Kurze, durchwachsene Hüttensaison kündigt sich an

Jahrhundert-Winter fordert DAV und Almbauern im Berchtesgadener Land

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Das Kehlsteinhaus konnte erst einen Monat später öffnen als üblich.
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Berchtesgadener Land - Der viele Schnee hat dafür gesorgt, dass viele Hütten und Almen im Mai noch nicht erreichbar waren. Die Schäden, die zu beseitigen sind, sind enorm. Der DAV und die Almbauern müssen viel Aufräumarbeit leisten.

Die Alpenvereinssektion Berchtesgaden betreut ein Gebiet von 172 Quadratkilometer und ein Wegenetz von 250 Kilometer. Vom Jenner über das Hagengebirge, Röth und das Steinerne Meer zum Wimbachgries, Hochkalter ins Lattengebirge, über den Rauhen Kopf und den Untersberg bis zum Eishöhlenweg erstreckt sich der Aufgabenbereich des DAV. An der österreichischen Grenze ist Schluss.

Allerdings fordert dieses Gebiet die Mitglieder in diesem Jahr sehr. "Wir sind gewaltig am Arbeiten", fasst es Wegereferent Wolfgang Feldbauer zusammen. "Aber es geht schon was weiter." Der Jahrhundert-Winter hat seine Spuren hinterlassen. Der Schneedruck hat ganze Arbeit geleistet: umgestürzte Bäume, Lawinen, Muren.

Für Thomas Huber ist es Ehrensache, bei der Wegearbeit in seiner Heimat zu helfen.

Mittlerweile ist bis zum Stöhrhaus am Untersberg fast alles freigeräumt. Auf einem Weg zum Scheibenkaser muss am Dienstagvormittag noch gesprengt werden, das neue Seil für den Mittagslochsteig soll dann auch hinauf geflogen werden. Dort haben einige Freiwillige fast einen Tag lang für die neuen Verankerungen gebohrt, mit dabei auch Extremkletterer Thomas Huber. "Wir helfen alle zusammen", freut sich Feldbauer.

"Wenn es nicht geht, sollten sie umkehren"

Trotzdem können einige Wege noch nicht freigegeben werden. "Der Grubenpfad ist noch schneebedeckt. Eine Begehung ist nicht zu empfehlen." Auch der Berchtesgadener Hochthronsteig ist für die nächsten Wochen nicht begehbar. "Es ist einfach zu gefährlich", so der Wegereferent. Er appelliert an die Vernunft der Bergsteiger: "Von oben kann immer noch etwas herunterkommen. Wenn es nicht geht, sollten sie umkehren."

Vor allem im Bereich Kehlstein ist der Winter noch spürbar. "Den Bereich Kehlstein/Ofnerboden habe ich noch gar nicht kontrolliert", gibt Wolfgang Feldbauer zu. "Es geht nicht alles auf einmal." Seit 8. Juni ist die Kehlsteinstraße aber wieder freigegeben und die Besucher kommen zu Norbert Eder ins Kehlsteinhaus. "Der erneute Schneefall im Mai hat uns viel Zeit gekostet, wir haben heuer einen Monat später aufgesperrt als in den letzten Jahren." Jetzt sei der Weg zum Gipfel aber schneefrei.

"Darüber hinaus zu gehen, ist nicht zu empfehlen", betont der Wirt. Dennoch scheinen die Tafeln von einigen nur sehr mühsam wahrgenommen zu werden. Das kann auch Bergwacht-Chiemgau-Geschäftsführer David Pichler bestätigen. "Die Frühjahrssituation ist in jedem Jahr ähnlich, wobei sie sich 2019 durch den vielen Schnee mehr als sonst in die Länge zieht. Unten im Tal ist Sommer und in den Höhenlagen liegt noch Schnee. Damit rechnen die wenigsten." Die Wanderer haben dann zwei Möglichkeiten: "Entweder ich drehe vor dem Schneefeld um oder ich versuche, drüber zu gehen." Mit Turnschuhen sei dieses Unterfangen nicht zu empfehlen. Die richtige Ausrüstung sei das Wichtigste. Dennoch ist man nicht sicher davor, abzurutschen. "Meistens kann ich das Gelände vor der Querung nicht abschätzen. Wenn ich auf dem Schneefeld ausrutsche, kann ich in einer Sandreiße landen und mich nur leicht verletzten oder ich lande im Absturzgebiet." Viele Wege sind auch schon begangen beziehungsweise eingetreten, was aber die Abrutschgefahr nur unwesentlich verringert.

David Pichler bittet die Wanderer noch um etwas Geduld. Die Berge werden bald schneefrei sein.

Wege, Zäune, Kaser instand setzen

Darauf hoffen auch die Almbauern in der Region. Hans Stöckl, der Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern bestätigt, dass Lawinenabgänge und der Schneedruck viel beschädigt haben. Vor allem Zäune und Zaunpfähle sind unter den Schneemassen zusammengebrochen, auch Gebäude wurden beschädigt. "Wir hatten nie so viele Anträge auf Unterstützung zu bearbeiten wie heuer", gibt er im Gespräch mit BGLand24 zu. Die Almbauern mussten Wege, Zäune, Kaser instand setzen. "Deshalb haben alle viel später aufgetrieben als sonst", weiß Stöckl. Seit vergangenem Wochenende sind aber die meisten Almen bestoßen.

Auch die meisten Hütten haben mittlerweile geöffnet. Doch Norbert Eder vom Kehlsteinhaus weiß: "Den einen Monat werden wir nicht mehr kompensieren können. Wir werden das beste daraus machen, aber es wird eine durchwachsene Saison werden." Dennoch ist er zuversichtlich. "Diese Schwankungen sind normal. In den letzten Jahren waren wir verwöhnt und mussten im Frühjahr nur wenig freischaufeln. Das haben wir heuer nachgeholt."

cz

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