Niedergelassene im Raum Berchtesgadener Land und Altötting skeptisch

Nur unter diesen Voraussetzungen wollen Hausärzte in ihren Praxen impfen

Ab April sollen die niedergelassenen Ärzte in die Corona-Impfstrategie eingebunden werden. Die Impfungen in den Hausarztpraxen sollen Schwung in die bisher eher schleppend angelaufene Kampagne bringen. Die niedergelassenen Ärzte in der Region demonstrieren allerdings noch eine zurückhaltende Einstellung.

Landkreis Berchtesgadener Land/Landkreis Altötting - Im Vergleich zu anderen Staaten hinkt Deutschland bei den Impfungen gegen SARS-CoV2 hinterher. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek möchte daher die Impfstrategie massiv ausbauen: Während an der bewährten Struktur der Impfzentren festgehalten wird, sollen bald auch die Hausärzte ihre Patienten mit Impfangeboten gegen das Coronavirus versorgen.

Das Ziel der Politik: „Ein starkes Impfgerüst, um so möglichst vielen Menschen den Corona-Impfstoff möglichst leicht zugänglich zu machen.“

Impfen in den Hausarztpraxen: Pilotprojekt im Berchtesgadener Land

Dr. Reinhard Reichelt ist Leiter des ärztlichen Kreisverbands Berchtesgadener Land und hat bereits in diversen Krisenstäben immer für die Impfung bei den Niedergelassenen geworben: „Unser Landrat Kern und die Leiter des Impfzentrums waren dafür sehr offen, sodass wir Ende Januar ein Pilotprojekt in Arztpraxen gestartet haben. Inzwischen haben auch Spitzenpolitiker das Thema aufgegriffen. Im Berchtesgadener Land sind derzeit circa 20 Arztpraxen beteiligt, etliche befinden sich in der Warteposition.“

„Unglaublicher bürokratischer und immenser Papieraufwand“

Die Erfahrungen seien bisher „sehr positiv“: Der Hausarzt kenne seine Patienten schließlich am besten kennt. Und auch diese würden sich „sehr dankbar für diese Möglichkeit“ zeigen.

Das Hauptproblem jedoch stelle der „unglaubliche bürokratische Aufwand“, der noch zu erfüllen sei, dar. Besonders kritisiert werde Dr. Reichelt zufolge der „immense Papieraufwand“. Zusätzlich müsse ein staatliches Impfprogramm mit Daten gefüttert sowie die Priorisierung der Regierung erfüllt werden.

Impfen in niedergelassenen Praxen: Hausärzte im Raum Altötting noch skeptisch

Viele Koordinierungsärzte, so auch in Altötting, vertreten deshalb noch eine abwartende Haltung, unterstreicht Dr. Reichelt. „Wenn das Vorgehen so vereinfacht wird wie das Verfahren beim Grippeimpfen, dann werden sich die meisten Niedergelassenen am Covid-Impfen beteiligen.“

Dr. Jan Döllein, Sprecher der Hausärzte im Landkreis Altötting, teilt die Meinung seines Kollegen aus Schönau am Königsee. Auf keinen Fall dürfe die Regelversorgung in den Arztpraxen leiden, wenn der Fokus nur noch auf umfassende bürokratische Belastungen im Rahmen der Impfung gegen Covid-19 gelegt werden soll.

Die Hausärzte des Landkreises Altötting stehen dem Ganzen aktuell noch kritisch gegenüber, obwohl sie sich grundsätzlich „hochmotiviert“ dazu bekennen, in ihren Praxen durch Impfungen an der Pandemie-Bekämpfung mitzuwirken. „Die derzeitige Problematik besteht darin, dass die Hausarztpraxen vorerst nur als Satelliten des Impfzentrums wirken können - das heißt, weder auf die genaue Auswahl der zu Impfenden noch auf die sehr umfassenden Registrations-Mechanismen Einfluss zu haben.“

Impfungen streng nach dem aktuellen Priorisierungsstand durchzuführen würde laut Dr. Döllein zu „zahllosen Diskussionen und Zerrüttungen im Verhältnis der Hausärzte mit ihren vertrauten Patienten führen“. Das Ziel der Hausärzte im Landkreis Altötting sei zum derzeitigen Zeitpunkt die rege Mitarbeit im Impfzentrum, gegebenenfalls auch die Entlastung dieser zentralen Einheit bei zu hohen Impfstoffmengen.

Regelmäßiges Impfen in allen Hausarztpraxen des Landkreises binden die Ärzte an zwei Forderungen: Sie verlangen zum Ersten eine „komplette Aufhebung der Priorisierungsregelungen, sodass wir jeden unserer impfwilligen Patienten, ähnlich wie bei der Grippe-Impfung, impfen dürfen“.

Zum Zweiten möchten sie eine „erheblich verschlankte Registrationslösung“ - wie beispielsweise von der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vorgeschlagen - eine „digitale Strichliste, in der nur die Anzahl der Erst- und Zweitimpfungen am Ende der Sprechstunde gemeldet werden müssen“. Erst wenn diese Vorgaben erfüllt seien, werde man „mit aller Kraft in den Arztpraxen alle Patienten gegen Covid-19 impfen.“

mb

Rubriklistenbild: © Robert Michael

Kommentare