärkung unseres Wohnbauwerks vorschlagen, damit kräftig in neue Projekte investiert werden kann. Zugleich werde ich mich für eine bessere Unterstützung unserer erfolgreichen kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsbaugenossenschaften einsetzen, damit mehr Menschen sicher und ohne Angst vor Kündigung oder überhöhten Mietsteigerungen leben können. Und ich werde im ganzen Landkreis eine moderne Bodenpolitik voranbringen, die von einigen Gemeinden im südlichen Landkreis begonnen wurde, um die Spekulation mit Grund und Boden zu beenden und neue Chancen auf die eigenen vier Wände für Normalverdiener zu schaffen. Ein besonderes Anliegen ist mir die Unterstützung von innovativen Projekten zur Nutzung bereits überbauter Flächen, damit wir zugleich die Flächenversiegelung einbremsen können.

14. Was sind – neben den größten Herausforderungen – Ihre drei wichtigsten Ziele in den kommenden sechs Jahre? Was wollen Sie für die Menschen in ihrer Kommune erreichen?

Für mich steht in den nächsten sechs Jahren im Mittelpunkt, den sozialen Zusammenhalt im Berchtesgadener Land zu stärken, deswegen ist das Motto unseres Wahlkampfs als SPD auch „Zsamhoitn“. Konkret heißt das für mich: 

  1. Ein attraktives Netz von öffentlichen Verkehrsmitteln mit mehr Haltestellen, einem engeren Fahrplantakt, günstigen Preisen und guten Angeboten in allen Gemeinden schaffen, damit wir bei der Klimawende vorankommen und zugleich für alle Menschen im Landkreis mehr Mobilität auch ohne Auto schaffen. 
  2. Die Wertschätzung und die Rahmenbedingungen für Menschen, die sich in sozialen Berufen für Gesundheit und Pflege, Bildung und Betreuung engagieren, deutlich zu verbessern; insbesondere in den Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen im Landkreis. 
  3. Aus dem Landratsamt noch mehr als bisher eine moderne und bürgerorientierte Dienstleistungsverwaltung mit voll motivierten Mitarbeitern zu schaffen, die den Menschen im Berchtesgadener Land im Alltag, aber vor allem in schwierigen Lebenslagen zur Seite steht.

15. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Kommune und was gedenken Sie hier zu tun?

Sh. Antwort auf Frage 13

16. Der Klimaschutz ist im Moment in aller Munde. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema und was gedenken Sie hier zu tun?

Der Klimaschutz ist neben der Digitalisierung und der Spaltung unserer Gesellschaft die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Vor Ort können wir vor allem im Sektor Verkehr etwas bewegen. Dazu will ich ein modernes und attraktives Netz öffentlicher Verkehrsmittel schaffen und dabei auch die Möglichkeiten moderner Technologien wie autonomes Fahren aktiv nutzen. Zusätzlich will ich durch Beratung und Pilotprojekte die noch bestehenden Potentiale vor allem bei Sonnenenergie und Kraft- Wärme-Kopplung ausschöpfen. Die Leuchtturm-Projekte des Klimaschutzkonzepts will ich gemeinsam mit den Gemeinden zügig voranbringen.

17. Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und neue Düngeverordnung: Wie stehen Sie zu den Protesten der heimischen Landwirte und gedenken Sie in diesem Punkt zu handeln? Falls ja, wie?

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ habe ich selbst sowohl mit meiner Unterschrift als auch als SPD-Kreisvorsitzender aktiv unterstützt; auch der Schutz des Trinkwassers ist mir ein wichtiges Anliegen. Allerdings dürfen die Landwirte damit nicht in die Rolle des Sündenbocks der Gesellschaft geraten, denen man allein die damit verbundenen Lasten aufbürdet. Aus dieser Sicht sind die Proteste für mich sehr gut verständlich; gerade für kleinere Betriebe stellt sich die Existenzfrage. Für mich ist klar: gesunde Lebensmittel und gesunde Umwelt gibt es nicht zum Nulltarif – die an die Landwirtschaft gestellten Anforderungen müssen von Gesellschaft und Staat durch anständige Lebensmittelpreise, Ausgleichszahlungen und Förderungen finanziert werden. 

Um längerfristig das Verständnis für die Belange der Landwirte zu stärken, werde ich mich als Landrat dafür einsetzen, dass nach dem Vorbild des „Girls Day“ bzw. „Boys Day“ alle Schulkinder im Landkreis mindestens an einem Tag ihrer Schulzeit einen landwirtschaftlichen Betrieb intensiv kennenlernen.

18. Gibt es noch ein wichtiges Anliegen, das Sie Ihren Wählern gerne mit auf den Weg geben würden? Falls ja, welches?

Die zunehmende Digitalisierung wird uns in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen, aber auch neue Chancen mit sich bringen. Der für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landkreises unbedingt notwendige Ausbau des schnellen Internets in allen Gemeinden ist hier nur der Anfang. Wir brauchen auch im Berchtesgadener Land eine Strategie, damit die Digitalisierung allen zugutekommt und nicht nur wenige profitieren.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten der Kandidatin/des Kandidaten wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

Quelle: rosenheim24.de

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