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Zweiten Tag in Folge über 50

Inzidenz im BGL schnellt nach oben: Was steckt dahinter? Gesundheitsamt über Ursachen und Folgen

  • Christine Stanggassinger
    VonChristine Stanggassinger
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  • Markus Zwigl
    Markus Zwigl
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Mit dem Berchtesgadener Land hat der erste Landkreis in der Region die Marke der 50er-Inzidenz überschritten. Damit drohen wieder strengere Corona-Maßnahmen. Doch wie kam es dazu und was erwartet uns in den kommenden Tagen? BGLand24.de hat exklusiv mit dem Gesundheitsamt gesprochen und die aktuelle Lage bewertet.

Eine 7-Tage-Inzidenz von 58,5 meldete das Robert-Koch Institut am Montag. Am Dienstag liegt der Wert bei 59,5 und er droht weiter zu steigen. Am Mittwoch wird er aller Voraussicht nach den dritten Tag in Folge den vom Freistaat Bayern festgelegten Grenzwert von 50 überschreiten. Gemäß der 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung muss die Kreisverwaltungsbehörde dann eine entsprechende Bekanntmachung veröffentlichen. Die geänderten Maßnahmen, wie Kontaktbeschränkungen, Testpflicht bei Sport und Gastronomie, treten dann am fünften Tag in Kraft.

32 Neuinfektionen an nur einem Tag

Allein am Freitag wurden dem Gesundheitsamt Berchtesgadener Land 32 neue Corona-Fälle gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt gab es in den vergangenen sieben Tagen 62 neue Fälle. Bei acht Befunden wurde zudem eine Virusmutation festgestellt. Alle acht Fälle sind demnach der Delta-Variante zuzuordnen. Für die gemeldeten 62 Fälle wurden 91 Kontaktpersonen ermittelt, welche sich derzeit in Quarantäne befinden.

Die Behörden gehen derzeit davon aus, dass der Großteil der Infektionen weiterhin auf die bereits bekannte Ansteckungen im Umfeld einer Bar und mehrere Betriebe zurückzuführen sind. Nach unbestätigten Informationen von BGLand24 befindet sich diese Bar in Berchtesgaden. „Durch private Kontakte streute das Geschehen rasch weiter, darunter auch in Hotelbetriebe und Gastronomie. Ebenso sind Kindergärten und Schulklassen betroffen, hier wurde die Infektionskette über die Eltern übertragen. Eine Rolle spielt wohl auch die unmittelbare Nachbarschaft zu Salzburg, wo Diskotheken und Clubs geöffnet sind“, erklärte Alexandra Rothenbuchner, Pressesprecherin des Landratsamtes, im Gespräch mit BGLand24.de.

Vermehrte Kontakte durch Hochwasser als Infektionstreiber?

Doch wenn das Ausbruchsgeschehen auf diese eine Bar zurückzuführen sei, warum ist es dann nicht möglich, den Ausbruch frühzeitiger einzudämmen? „Das Gesundheitsamt konnte innerhalb kurzer Zeit das Ausbruchsgeschehen lokalisieren und Kontakte nachverfolgen. Da jedoch gerade im privaten Umfeld viele Kontakte stattgefunden haben und diese durch die Bürger selbst teilweise nicht vollständig rekonstruiert werden können, gestaltet sich die vollständige Eingrenzung in der Praxis schwierig“, so Rothenbuchner. Zudem würden die speziellen Bedingungen im beruflichen Umfeld zur weiteren Verbreitung beitragen. Übertragungen fänden häufig in Raucherpausen, bei Schichtwechsel oder beispielsweise bei Besprechungen statt.

In einem weiteren Punkt könne man jedoch etwas Entwarnung geben. Denn die vermehrten Kontakte durch das Hochwasser vor gut einer Woche haben dem Gesundheitsamt zufolge bislang noch keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen genommen. Die Thematik werde vom Gesundheitsamt beobachtet und bei positiven Fällen abgefragt. „Bis dato gibt es keine Anhaltspunkte, dass hier größere Infektionsketten stattgefunden haben.“

Abwasser-Monitoring wegen Hochwasser nicht möglich

Ein weiterer Vorteil im Berchtesgadener Land sei eigentlich das Abwasser-Monitoring, welches aktuell im Landkreis durchgeführt wird. Dies liefere dem Gesundheitsamt grundsätzlich einen Vorsprung von bis zu zehn Tagen. „Aufgrund des Hochwassers war vergangene Woche in der Kläranlage in Berchtesgaden jedoch keine Probenentnahme möglich“, erklärte Rothenbuchner.

Besonders bitter an der aktuelle Lage ist, dass die ersten Einschränkungen in der Schule wieder greifen, obwohl dieser Bereich aktuell weniger vom Ausbruchsgeschehen betroffen ist. „Allerdings beruht diese Regelung auf der vom Freistaat Bayern vorgegebenen 13. BayIfSMV, welche bayernweit einheitlich anzuwenden ist. In der Politik wird aktuell über andere Entscheidungskriterien diskutiert.“

Neue Entscheidungskriterien für Corona-Maßnahmen

Doch wie könnten andere Entscheidungskriterien aussehen? Schon länger wird über den Inzidenzwert als Richtwert diskutiert. Denn trotz steigender Inzidenz sind die Krankenhäuser bzw. die Intensivbetten derzeit nur sehr schwach belegt - so auch im Berchtesgadener Land. Diese Belegung fließt derzeit allerdings nicht in die Lagebeurteilung ein.

Stand heute wird in den Kliniken im Landkreis eine Person stationär behandelt. Dies ist sicherlich auch ein Erfolg der Impfkampagne, bei der ein Großteil der stärker gefährdeten Bevölkerung bereits geimpft wurde. Auch wurden in der jetzigen Viruszielgruppe (Jahrgänge 2000-1991) im Landkreis bisher keine schwere Krankheitsverläufe festgestellt“, ergänzt Rothenbuchner. Der Landkreis sei allerdings auch hier an die 13. BayIfSMV gebunden, wonach allein der Inzidenzwert als Richtwert entscheidend ist.

Mehr Freiheiten für Geimpfte?

Der Frage, ob Geimpfte mehr Freiheiten als Ungeimpfte bekommen sollten, weicht das Gesundheitsamt etwas aus. „Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen besteht auch bei geimpften Personen die Möglichkeit, sich mit dem Virus zu infizieren, auch wenn dieses Risiko weitaus geringer ist als bei Ungeimpften. Der Krankheitsverlauf ist dabei wesentlich milder bis asymptomatisch. Daher wird auch Geimpften empfohlen, sich bei Kontakt zu einer positiven Person testen zu lassen. Insgesamt betrachtet, genießen Geimpfte jedoch bereits mehr Freiheiten als Ungeimpfte (z.B. keine Verpflichtung zum Testen, keine Quarantäne als Kontaktperson, etc.).“

Wie sinnvoll ist die 3G-Regelung

Auch ob eine 3G(geimpft, getestet, genesen)-Pflicht solche Ausbruchsgeschehen, wie nun im Berchtesgadener Land, verhindern könnte, sehen die Experten des Gesundheitsamtes kritisch und appellieren an die Vernunft der Bürger. Denn aus medizinischer Sicht gebe es keine hundertprozentige Garantie, dass bei Anwendung der 3G-Regel keine Ausbrüche mehr geschehen würden.

Alle müssen bewusst und sorgfältig mit der jetzigen Situation umgehen.“ Das Gesundheitsamt appelliert daher an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger: „Bitte setzen Sie sich und Ihren Mitmenschen keinem unnötigen Risiko aus. Beachten Sie bitte die Hygieneregeln, nehmen Sie das breit angelegte Testangebot wahr und lassen Sie sich impfen – zum Schutz für sich selbst und für Ihre Mitmenschen.“ Nur so könne das Virus und seine Mutationen besiegt werden.

mz

Rubriklistenbild: © Montage dpa

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