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Baudirektor des Wasserwirtschaftsamt Traunstein erläutert Hintergründe

Experte zu Hochwasser-Katastrophe im BGL: So konnte es dazu kommen

Straßenschäden Berchtesgadener Land Hochwasser
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Unter anderem die B305 bei Berchtesgaden (links) und die B20 bei Bischofswiesen wurden durch das Unwetter massiv beschädigt.

Im Gespräch mit BGLand24.de erläutert Baudirektor Rainer Stemmer vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein, wie es zu den massiven Überflutungen am Wochenende im Berchtesgadener Land kommen konnte.

Landkreis Berchtesgadener Land/Traunstein - „Vor allem sind diverse Bäche und Flüsse über die Ufer getreten. Dies hatte zwei wesentliche Gründe. Zum ersten einmal, dass durch eine starke Zunahme an ‚Geschiebe‘ der Durchmesser der Gewässer verringert wurde und das Wasser sich dann einen anderen Weg suchte. Unter Geschiebe versteht man Material wie beispielsweise Sand, Kies und Steine, welche Fließgewässer an ihrem Grund transportieren“, erläutert Baudirektor Rainer Stemmer vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein gegenüber BGLand24.de. „Ein Gewässer kann bei dem enormen Zustrom an Wasser bei einer solchen Wetterlage enorme Fließgeschwindigkeiten aufnehmen, da führt es dann auch mal Steine und kleinere Felsbrocken mit sich, die sich sonst kaum vom Fleck rühren würden.“

Dieses „Geschiebe“ habe leider auch der eine oder andere unmittelbar zu sehen bekommen (Plus-Artikel BGLand24.de). „In ufernahen Bereichen waren ja teils Straßen und andere Flächen mit Kies, Schotter und Steinen übersäht. Das ist, als die Gewässer über die Ufer traten, mitgeführt worden. Und auch in diesem Fall wurde wegen der teils enormen Fließkraft des Wassers teils sowohl von der Menge als auch der Größe der mitgeführten Steine einiges angespült.“

Hochwasser-Katastrophe im Berchtesgadener Land am Wochenende: So kam es zu den Überflutungen

Am Samstag hatten sintflutartige Regenfälle in mehreren Orten im Landkreis Berchtesgadener Land den Fluss Ache sprunghaft ansteigen lassen und für Erdrutsche gesorgt. Zwei Menschen starben, Häuser und ein Hotel mussten geräumt werden. Das Landratsamt rief den Katastrophenfall aus. Die Feuerwehr war am Samstagabend pausenlos gefordert. Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Die Lage war teilweise dramatisch: Sturzfluten ergossen sich über die Straßen, Hänge rutschten ab, Keller liefen voll. Zeitweise erreichte die Ache historisch hohe Pegelstände. Schon am Samstagabend begannen Hilfskräfte vom Technischen Hilfswerk damit, Schutt und Schlamm beiseite zu räumen. Die Feuerwehr pumpte Keller leer. Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Aufräumarbeiten nach der Hochwasser-Katastrophe an der Adalbert-Stifter-Straße in Bischofswiesen. Das Hochwasser beförderte einiges an Geschiebe, also beispielsweise Sand, Kies und Steine über die Ufer hinaus.

„Der zweite Grund für das Überlaufen der Gewässer waren sogenannte Verklausungen“, erläutert Rainer Stemmer vom Wasserwirtschaftsamt weiter. „Das bedeutet, dass sich in den Fluten mitgeschwemmte Bäume, Äste und anderes Treibgut an bestimmten Stellen, beispielsweise Stauwehren, den Unterflüssen von Brücken und so weiter, verfangen haben und eine Art Damm wurden. Durch diesen Staueffekt kam es, zusätzlich zum erwähnten verringerten Durchmesser der Gewässer, ebenfalls zu Überflutungen beziehungsweise diese wurden noch verschärft.“ Überall im Berchtesgadener Land sah man deshalb am Wochenende Bagger im Einsatz, welche derartige Verklausungen beseitigten. Je nach örtlicher Lage und Größe des Materials wurde dieses entweder herausgefischt und abtransportiert oder in Fließrichtung begradigt, damit es vom Wasser davongetrieben wurde.

„Wie schon nach dem Starkregenereignis Mitte Juni erwähnt kann es unabhängig von den Ausuferungen der Gewässer zu Überschwemmungen kommen. Dieses sogenannte wild abfließende Wasser kann überall zu Schäden führen, insbesondere im alpinen Gebieten“, erläutert Stemmer weiter. „Das Wasser sucht sich dann ein neues Bett, in dem es fließen kann. Wenn es das in Form einer Straße mit geeigneten Verhältnissen findet, wird diese kurzfristig zum Fluss.“ Dies mussten am Wochenende auch einige Autofahrer erleben, die teils in brenzlige Situationen gerieten, als ihre Fahrzeuge plötzlich ins Schwimmen gerieten oder sogar fortgespült wurden (Plus-Artikel BGland24.de).

Arbeiten an Hochwasserschutz laufen auf Hochtouren

„Wie ich schon nach dem Hochwasser im Juni gesagt habe (Plus-Artikel BGland24.de): Einen absoluten Schutz vor Hochwasser kann und wird es leider nicht geben“, so Stemmer abschließend. „Ziel ist in Bayern, gemäß dem Landesentwicklungsplan, für alle Bürger langfristig den gleichen Hochwasserschutz herzustellen, das heißt den Hochwasserschutz vor einem hundertjährlichen Hochwasserereignis.“ Es würden im Amtsgebiet des Wasserwirtschaftsamts Traunstein, welches die Landkreise Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land umfasst, derzeit - nach bayernweiter Priorisierung gereiht - an mehr als 30 Hochwasserschutzprojekten, einschließlich eines Projekts in der Gemeinde Bischofswiesen, gearbeitet. „Damit ist die Planungsabteilung des Wasserwirtschaftsamt Traunstein vollständig ausgelastet mit der Konsequenz, dass die weiteren rund 180 anstehenden Hochwasserschutzprojekte im Amtsgebiet derzeit leider noch nicht in Angriff genommen werden konnten.“

Hochwasserschutzprojekte durchliefen nach einer teilweise mehrjährigen Planungsphase sogenannte öffentlich-rechtliche Wasserrechtsverfahren. „Aufgrund der Vielzahl der Vorhaben und der aufwendigen rechtlichen Genehmigungsschiene kann kein abschließender Endtermin für alle genannten Vorhaben genannt werden. Zudem können auch im Zuge des Klimawandels sich immer wieder neu Hochwasserschutzprojekte ergeben.“

hs

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