Frieden in Europa - Realschule besucht Belchatow

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Das weltweit größte Braunkohlekraftwerk brachte die deutschen Gäste ins Staunen.

Berchtesgadener Land - Die Europa-Union und die Maria-Ward-Realschule besuchten den polnischen Partnerlandkreis Belchatow und bringen interessante Erlebnisse mit.

Immer enger werden die nun schon seit über zehn Jahren andauernden Beziehungen der beiden Partnerlandkreise Belchatow und Berchtesgadener Land. Dies wurde nun beim gemeinsamen Besuch der polnischen Freunde durch die Europa-Union Berchtesgadener Land und der Bad Reichenhaller Maria-Ward-Realschule deutlich. Neben einem sehr abwechslungsreichen Programm für die deutschen Gäste gab es in Polen vom Kreisvorsitzenden der heimischen Europa-Union, Stefan Wieneke, aber auch nachdenkliche Töne.

Gar nicht gewöhnt waren es einige Schülerinnen der Bad Reichenhaller Maria-Ward-Realschule, als sie für ihre Verpflegung auf der langen Reise über Österreich und die Tschechische Republik in den polnischen Landkreis Belchatow gleich zweimal Geld tauschen mussten. So war man sich am Ende der Reise trotz aktuell immer mehr aufkommender kritischer politischer Strömungen einig, dass der Euro einer der größten Errungenschaften Europas ist und er daher in weiteren EU-Ländern eingeführt werden sollte.

In Polen angekommen wurde man wie immer sehr herzlich empfangen – vom dortigen Landrat Szczepan Chrzęst höchstpersönlich. Es war ausgerechnet der Abend, als sich Polen und Deutschland im Halbfinale der Volleyballweltmeisterschaft gegenüberstanden. „Vor und während des Spiels sind wir vielleicht noch Rivalen, aber nach dem Abpfiff können wir dann wieder Freunde sein“, scherzte Landrat Chrzęst.

Großen Applaus von den polnischen Anwesenden erhielt der Kreisvorsitzende der Europa-Union, Stefan Wieneke, als er den Polen für das Halbfinale alles Gute wünschte: „Wir sind schon Fußballweltmeister geworden, also gönne ich euch von ganzem Herzen den Volleyballtitel“, so der Reichenhaller zu den volleyballbegeisterten Polen. Polen gewann und wie es der Landrat angekündigt hatte, ging es danach auch freundschaftlich zu. Vor allem die üppige polnische Küche beeindruckte am ersten Abend die bei Gastfamilien untergebrachten deutschen Schülerinnen.

Am Morgen danach unternahm die Gruppe eine Stadtführung durch die gleichlautende Hauptstadt des Landkreises Belchatow, bevor sie ein Museum des polnischen Energiekonzerns „PGE“ besuchten. Gemeinsam mit den polnischen Gastgeschwistern bemalte man dann in einem Freizeitpark am Nachmittag T-Shirts der Freundschaft. Die älteren Reiseteilnehmer durften in einem Hochseilgarten ihre Kletterkünste unter Beweis stellen. Indem sich diese dann auch noch über einen See in schwindelerregender Höhe abseilen mussten, wollten die polnischen Gastgeber offenbar den Mut ihrer Freunde testen.

Am zweiten Tag besichtigte man nichts Geringeres als das weltweit größte Braunkohlekraftwerk. Der dortige Direktor stand den Gästen aus Deutschland auch Rede und Antwort. Diese interessierten sich vor allem auch für die künftige Nutzung des riesigen Areals – schließlich ist der Abbau von Braunkohle zeitlich begrenzt. Mit Lkw ging es hinab in die unvorstellbar große Grube, welche sogar aus dem All zu erkennen ist. Allein die Fahrt, welche wegen des nicht gerade geschmeidigen Bodens an die Rally Dakar erinnerte, war schon ein Erlebnis für sich. Selbst an Technik uninteressierten Teilnehmern war unten dann das Staunen im Gesicht abzulesen, angesichts der dortigen pompösen Maschinen.

Weniger abenteuerlich, dafür ebenso sehr interessant war am Nachmittag die Besichtigung einer Berufsschule. Die gastronomische Abteilung hatte für die Gäste leckere alkoholfreie Cocktails und Speisen vorbereitet. Die Berufsbildungssysteme von Polen und Deutschland unterscheiden sich grundlegend. Während in Deutschland ein Parallelsystem von Schule und Betrieb üblich ist, beschränkt sich die Ausbildung in Polen auf den schulischen Teil und erst danach wird in die Berufspraxis eingestiegen.

Als Ausklang des ereignisreichen Tages betätigte man sich dann noch körperlich im Sportzentrum von Belchatow. Ob Tischtennis, Tennis, Völkerball oder auch Seilziehen. Beide Länder bewegten sich stets auf Augenhöhe und lieferten sich packende Duelle.

„Theo wir fahren nach Lodz“ sang Vicky Leandros 1974 einmal. So auch im Bus auf dem Weg in die von Belchatow unweite polnische Medienstadt die deutschen Reiseteilnehmer. Auf dem Programm stand die Besichtigung des Staatsfernsehens TVP. Sichtlich Spaß machte es hierbei Jung und Alt, einmal Nachrichtensprecher oder auch Kameramann spielen zu dürfen. Auch die Blue-Sreen Technik hatte es den Schülerinnen angetan, konnten sie sich doch damit selbst in jeden Ort der Welt fiktiv einfügen.

In einer Therme ließ man es sich dann am Nachmittag noch gutgehen, bevor es am Abend zum Abschiedsgrillabend ging. Dieser ging in traumhafter und romantischen Idylle von statten, direkt an einem See im Wald gelegen.

Neben Discotanz, den üblichen Worten des Dankes von beiden Seiten sprach EU-Kreisvorsitzender Stefan Wieneke aber auch nachdenkliche Punkte an. Er erinnerte an den Beginn des 2. Weltkrieges, welcher sich nun zum 75. Mal jährte. Erst kürzlich habe er im Fernsehen eine Reportage über den weltbekannten polnischen Regisseur Roman Polanski gesehen. Dieser musste im Krakauer Ghetto, wo der Alltag von Angst, Hass und Leid geprägt war, aufwachsen. „Was würde ein Roman Polanski dafür geben, wenn er so aufwachsen hätte können wie ihr das tut? Während wir hier friedlich miteinander feiern, wusste unsere Groß- und Urgroßeltern nicht, ob sie den nächsten Tag überhaupt überleben würden“, so der Reichenhaller. Diesem Umstand müsse man viel mehr zu schätzen wissen, so der überzeugte Europäer schon fast etwas kritisch.

Am nächsten Morgen hieß es dann am Busparkplatz endgültig Abschied nehmen. Die eine oder andere Träne verdeutlichte die innige Freundschaft der beiden Länder. Die Europa Union und die Maria-Ward-Realschule, vertreten durch die Direktorin Ruth Schliebs und Beratungsrektorin Maria Bauer, bedankten sich bei den Gastgebern für die enorme Gastfreundschaft und das umfassende Programm.

In die Heimat Berchtesgadener Land ging es jedoch noch nicht. Anstatt dessen machte man sich auf den Weg nach Krakau, wo Europa-Unions Schatzmeister Hermann Kagerer in einer Stadtführung die wichtigsten Punkte der Stadt, angefangen von der Residenz Wawel bis hin zur Marienkirche, darstellte.

Im polnischen Staatsfernsehen TVP gab der Vorsitzende der Europa-Union, Stefan Wieneke, den Nachrichtensprecher. 

„Krakau ist einer der schönsten Städte in Europa“, verdeutlichte Kagerer dabei nicht zu Unrecht. Ob bei einem Besuch im Krakauer Hard-Rock-Cafe, dem Flanieren durch die Tuchhallen oder einem gemütlichen Spaziergang durch das im Dunkeln erleuchtete Krakau, jeder wusste die Polenreise auf seine Art ausklingen zu lassen, bevor es nach einer Übernachtung in der zweitgrößten polnischen Stadt am nächsten Morgen wieder in Richtung Bad Reichenhall ging.

Die Europa-Union und die Maria-Ward-Realschule zogen nach der Reise ein positives Resümee. Man wolle die Partnerschaft weiterhin mit Leben erfüllen und damit einen kleinen, aber enorm wichtigen Beitrag zum Frieden in Europa leisten. So wurde bereits gegenüber den polnischen Freunden eine Einladung zum Gegenbesuch im Jahre 2015 ausgesprochen.

Pressemeldung der Europa Union

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