Jahresrückblick weist vielseitige Anforderungen an die Helfer des Technischen Hilfswerks auf

2013 war ein THW-Einsatzjahr der Superlative

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Mit einem schönen Blumenstrauß an die THW-Ortsbeauftragte Sandra Huber bedankte sich namens der Gemeinde Ainring 1. Bürgermeister Hans Eschlberger.

Mitterfelden - Hochwasser, Felsstürze und Murenabgänge: Das THW ließ beim Jahresrückblick die Ereignisse des Jahres 2013 noch einmal Revue passieren.

Getreu dem Motto „Helfen mit Technik und Verstand“ leistet das Technische Hilfswerk Berchtesgadener Land seit über 60 Jahren bei Katastrophen, Unglücksfällen und vielen anderen Einsatzszenarien schnelle und kompetente Unterstützung mit Hilfe modernster Technik. Dies verdeutlicht, dass das Zusammenwirken gut ausgebildeter und ausgerüsteter Einsatzkräfte unabdingbare Voraussetzung für die Bewältigung anstehender Aufgaben und Herausforderungen ist, wenn es gilt, Menschen in Not zu helfen oder materielle Schäden zu lindern. Dies stand im Mittelpunkt der Ausführungen der Ortsbeauftragten Sandra Huber und ihrem Stellvertreter Wolfgang Schwarz beim Jahresrückblick 2013 mit Einsatzschwerpunkte in den Monaten Juni/Juli, bedingt durch verheerendes Hochwasser mit katastrophalen Folgen in der Region und großflächigem Waldbrand am Thumsee.

Ein Willkommen entbot Sandra Huber zahlreichen Ehrengästen aus Kirche, Politik, Polizei und neben THW-Vertretern aus anderen bayerischen Ortsverbänden auch weiteren Hilfsorganisationspartnern wie Feuerwehren, Rotes Kreuz, Berg- und Wasserwacht sowie dem Sponsoring Sparkasse BGL. Ein stehendes Gedenken galt verstorbenen Kameraden. Im Berichtsjahr waren dies die langjährig verbundene Freunde und Förderer des Ortsverbandes, Hans Spitzauer senior und Franz Eschertzhuber.

Anstrengende Einsätze in Verbindung eines intakten Netzwerkes mit der Geschäftsstelle in Mühldorf sowie dem Landesverband, hervorragende Zusammenarbeit mit THW-Partnern, zeitintensive Aus- und Fortbildung, die wie beim Ernstfall, sorgsames Miteinander und Planung erfordere, seien unverzichtbare Kriterien, sagte die Ortsbeauftragte. Sie nützte die Gelegenheit vor solcher Publikumskulisse zu einem speziellen Dank „an meine großartigen Leute“ für deren Engagement auf allen Ebenen, „Ich bin froh, solch gut ausgebildete und idealistische Helfer und Helferinnen, allesamt fachliche Experten, an meiner Seite zu haben. Letztes Jahr mussten viele Bewährungsproben bis an körperliche Grenzen bewältigt werden“, so Huber. Sie mahnte aber auch an, dass zusehends mehr Aufgaben und Aufwand auf immer weniger Schultern verteilt werden müssten. Dies verlange starke Nerven und viel Informationsaustausch. Froh sei sie, dass dem THW-Ortsverband BGL Sicherheit und Rückendeckung sowohl vom Landesverband wie der Geschäftsstelle Mühldorf gegeben werde. Beispielhaft erwähnte sie notwendige Anforderungen und unverzügliche Unterstützung von weiteren Einsatzkräften aus bayerischen THW-Ortsverbänden bei den schlimmen vorjährigen Überflutungen und dem gleich drauf folgendem Waldbrand.

Im Rahmen des ausführlichen Jahresrückblickes mit einem anschaulich gestalteten bildlichen Streifzug, per power point auf großer Leinwand, verdeutlichte Wolfgang Schwarz zunächst die Stundenübersicht. So hatten insgesamt 49 Helfer (unter ihnen elf Helferinnen) und 13 Junghelfer 17.429 Stunden geleistet, aufgeschlüsselt auf Dienst allgemein 8.600 Std., Einsatz etwa 5.400 Std., 1.560 Std. Standortausbildung zirka 1.450 Std. „Nachdem bereits im Jahr 2012 die Einsatzzahlen im Vergleich zu den eher ruhigen Vorjahren gestiegen sind, hat sich dieser Trend auch im vergangenen Jahr fortgesetzt, insbesondere durch zwei besondere Katastropheneinsätze in der Region“, erläuterte er.

Nach Monaten aufgeschlüsselt bekamen die Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck, was im Laufe des Jahres alles an menschlicher und vielfältig technischer Hilfe geleistet wurde. Bei der Unterstützung einer Vermisstensuche auf der Salzach konnte die Feuerwehr Oberndorf die gesuchte Person nur noch leblos bergen. Alarmiert wurde man zu einem Brand in Oberau, wobei eine Sicherheitsbewertung der Tragstrukturen des Gebäudes durch das Baufachberater-Team des Ortsverbandes nötig war. Einen überregionalen Einsatz hatten THW-Spezialisten, nämlich das im Ortsverband BGL stationierte ESS-Team bei einem Felssturz im mittelfränkischen Neuhaus an der Pegnitz. Da der Felssturz innerhalb des Stadtareals und eine weitere Gefährdung durch hängende und möglicherweise lockere Gesteinsmassen von mehreren hundert Tonnen gegeben war, erforderte dies eine Überwachung, Überprüfung und Analysierung bis in den sub-Millimeter-Bereich rund um die Uhr über mehrere Tage.

Nach heftigen langanhaltenden Regenfällen Ende Mai/Anfang Juni erfolgten Alarmierungen zu Einsatzstellen. Ein Murenabgang in Berchtesgaden war quasi der Auftakt zu Non-Stop-Ausrückungen. Wegen des rasch steigenden Hochwassers in Freilassing und nicht mehr möglicher Fluchtwege, kamen die Boote des THW zum Einsatz zur Personenrettung aus Gebäuden. Schwerpunkte der THW-Einsatzkräfte waren zudem Schutzmaßnahmen der Kläranlage und des Technikraumes im Badylon.

Im Bereich Heideweg konnte das THW mehrere Tauchpumpen, die größte davon mit einer Förderleistung von zirka 10.000 Liter/Minute, zum Einsatz bringen. Vollgelaufene Keller und Tiefgaragen wurden leer gepumpt, dabei erhielt man tatkräftige Hilfe von anderen Ortsverbänden aus ganz Bayern. Hierdurch konnte das Wohngebiet Neuhofham in Freilassing mit 90 betroffenen Haushalten schneller geräumt werden. Zu den Feuerwehren waren auch Bundwehrangehörige im Einsatz. Logistische und effektive Zusammenarbeit konnte gut gelöst werden.

Als Dauerbrenner im Hochwassereinsatz bezeichnete Wolfgang Schwarz die Unterstützung der Hebeanlage, da deren automatische Steuerung wegen der Überflutung ausgefallen war. Durch Straßensperren B 20 und Bahnunterführung und einer durch das Hochwasser zweigeteilte Stadt musste als einzige Verbindung zwischen Freilassing Nord/Süd die Bahnunterführung Perach freigehalten werden, wobei hier das aufsteigende Grundwasser ständig durch Abpumpen in Schach gehalten werden musste. Über eine Woche wurde der Abschnitt in Freilassing rund um die Uhr von Helfern des Ortsverbandes BGL betreut. Die THW-Küche musste in sieben Tagen 1000 Essen zubereiten. Aufgezeigt wurde in beeindruckenden Bildern auch die Unterstützung beim Abtransport unbrauchbar gewordener und verschlammter Möbel und Entsorgung des riesigen Sperrmüllhaufens.

Am 27. Juli geriet gegen 21.30 Uhr vermutlich durch einen Blitzeinschlag ein Waldstück nördlich des Thumsees in Brand. Anhaltende Hitze und daraus folgende Trockenheit trugen dazu bei, dass sich das Feuer schnell auf eine Fläche von etwa 25 Hektar ausbreitete. Auf Grund der örtlichen Begebenheiten war die Brandstelle nur sehr schwer für die Einsatzkräfte zu erreichen und ein Löschen zum größten Teil nur mit Luftunterstützung möglich, wofür insgesamt acht Hubschrauber eingesetzt wurden. Trotz dieser Hilfe von oben, war es notwendig Glutnester von Boden aus zu bekämpfen. Der schrofendurchsetzte und bewaldete Grashang mit einer Steigung von stellenweise über 45 Grad forderte die Kräfte körperlich enorm, zumal die im Hang beschäftigten Helfer bei der zusätzlichen hochsommerlichen Hitze in der direkten Sonneneinstrahlung Temperaturen bis zu 70 Grad ausgesetzt waren. Wie schon beim Hochwasser zuvor mit 14 Einheiten aus elf Ortsverbänden, bekam das THW Berchtesgadener Land Unterstützung von 154 Einsatzkräften aus 13 bayerischen Ortsverbänden um die Feuerwehren mit dem Aufbau von Schlauchleitungen bzw. Bekämpfung von Glutnestern mit Feuerpatsche, Schaufel und Spaten bei den Löscharbeiten zu unterstützen.

Nach einem Murenabgang auf der Nordseite des Hochstaufens bekam das THW BGL eine Anfrage, ob es mit der Rettungsspinne bei der Murenbeseitigung Hilfe leisten könnte. Die Hauptmaterialablagerung der Mure war im Bereich zum Einstieg des Pidinger Klettersteiges angesiedelt. Eingehend wurde anhand der Fotos aufgezeigt, wie aus dem Schüttkegel eine Fahrtrasse geformt wurde, damit der zusätzlich angeforderte Radlader der zuständigen Gemeinde die Möglichkeit hatte, an die Einsatzstelle zu gelangen. Schlussendlich stieg die Rettungsspinne im Murenbett weiter auf und modellierte über etwa 50 Meter eine Rinne mit dem Ziel, dem dort abfließenden Regenwasser eine unschädliche Richtung geben zu können. Nach insgesamt fünf Tage war der erste Hochgebirgseinsatz für die THW-Rettungsspinne erfolgreich beendet.

Mit der Rettungsspinne galt es dann gleich einen nächsten Einsatz zu absolvieren, denn von der regionalen Forstverwaltung war man gebeten worden, gemeinsam mit Forst und Waldeigentümern einen Hangrutsch am Högl zu entschärfen. Nach dem Hochwasser im Juni hatte sich ein etwa 320 m langer und zwischen 19 und 47 m breiter Hang in Bewegung gesetzt. Die quer darüber verlaufende Forststraße war als einziger Zubringer mittlerweile nicht mehr nutzbar, da sich die aus Mergel und Höglsandstein zusammengesetzten Bodenmassen mittlerweile über vier Meter in Richtung Tal verschoben hatten.

Allerdings erwies sich die Mure in dem steilen und unwegsamen Gelände als erheblich widerspenstiger als erwartet. Die ursprünglichen Pläne, die in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt, Geologen und dem Forst entstanden, konnten nicht umgesetzt werden. Der Versuch mit der Rettungsspinne musste zunächst angebrochen werden. Nach einer Änderung der Strategie konnte über eine Alternativroute der Zielort mit der Rettungsspinne erreicht werden und die dort gezogenen Gräben leiten zusätzlich Wasser aus der Mure ab. Vorkehrungen wurde zudem getroffen, dass weiches Erdreich nicht mehr nachrutschen konnte. Nach drei Tagen konnte dieser Einsatz im unwegsamen Gelände beendet werden.

Die Rettungsspinnen-Crew des Ortsverbandes bannte Mitte November bei bereits winterlichen Bedingungen eine Felssturzgefahr in 1.000 Meter Meereshöhe am Hochstaufen, denn ein Felsblock mit mehreren Kubikmetern Größe hatte sich gelöst, wurde nur von einem Baum abgehalten, auf den darunter befindlichen Wanderweg zu poltern. Der Kalkfelsblock widersetzte sich der hydraulischen Meißelkraft der Einsatz-Rettungsspinne nur kurze Zeit. Stück für Stück wurde der Felsblock verkleinert, bis die Gefahr gebannt war. Zum weiteren Einsatz-Spektrum gehörte der Brand in der Watzmann-Therme, weitere Mithilfe bei Brände in Ainring, Hammerau, Bad Reichenhall, Piding, Ramsau und Freilassing, Bergwaldbrand im Nationalpark Berchtesgaden am Königssee. Aufgezeigt wurde der THV-Dienst an verkehrsreichen Tagen. Hierbei werden die Kräfte der Polizei und Autobahnmeisterei auf der Autobahn A8 im Einsatzgebiet zwischen Walserberg und Bernauer Berg unterstützt. Bei mehreren Unfällen wurde Hilfe geleistet und die Unfallstelle abgesichert.

Aufgezeigt wurden Übungen mit Rettung von Personen mittels Schleifkorb und Vakuummatratze im Bereich des alten Klärwerkes bei Bruch, in Surheim mit mehreren „Verletzten“, das Lkw-Fahrsicherheitstraining, Teilnahme an Ausbildung der Feuerwehr Freilassing, Mitwirken am alljährlich vom Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei organisierten Ausbildungsseminar „Große Schadenslagen“. Dabei handelt es sich um eine Flugzeugabsturz-Übung in Hammerau, gemeinsam mit Polizeikräfte und Rettungsorganisationen. Erörtert wurden von Wolfgang Schwarz auch diverse Ausbildungen und bestandene Prüfungen, wie zum Beispiel zum Motorsägenführer, das koordiniertes Führen der Rettungsspinne, die überregionale Mitarbeit des Ortsverbandes in Fachgebieten um wertvolle Entwicklungs- und Ausbildungsarbeit zu leisten. Beteiligt hatte man sich am Ferienprogramm der Gemeinde Ainring und Freilassing, an Verkehrsabsicherungen und zum Schluss erinnerte der Vortragende noch an den vorjährigen 3. Oktober, denn an diesem wunderbaren Sonntag feierte das THW Berchtesgadener Land sein 60jähriges Bestehen seit der Gründung im Oktober 1953. Wie seinerseits berichtet, wurde bei der gut besuchten Veranstaltung viel für alle Altersgruppen geboten. Wolfgang Schwarz schloss seine Ausführungen mit dem Dank an alle Helfer und Partner, Organisationen und an sämtliche Spender im vergangenen Jahr, „die damit unsere Arbeit anerkennen und unterstützen.“

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