Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hitziger Energiemarkt auch im BGL

ESB-Chefeinkäufer Jürgen Hitz über die schwierige Marktsituation bei Strom und Erdgas

Jürgen Hitz ESB Energie Südbayern
+
Jürgen Hitz ESB Energie Südbayern

Berchtesgadener Land - Jürgen Hitz ist einer der Hauptverantwortlichen beim Aufbau der Watzmann Natur Energie. Für deren Hauptgesellschafter, die Energie Südbayern GmbH (ESB), trägt er die Verantwortung für den Ein- und Verkauf von Erdgas und Strom und sagt: “Der Grund für die Preisanstiege ist nicht der Ukrainekrieg.”

Morgen schon könnten Sie am Chiemsee nach Erdgas bohren und Gas fördern. Das sagten Sie bei einer Veranstaltung bei den Pidinger Milchwerken. Warum wird dort bislang kein Erdgas gefördert?

Jürgen Hitz: Es gab in der Vergangenheit immer wieder mal an verschiedenen Standorten Diskussionen und Überlegungen dazu. Am Chiemsee Gas zu fördern, war eine davon. Die ESB ist aber nicht in der Exploration tätig, daher sind hier andere Firmen sicher kompetenter.

Sie kaufen pro Jahr am Markt rund 18,5 Terrawattstunden Gas und Strom für die ESB ein. Wo liegen die Herausforderungen?

Hitz: 18,5 Terrawattstunden entsprechen 18,5 Milliarden Kilowattstunden. Wesentliche Herausforderungen sind zur Zeit das Risikomanagement und die Liquidität in Unternehmen zu managen. Das gilt nicht nur für das laufende Jahr, sondern auch darüber hinaus, teilweise bis 2026.

Sie sagen, Deutschland habe sich von billigen Preisen infizieren lassen. Der Grund für die Preisanstiege sei nicht der Krieg, sondern Nachfrage getriebene Entwicklungen.

Hitz: Die Preisbildung ist keine Momentaufnahme, sondern sie ist immer eine Entwicklung über die Zeit hinweg. Eine leichte Zunahme vieler Marktteilnehmer, die von einer langfristigen Beschaffung zu einer kurzfristigen Einkaufsstrategie gewechselt sind, war bereits vor Corona zu verzeichnen. Durch Corona sind die Energiepreise sehr stark gesunken. Daher ist ein Preisvergleich mit den Coronazeiten 2020/2021 falsch. Diese Entwicklung führte bei vielen Marktteilnehmern zu einer billigen und unrealistischen Preiswahrnehmung und teilweise auch zu einem geänderten Einkaufsverhalten. Die Nachfrage ist dann im vierten Quartal vergangenen Jahres, noch vor dem Ukraine-Krieg, stark angestiegen. Auch die Preise haben zu diesem Zeitpunkt bereits stark angezogen. Wegen des Krieges und der unsicheren Marktlagen haben sich diese Extremsituationen dann fortgesetzt, mit dem Preishöhepunkt im vergangenen August.

Panik und Angst sind das schlimmste Übel in diesen Zeiten. Teilschuld geben Sie den Medien.

Hitz: Ich vergebe keine Schuld. Man muss sich nur die Energiecharts oder andere Quellen in diesem Jahr genauer anschauen. Dort erkennt man sofort eine starke Verunsicherung der Verbraucher und Marktteilnehmer. Eine bessere und intensivere Recherche verschiedener Aspekte dieser sicher komplexen Energiethemen würde meistens helfen.

Dem Markt fehlt die Liquidität. Trotzdem empfehlen Sie, lieber gleich als erst deutlich später Gas zu kaufen. Wie passt das zusammen?

Hitz: Ein Rat an alle wäre, dem Markt die Liquidität etwa auf der Stromerzeugungsseite zu geben und Kraftwerke nicht aus dem Markt zu nehmen. In Zeiten, in denen die Märkte extreme Preise zeigen, wie etwa im August, sollte man keine Energie beschaffen. Hier ist aber ein Risikomanagement wichtig, um die eigene Risikoposition zu kennen. Die Märkte werden sich auch wieder beruhigen, wie derzeit etwa. Wichtig wird die Betrachtung der Märkte für die Jahre 2024 bis 2026. Je nach Betrieb und Risikoabwägung sollte man schon mal Teilmengen beschaffen. Jede andere Beschaffungsstrategie, etwa auf Spotmärkten zu spekulieren, muss man sich leisten können.

Was halten Sie von einem Gaspreisdeckel?

Hitz: Nichts. Wenn dieser kommt, wird sich sicher die Frage stellen, wie die Umsetzung erfolgt und wie lange dieser Preisdeckel am Ende überhauptgilt.

Sie sprechen sich klar für die Weiterführung von Kraftwerken aus. Auch für Windräder. Wie würde Ihrer Ansicht der Idealfall aussehen - und warum?

Hitz: Bis 2030 sollten alle verfügbaren Kraftwerke ans Netz gebracht werden. Die Aufgabe müsste auf europäischer Ebene gedacht werden. Alle zur Verfügung stehenden Erdgasbezugsquellen in Europa müssten zudem genutzt werden. Für den Idealfall müssten die Erneuerbaren Energien ausgebaut und mit möglichen zusätzlichen Gewinnen aus Atomkraftwerken und fossilen Kraftwerken finanziert werden. Auch die Wasserstofferzeugung gilt es, in diesem Zeitraum auszubauen, zudem die Lieferquellen. Bis 2030 könnte dann Erdgas durch Wasserstoff in allen Anwendungen ersetzt werden. In Summe sollte der Energiewende und dem Umbau des Energiesystems mehr Zeit gegeben werden, mindestens zehn Jahre. Die Zielsetzung sollte immer sein, eine Versorgungssicherheit zu schaffen: preisgünstig und ökologisch.

Können Sie prognostizieren, wie es mit dem Gaspreis weitergeht? Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung?

Hitz: Nein, das kann ich leider nicht. Der Erdgas-Großhandelspreis und auch der Strompreis werden in diesem Winter stark von der Witterung und von der Nachfrage gesteuert werden.

kp

Kommentare