Kommunalwahl Bayern 2020: Landratskandidat für das Berchtesgadener Land

18 Fragen an Bartl Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen)

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Will im Berchtesgadener Land Landrat werden: Bartl Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen).

Berchtesgadener Land - Am 15. März 2020 finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Auch im Berchtesgadener Land wird der Landrat gewählt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. Dieses Mal: Bartl Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen).

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Die Antworten auf unseren Fragebogen:

1. Name

Bartl Wimmer


2. Partei

Bündnis 90/Die Grünen

3. Alter

59

4. Wohnort

Berchtesgaden

5. Geburtsort

Berchtesgaden

6. Familienstand

verheiratet 

7. Kinder

4 Kinder, 6 Enkelkinder

8.  Wie verlief Ihre bisherige politische Karriere?

Kreisrat, Marktgemeinderat

9. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Mahatma Ghandi, Sepp Daxenberger

10. Was verbindet Sie mit Ihrer Kommune? Was ist das Besondere Ihrer Kommune?

Unser Landkreis ist einer der schönsten Flecken auf dieser Erde. Als einer, der viel in der Welt herumgekommen ist, glaube ich das bewerten zu können. Da sind zum einen die Menschen in ihrer Vielfalt und Eigenart. Ob jung, ob alt, Einheimischer, „Zugroaßter“ oder Asylbewerber. Auch wenn es den einen oder anderen „Bazi“ geben mag, so sind die allermeisten von Ihnen doch anständig, fleißig und hilfsbereit. Da ist zum anderen die einzigartige Landschaft. Vom Watzmann über den Teisenberg bis zum Abtsee. Und da ist die reichhaltige Baukultur. Vom Gebäudeensemble des königlichen Schlosses in Berchtesgaden, über die Alte Saline in Bad Reichenhall, bis zur Stiftskirche in Laufen.

11. Warum sind Sie genau der Richtige?

Als Unternehmer, der einen Betrieb mit inzwischen 20.000 Beschäftigten aufgebaut hat, und als Kommunalpolitiker mit 40-jähriger Erfahrung, traue ich mir zu, den Menschen ein guter ein guter Landrat zu sein und die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

12. Was möchten sie besser als ihr Vorgänger machen?

Unser Landratsamt als Dienstleistungszentrum für die Bürgerinnen und Bürger muss besser werden. Zum eine fehlt es dafür an den strukturellen Voraussetzung. Zum Beispiel in der EDV. Auch platzt das Landratsamt aufgrund einer deutlich gewachsenen Mitarbeiterzahl aus allen Nähten, Teile der Verwaltung mussten außerhalb des Landratsamtes untergebracht werden. Zudem entspricht der bauliche Zuschnitt des Landratsamtes nicht den Erfordernissen moderner „Bürowelten“. Zum anderen fehlt es in vielen Bereichen an Fachpersonal. Auch beim Thema Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation sehe ich Verbesserungsmöglichkeiten. Hier würde ich viel Zeit, Energie und Zeit investieren.

13. Was ist für Sie die größte Herausforderung Ihrer Kommune? Wie stehen Sie dazu und was gedenken Sie zu tun?

Vor allem in drei Bereichen stehen wir im Landkreis in den nächsten sechs Jahren vor großen Herausforderungen: Bei der Energiewende, der Mobilität und bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Ich will die Energiewende in den nächsten Jahren energisch vorantreiben. Unter anderem durch die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf allen Dächern landkreiseigener Gebäude, sofern dies von den örtlichen Gegebenheiten Sinn macht. Ich will einen grenzüberschreitenden Verkehrsverbund mit der Region Salzburg realisieren und die Infrastruktur für den ÖPNV deutlich auszubauen. Stichpunkte sind etwa die Regionalstadtbahn Salzburg, der Ausbau des Linienbusnetzes und flächendeckende Rufbusse im Landkreis. Die Tickets im ÖPNV müssen viel billiger werden. Es sollten Angebote für Carsharing geschaffen werden. Weiter braucht es eine effiziente Vernetzung der unterschiedlichsten Verkehrsträger. Und ich will preiswerten Wohnraum für alle Menschen schaffen und dabei den Flächenverbrauch reduzieren. Zum Beispiel durch die Stärkung und Unterstützung der kommunalen und genossenschaftlichen Wohnbaugesellschaften im Landkreis

14. Was sind – neben den größten Herausforderungen – Ihre drei wichtigsten Ziele in den kommenden sechs Jahre? Was wollen Sie für die Menschen in ihrer Kommune erreichen?

Vor allem will ich die Spaltung unserer Gesellschaft, die bei uns sicher noch nicht annähernd soweit fortgeschritten ist, wie in anderen Regionen Deutschlands, überwinden. Auch bei unterschiedlichen Standpunkten zu inhaltlichen Themen sollten wir in der Lage sein, mit Anstand und unter Wahrung der Würde des jeweils anderen zu diskutieren. Dann will ich handeln. In den letzten Jahren, ja Jahrzehnten, wurden viele Gutachten erarbeitet, die dann auf Nimmerwiedersehen in irgendwelchen Schubladen verschwunden sind. Und ich will die regionale Wertschöpfung stärken, zum Beispiel durch ein Holzcluster.

15. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Kommune und was gedenken Sie hier zu tun?

Vor etwa fünf Jahren ist in unserem Landkreis der Mietmarkt gekippt. Seither werden die Wartelisten unserer kommunalen und genossenschaftlichen Wohnbaugesellschaften immer länger. Auf meine Anregung hin hat der Landkreis seine Anteile am Wohnbauwerk Berchtesgadener Land erhöht. Bislang sind neben dem Landkreis 10 Landkreisgemeinden Gesellschafter im Wohnbauwerk. Die anderen 5 Landkreisgemeinden sind herzlich eingeladen, ebenfalls Gesellschafter zu werden. Darüber hinaus sollten alle Landkreisgemeinden und der Landkreis überlegen, welche eigenen Liegenschaften für Wohnbebauung geeignet wären und diese preiswert den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnbaugesellschaften zur Verfügung stellen. Auch sollte in jeder Kommune überlegt werden, ob die jeweils gültige Stellplatzverordnung noch zeitgemäß ist. Durch eine angepasste Stellplatzverordnung können gegebenenfalls die Baukosten für Wohngebäude deutlich sinken.

16. Der Klimaschutz ist im Moment in aller Munde. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema und was gedenken Sie hier zu tun?

Der Klimaschutz ist das „Generationenthema“ unserer Zeit. Wer angesichts der erdrückenden Beweislage der Wissenschaft heute noch den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel leugnet, versündigt sich an unseren Kindern und Enkeln und an unserer Schöpfung. Wir GRÜNE stehen seit Jahrzehnten für konsequenten Klimaschutz und bekennen uns zu den Zielen des Übereinkommens von Paris (eine Vereinbarung der 197 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) mit dem Ziel des Klimaschutzes in der Nachfolge des Kyoto-Protokolls).

Deshalb ist Klimaschutz ein Schwerpunkt unserer politischen Arbeit. Wir Grüne haben das 1,5 Grad Ziel fest im Blick, machen den Landkreis zur Pionierregion, sehen Klimaschutz als gemeinsame Aufgabe für Unternehmen und Bürger, erklären den Klimaschutz und machen ihn erlebbar. Konkret will ich das Potential für erneuerbare Energien im Landkreis erschließen, gerade in den kommunalen Liegenschaften. Dabei müssen Wind und Sonne als Basis dienen. Klimaschutz muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen und die Bürger müssen mitgenommen werden. Ich will die finanzielle Beteiligung der Bürger an der Energiewende über Bürgerenergiegenossenschaften durch Förderprogramme und Knowhowtransfer ermöglichen.

17. Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und neue Düngeverordnung: Wie stehen Sie zu den Protesten der heimischen Landwirte und gedenken Sie in diesem Punkt zu handeln? Falls ja, wie?

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ haben wir Grünen von Anfang an tatkräftig unterstützt. Weil das Artensterben inzwischen ein dramatisches Ausmaß angenommen hat. Und die neue Düngeverordnung ist das Ergebnis jahrzehntelanger Tatenlosigkeit der Politik im Bund und im Freistaat. Wir verstehen aber die Proteste der Bauern. Sie sind Opfer einer jahrzehntelangen verfehlten Agrarpolitik. Wir sehen die Bauern nicht als Gegner, sondern als wichtigster Partner für mehr Artenschutz und verbesserten Trinkwasserschutz. Das Berchtesgadener Land ist geprägt durch eine traditionell sehr kleinstrukturierte bäuerliche Land- und Forstwirtschaft. Die vielfältige Natur- und Kulturlandschaft ist ein Alleinstellungsmerkmal, beides ist in Gefahr. Wir müssen das Höfesterben stoppen, denn es verändert nicht nur die heimische Landschaft, es führt auch zu einer tiefgreifenden Veränderung der sozialen Strukturen und des täglichen Miteinanders. Wir GRÜNE haben schon vor Jahren die Gründung des Landschaftspflegeverbandes gefordert und freuen und daher, dass er inzwischen gegründet wurde. Ihn zu fördern, zu unterstützen und erfolgreich weiterentwickeln ist mir ein wichtiges Anliegen. Zugleich sehen wir GRÜNE die große Bedeutung der Vielzahl der bäuerlichen Betriebe, darunter außerordentlich viele Nebenerwerbsbetriebe, die es zu erhalten und zu unterstützen gilt. Konkret indem wir den Flächenverbrauch im Landkreis reduzieren und so landwirtschaftliche Flächen und Betriebe schützen. Indem wir Raum für „best practice“ Beispiele geben, weil das Vorbild das Ziel aufzeigt, wo wir alle hinwollen. Und durch Unterstützung von regionalen Produkten und Vermarktungsinitiativen, denn kurze Wege und die Produktion vor Ort sind uns wichtig.

18. Gibt es noch ein wichtiges Anliegen, das Sie Ihren Wählern gerne mit auf den Weg geben würden? Falls ja, welches?

Ja. Lieber Wählerinnen und Wähler, auch wenn sie mich nicht wählen wollen, gehen sie bitte trotzdem zur Wahl. Freie Wahlen sind ein hohes demokratisches Gut. Eine hohe Wahlbeteiligung erhöht die Legitimation der Gewählten.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten der Kandidatin/des Kandidaten wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

Quelle: rosenheim24.de

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