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Ministerin verzichtet nach wie vor auf Urlaubsreisen

Kanibers Corona-Fazit im Interview: Ohne vorzeitigen BGL-Lockdown wäre „Ruf ruiniert“

Bayerns Landwirtschaftsministerin und Stimmkreisabgeordnete Michaela Kaniber im Abgeordnetenbüro in Bad Reichenhall.
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Bayerns Landwirtschaftsministerin und Stimmkreisabgeordnete Michaela Kaniber im Abgeordnetenbüro in Bad Reichenhall.

Ist die Corona-Krise schon überstanden? Und wie steht‘s um unseren Tourismus in Konkurrenz zu Österreich? Im Interview mit Michaela Kaniber haben wir auch nachgefragt, ob der vorgezogene Lockdown im Berchtesgadener Land im vorigen Oktober rückblickend richtig war.

Frau Staatsministerin Kaniber, welches Fazit ziehen Sie bisher zur Corona-Krise und wie ist das Berchtesgadener Land Ihrer Meinung nach hindurchgekommen?
Die Krise ist noch nicht vorbei, auch wenn wir uns derzeit über stark sinkende Zahlen und mögliche Erleichterungen freuen. Daher ist es in meinen Augen eigentlich noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Ich hoffe aber, dass die Überbrückungshilfen bei denen ankamen, die sie brauchten. Wir haben damals umgehend versucht, für alle - ob groß oder klein - einen Rettungsschirm aufzuspannen. Am meisten hat mir für unsere Betriebe vor Ort wehgetan, dass die vom Wirtschaftsministerium zum Lockdown im BGL angebotenen Hilfen erst sehr spät, Ende Februar, abgerufen werden konnten. Das war für mich der schwerste Moment, da ich die schwierige Lage der Unternehmen nur zu gut nachvollziehen konnte. Man sieht, wie kompliziert die Instrumente leider oftmals sind.
Glauben Sie, wir sind mit Lockdowns und Einschränkungen inzwischen über den Berg?
Wir sind jetzt seit 15 Monaten mit dem Coronavirus konfrontiert und immer noch gibt es einzelne neue Infektionen. Wir sehen also, Corona ist und bleibt unberechenbar, auch aufgrund der Mutationen. Aber wir sind mittlerweile einen deutlichen Schritt weiter als noch im Winter. Durch Testen und Impfen können wir viele unserer gewohnten Freiheiten zurückgewinnen. Auch werden vollständig Geimpfte und Genesene bei den Kontaktbeschränkungen nicht mitgerechnet. Wir brauchen zwar nach wie vor Abstandsregeln und Mund-Nasen-Schutz. Und es liegt letztlich an jedem Einzelnen, die Gefahr von erneuten Einschränkungen zu verringern, die den ganzen Landkreis treffen würden, aber das Licht am Ende des Tunnels wird doch immer heller. Dass wir auf einem sehr guten Weg sind, zeigen uns auch die Inzidenzwerte der letzten Tage.
War es gerechtfertigt, dass das Berchtesgadener Land im Oktober 2020 einen vorgezogenen Lockdown bekommen hat? Viele Menschen kamen sich vor, als würde an ihnen ein Exempel statuiert.
Ich stehe zu tausend Prozent dazu: Ich hätte auch ein halbes Jahr später so entschieden. Versetzen Sie sich in die Lage, Sie tragen die Verantwortung nicht nur für den Landkreis, sondern für den ganzen Freistaat. „Wird schon gut gehen“ ist dann keine Option. Die Klinikleitung hat uns damals in einer Krisensitzung gesagt: „Wenn jetzt nicht zugemacht wird, sehen wir uns nicht mehr in der Lage, die Leute zu versorgen.“ Jeder muss sich die Frage selber stellen, was er in dem Moment getan hätte. Was wäre ohne den Lockdown passiert? In Österreich sind die Inzidenzen durch die Decke geschossen, weil man die Dinge auch mal laufen hat lassen. Ganze Orte wurden regelrecht abgeriegelt. Das wollten wir für unsere Bürgerinnen und Bürger nicht. Und wir wollten nicht, dass der Tourismusstandort Berchtesgadener Land, ähnlich wie Ischgl, zur Virenschleuder wird. Wir hätten unseren Ruf ruiniert.
Angenommen, Sie wollten als Urlauberin demnächst in die Alpen reisen - würden Sie sich für ein Hotel im Berchtesgadener Land oder in Österreich entscheiden? Die Nachbarn haben schließlich eine stabile Öffnungsstrategie, unabhängig von der Inzidenz.
Ich habe auch Sehnsucht, Urlaub zu machen ganz weit weg. Aber ich tu es nicht. Aufgrund der Tatsache, was wir in den letzten Monaten erlebt und durchgemacht haben, würde ich mir diese Frage gar nicht stellen. Für eine Pandemie ist das Reisen einer der größten Treiber.
Aber die Hotels bei uns stehen natürlich in einem großen Konkurrenzverhältnis zu Österreich. Die Voraussetzungen für eine Öffnung sind unterschiedlich, Gäste sind verunsichert. Ist das nicht ungünstig?
Man muss wissen, was man will. Jede Bundesregierung entscheidet für sich. Ich weiß nicht, ob es so sinnvoll ist, ein On-Off-Spiel zu machen - einzukaufen, die Ware auslagern, im schlimmsten Fall wieder wegzuschmeißen. Österreich hat dieses On-Off-Spiel gemacht. Deutschland hat sich mit der Bundesnotbremse und der 100er-Inzidenz-Grenze gezielt für diesen seriösen Weg entschieden. Die Inzidenz-Grenze ist nicht die Erfindung einer Partei, sondern durch die WHO festgeschrieben. Wir haben in den letzten Wochen einzelne Erleichterungen beschlossen, nachdem die Zahlen verlässlich nach unten gingen.
Sie sind Mutter dreier Kinder und haben Verwandtschaft in Kroatien. Wie sind Sie persönlich durch die Corona-Krise gekommen?
Jede Mutter war doch in Sorge, dass sich das eigene Kind bei unvermeidbaren sozialen Kontakten infizieren könnte. Und da ich ja selber ein Kind der Gastronomie bin, weiß ich, wie schwer es die gesamte Branche hatte. Mein Vater ist Hochrisikopatient, da hofft man natürlich darauf, dass die Impfstoffe schnellstmöglich kommen. Man will eine Lösung haben. Oder einfach die Menschen mal wieder umarmen, ganz einfache Dinge eben. Meine Verwandtschaft in Kroatien habe ich seit zwei Jahren nicht mehr persönlich gesehen. Da geht es mir wie all den anderen Menschen auch. Jeder kann sich glücklich schätzen, wenn er gesund durch diese Krise gekommen ist. 
Wir danken für das Gespräch.

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