Landratsämter aus Bad Reichenhall, Traunstein und Mühldorf geben Auskunft

Impffortschritt? Spontane Impfung? Warteliste? Entsorgung von Impfstoffen?

Zwischen 20 und 25 Prozent der Bürger haben im Landkreis Berchtesgadener Land, Traunstein und Mühldorf bereits eine Impfung erhalten.
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Zwischen 20 und 25 Prozent der Bürger haben im Landkreis Berchtesgadener Land, Traunstein und Mühldorf bereits eine Impfung erhalten.

Seit rund vier Monaten wird gegen das Coronavirus geimpft. Nach einem schleppendem Beginn werden nun wöchentlich immer mehr Bürgern ein Impfstoff verabreicht. Was passiert, wenn ein Impftermin abgesagt werden muss? Gibt es spontan Impfungen ohne Termin? Oder muss der Impfstoff sogar entsorgt werden? 

Landkreise – Stand 19. April hat bereits rund jeder vierter Bürger im Kreis Mühldorf mindestens eine Impfung erhalten. Im Landkreis Berchtesgadener Land waren es fast 22 Prozent (Stand 18. April). In Traunstein wurden 35.418 Personen und damit rund jeder fünfte Bürger mit der Erstimpfung versorgt (Stand 21. April).

Was passiert, wenn kurzfristig ein Impftermin abgesagt werden muss? Gibt es hierfür eine Warteliste?

In diesem Fall wird laut dem Landratsamt Berchtesgadener Land ein „Ersatzimpfling“ über das zentrale Registrierungsportal BayIMCO rekrutiert. Die Auswahl erfolgt nach den gültigen Priorisierungsregeln. „Eine separate Warteliste für Nachrücker gibt es nicht, da Ersatzimpflinge über BayIMCO ausgewählt werden“, so eine Behördensprecherin.

Ergänzend erklärt hier das Landratsamt Mühldorf: „Für den Fall, dass dies in der Kürze der Zeit nicht möglich ist und ein Verwurf der Impfdosis droht, führt das Impfzentrum eine Reserveliste mit priorisierten Angehörigen von systemrelevanten Einrichtungen. Hierzu zählen z.B. Krankenhaus, Arztpraxen, Hilfsorganisationen.“ Im Landkreis Traunstein gibt es eine Warteliste.

Können für die Impfung angemeldete Bürger spontan am Abend im Impfzentrum nachfragen, ob noch Impfstoff übrig ist?

Derzeit ist dies laut allen drei Landratsämtern nicht möglich. In Traunstein wird auf Listen u.a. mit Personen aus den Bereichen Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Pflege zurückgegriffen, die ggf. kurzfristig kontaktiert werden könnten. Private Personen sind hier nicht vorgesehen.

Können Impfdosen auch unabhängig von der Priorisierung verimpft werden?

Generell sei dies laut dem Landratsamt Traunstein nicht möglich. „Maßgeblich sind die Terminvorgaben durch das Registrierungsportal BayIMCO“, erklärt ein Behördensprecher.

Einen Ausnahmenfall gab es beispielsweise in Mühldorf, um den Verwurf von Impfdosen zu vermeiden oder um auf besondere Ausbruchsgeschehen zu reagieren. Letzteres war bei der Astra-Zeneca Sonderaktion der Fall, da der Landkreis aktuell eine sehr hohe 7-Tage-Inzidenz aufweist.

Auch im Berchtesgadener Land wird auf die Corona-Impfverordnung mit den bekannten Priorisierungsregelungen verwiesen. „Für die Sonderaktion mit AstraZeneca konnte diese für eine bestimmte Personengruppe (über 60-Jährige) kurzfristig außer Vollzug gesetzt werden“, so die Behördensprecherin.

Neuigkeiten gibt es hier seit Mittwochabend, den 21. April. Bayern hat den Impfstoff von Astrazeneca in Arztpraxen für alle Altersgruppen freigegeben, wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) mitteilte: „Die Priorisierung bei Astrazeneca ist ab sofort aufgehoben, der Impfstoff kann in den Arztpraxen auch Personen unter 60 Jahren angeboten werden.“ Voraussetzung ist eine ausführliche Beratung.

Wurde der gesamte AstraZeneca-Impfstoff im Rahmen der Sonderaktion verimpft?

Im Zuge der Sonderimpfaktion mit AstraZeneca konnten insgesamt 3.303 Impfungen, rund 90 Prozent, im Landkreis Berchtesgadener Land vorgenommen werden. Die verbliebenen Impfdosen werden diese Woche für Zweitimpfungen verwendet.

Im Kreis Mühldorf ließen sich vergangene Woche an den Standorten Mühldorf, Waldkraiburg und Haag einschließlich der Sonderaktion im Kulturbahnhof Neumarkt St. Veit rund 5.500 Landkreisbürger den Impfstoff als Erstimpfung verabreichen. In Traunstein wurde im Rahmen dieser Aktion der zusätzliche Impfstoff komplett verabreicht.

Wird der übrige Impfstoff an die Hausärzte weitergegeben?

„Es werden für die komplette Anzahl (abzüglich Zurückstellungen für Zweitimpfungen) an gelieferten Impfdosen Termine vergeben. Daher bleibt auch kein Impfstoff übrig, der an Hausärzte weitergegeben werden könnte“, erläutert ein Sprecher des Landratsamtes Traunstein. Auch im Impfzentrum im Landkreis Berchtesgadener Land gibt es derzeit keinen übrigen Impfstoff.

In Mühldorf dagegen wird der übrige Impfstoff sowohl an interessierte Arztpraxen abgegeben, als auch weiter durch das Impfzentrum bzw. dessen Außenstellen verimpft.

Wie lange sind die Impfstoffe haltbar?

Die aktuellen Chargen des Impfstoffes von AstraZeneca sind unterschiedlich lange haltbar. Ein Teil bis zum 30. Juni 2021, während der andere Teil bis zum 31. Juli haltbar ist. Impfstoff von Biontech/Pfizer muss innerhalb von 4 Tagen nach Anlieferung im Impfzentrum verimpft werden. Die aktuellen Chargen von Moderna sind bis zum 29.09.21 haltbar.

Wie viele Impfdosen mussten bereits entsorgt werden?

Bisher gab es im Impfzentrum im Landkreis Berchtesgadener Land keinen Verwurf aufgrund abgesagter Termine bzw. fehlender Impfwilliger. Seit Beginn der Impfungen wurde lediglich ein Vial mit sechs Dosen aus Qualitätsgründen ausgesondert. Hierzu ist ein entsprechender Bericht an BioNTech/Pfizer übermittelt worden, woraufhin die Phiole ersetzt wurde. Auch in Traunstein konnten bislang alle gelieferten Impfdosen verimpft werden.

„Der Verwurf von Impfstoffen ist so weit wie möglich zu vermeiden. Bislang mussten nur sehr wenige Impfdosen entsorgt werden“, erklärt eine Behördensprecherin vom Landratsamt Mühldorf.

jz

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