Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen BGL

Holzverarbeitung an frühere Zeiten anknüpfen

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von links nach recht: Dr. Bartl Wimmer, Prof. Dr. Zimmer, Franz Keilhofer, Andreas Bunsen

Berchtesgaden - Knapp 50 Besucher kamen zu der Grünen-Veranstaltung ins Gasthaus Schießstätte Berchtesgaden. Moderator Edwin Hertlein stellte drei Holzfachleute, ihre Arbeit und ihre Philosophie vor:

Andreas Bunsen, geboren 1970 in Bad Reichenhall, später in der weiten Welt unterwegs, hat nach seiner Tätigkeit in Werbung und Kommunikation seine heimatlichen Wurzeln entdeckt: Der Großvater war Holzknecht, Andreas Busen ist Holz-Hutschn-Bauer geworden. Vielleicht nicht für ewig, meint er, aber für jetzt. Gemeinsam mit Andreas Baumann und Matthias Bunsen hat er sich dem Hutschn-Bau verschrieben und schaukelt sich und viele Kunden direkt in den Himmel hinein. Für ihn war die wichtigste Erfahrung, dass Menschen mit unterschiedlichen Kenntnissen und Erfahrungen gemeinsam eine Marke entwickeln und sich an die Arbeit machen - an die Wertarbeit. Eine Hutschn ist ein Stück Lebensgefühl, für Kinder und Erwachsene. Aber es braucht Geduld - auf sie muss man warten können, ist Andreas Bunsens Philosophie. Handarbeit, auch die Verpackung entsteht von Hand, braucht Zeit. Bietet aber auch die Möglichkeit, bei der Entstehung zuzuschauen, vielleicht beim Streetlive Festival in München.


"Wenn die Arbeit, die Qualität des Holzes bis zu den in Handarbeit gespleißten Seilen ehrlich ist, geben die Käufer dafür auch Geld aus". Die in Jamaika und die in Griechenland, denen er die Schaukel im Rucksack geliefert hat. www.hutschn.de

Franz Keilhofer, Drechsler aus Bischofswiesen, setzte die Gesprächsreihe fort: Seine Überlegung "Was muss ich tun, damit ich Erfolg haben kann" führte ihn 2010 in die Selbständigkeit. Seine eigene Antwort war: Breiter aufstellen. Dabei ist sein Angebot gedrechselter Kunstwerke beachtlich breit aufgestellt. Kunstwerke, sie man sehen muss, über die man staunt, die nur unzulänglich zu beschreiben sind. Er möchte seine Arbeit als Wertschöpfung den Kunden vermitteln. Nie Massenproduktion, sondern Originale - eine zeitgenössische Interpretation um Kultur weiter zu entwickeln, ohne dass sie ihren ursprünglichen Charakter verliert. Dazu gehört auch das passende Holz, Esche, Berg- und Feldahorn, Buche, Ulme, Holz, das andernorts zu Brennholz verarbeitet wird. Ein akzeptabler Holzpreis, wenn das Material nicht aus dem eigenen Wald kommt und seine Werkstatt in der Aschauerweiher Straße, die er "gscheid aufgerüstet hat". Allerdings ist der Markt für handgefertigte Produkte klein, der Trend geht nicht zum Kauf von Selbstgemachtem, eher hin zum Selbermachen. Über seinen Ausstellungsraum hinaus muss Franz Keilhofer daher im Internet und auf Messen präsent sein. Dazu kommt die breitere Aufstellung: Nachhilfelehrer, Musiker, Fotomodell, Kursleiter und Buchautor. www.gingerwood.de


Prof. Dr. Bernhard Zimmer, Forstwissenschaftler, "studierter Förster ohne Wald". Holz, das wichtigste nachwachsende Material, tritt weltweit in 10.000 unterschiedlichen Arten auf. Material für "eßbare" Bleistifte über Holzhackklötze zum Schnitzelklopfen bis hin zum Holzhaus. Deutlich machte Prof. Zimmer die Holzvielfältigkeit durch das Dach der EXPO in Hannover. Kein einzelner Betrieb war in der Lage, dieses Dach zu erstellen. Bis sich eine Kooperation aus Holzbauern ergab, die sich nicht in Konkurrenz untereinander sahen. Vorbild für ein neues Landratsamt in Holzbauweise?

Es war die Idee von Dr. Bartl Wimmer, Landratskandidat der Grünen, diese Veranstaltung in Berchtesgaden zu veranstalten. Holzcluster, etwas umständlich als einheitliches Ganzes durch die Menge von Einzelteilen zu erklären. Als Beispiel bringt er die Gegend des Bregenzer Waldes, in der Sägewerke, Holzbau, Zimmerer eine umfassende Wertschöpfungskette abdecken. Diese Entwicklung sieht er auch neben dem Tourismus und der Feinmechanik im Berchtesgadener Talraum: Hier in den nächsten zehn Jahre den Holzverarbeitungsbetrieben eine Basis, eine Chance zu bieten. Nicht im Wettbewerb untereinander, sondern durch mehr Miteinander. Dadurch entsteht eine Sogwirkung aus der eine Lösungsfindung resultiert. Wesentliche Grundbausteine dazu muss die Politik und die Gesellschaft liefern. Wichtig dazu ist die Schnitzschule und deren junge, gut ausgebildete Menschen, denen hier eine Berufsausübung geboten werden muss. "Die hochwertige Berufsausbildung muss zum Strahlen gebracht werden!" Mit mehr Miteinander, mehr Aktionen, mehr Information, um diesem Wissen und Können mehr Anerkennung zu schaffen.

Die ZuhörerInnen reagierten mit vielen Fragen und Beiträgen auf die Statements: Mit der vorhandenen handwerklichen und gestalterischen Kompetenz mehr Wirtschaftspotential schaffen.

Warum verschwinden die Legschindeldächer samt dazugehörige Förderung? Mehr Interesse der Bürgermeister, Architekten und Planer am kommunalen Holzbau. Konkurrenz Nationalpark - 90% der Holzversorgung ging verloren. Platz für große Sägewerke. Touristen aus aller Welt sind Marketingträger, um die Produkte des Talraumes in die Welt hinaus zu tragen.

Die Transporte, unter anderem aus Sibirien, sind zu günstig. Tanne und Kiefer werden verramscht. Geiz ist geil ist ausgelutscht. Förderung des Berchtesgadener Handwerkskunst durch das Landratsamt, vielleicht ähnlich der Bobbahn, die mit einer Million jährlich gesponsert wird. Die Holzleute müssen zusammen halten und miteinander reden. Koa gengseitiga Broudneid!

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen Berchtesgadener Land

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