Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

So ist die Lage im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land

Landrat Kern: „Vorsicht! In den Kellern hat derzeit niemand was zu suchen“

Landrat Bernhard Kern zur Hochwasser-Situation im Berchtesgadener Land
+
Landrat Bernhard Kern zeigt sich von der Hochwasser-Situation im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land schockiert.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
    schließen
  • Christine Stanggassinger
    Christine Stanggassinger
    schließen

Berchtesgadener Land - Murenabgänge, überflutete Straßen, evakuierte Häuser. Seit Samstagabend (17. Juli) beruhigt sich die Lage vor allem im südlichen Landkreis des Berchtesgadener Landes nicht. Landrat Bernhard Kern hat jetzt in einer Pressekonferenz einen Überblick über die Lage gegeben.

Live-Ticker:

Damit ist die Pressekonferenz geschlossen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Lage sehr schnell entwickelt hat. Es sind hunderte Rettungskräfte von Feuerwehr, THW, Bergwacht, Wasserwacht, BRK und Polizei im Einsatz. 130 Personen wurden evakuiert, da geologische Probleme unter anderem in einer Siedlung in Schönau am Königssee auftraten. Noch ist nicht klar, wann sie wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkönnen.

Klar ist, dass die Rettungskräfte durchgehend seit Samstagabend im Einsatz sind und bleiben werden, da noch nicht sicher ist, wie sich die Wetterlage im Laufe des Tages entwickelt. Am schlimmsten betroffen sind die Gemeinden Bischofswiesen, Schönau am Königssee und Berchtesgaden. „Dort sind es vor allem Sturzbäche, die punktuell in verschiedenen Ortsbereichen dramatische Situationen verursachen“, erklärt Kreisbrandinspektor Anton Brandner gegenüber BGLand24.de.

Am schlimmsten seien die Fälle für die Einsatzkräfte gewesen, in denen Personen in Häusern oder Autos eingeschlossen waren, so Brandner weiter. Für eine Person kam jede Hilfe zu spät, sie verstarb aufgrund des Unwetters. Eine weitere Person starb auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag, allerdings an einer natürlichen Todesursache.

Damit die Situation im südlichen Landkreis des Berchtesgadener Landes nicht noch schlimmer wird, appellieren alle Verantwortlichen daran, alle unnötigen Fahrten zu vermeiden. Sie können die Lage für den weiteren Verlauf des Tages derzeit nicht einschätzen.

Dringender Appell an die Bevölkerung im Berchtesgadener Land: „Bitte vermeiden Sie unnötige Fahrten“

„Wir haben im Prinzip drei Dinge, die uns Sorgen machen. Das sind die Fließgewässer, Sturzbäche, die sich spontan bilden und die Verstopfungen von Durchlässen. All diese Dinge können sehr schnell auftreten und ein Fahrzeug ist nur wenige Meter vor der reißenden Berchtesgadener Ache zum Stehen gekommen. Das ist aber Gott sei dank glimpflich verlaufen.“ Deshalb appelliert Anton Brandner noch einmal abschließend, alle unnötigen Fahrten zu vermeiden.

Die verklausten Durchlässe wurden auch nachts freigemacht, um weitere schlimmere Ereignisse zu verhindern, mit Schreitbagger des THW und den Feuerwehren aus dem Landkreis. „Derzeit zählen wir auf die Nachbarschaftshilfe, die uns vieles ermöglicht. Eine koordinierte Hilfsaktion gibt es noch nicht“, antwortet der Landrat auf die Frage nach möglichen Hilfsangeboten aus der Bevölkerung.

Wetter und Pegel-Prognosen im Berchtesgadener Land immer im Blick

„Das Wetter muss man im Auge behalten. Vorsicht, vorsicht, in den Kellern hat derzeit niemand mehr was zu suchen“, appelliert Landrat Bernhard Kern.

Die Pegel-Prognosen sind stark sinkend, aber eine Entwarnung sei noch nicht möglich. Der Bahnverkehr Berchtesgaden - Freilassing ist eingestellt und auch der Busverkehr ist zu großen Teilen eingestellt. „Die Infrastruktur ist extremst in Mitleidenschaft gezogen worden. Nicht nur Bahn, sondern auch überörtliche Straßen“, so Kern.

Es bahne sich derzeit eine Wettersituation an, die sich in die Region schiebt. Wie sich das auswirke, sei nicht absehbar, traut sich der Landrat keine Prognose zu. Er bittet aber, dass derzeit die Straßen soweit wie möglich frei gehalten werden sollen, da immer wieder Rettungskräfte im Berchtesgadener Land eintreffen. „Wir müssen Ruhe bewahren und die Lagen abarbeiten, damit den Hauptbetroffenen geholfen werden kann.“

Todesfälle und Evakuierungen - die Unwetter-Nacht forderte die Einsatzkräfte im Berchtesgadener Land

Auf die Todesfälle der vergangenen Nacht will Landrat Bernhard Kern nicht näher eingehen. Nur dass eine Person aufgrund des Wetters und der Unwettersituation ums Leben kam. Ansonsten solle mit Rücksicht auf die Angehörigen hier nicht mehr erfragt werden.

Im Bereich von Schönau am Königssee mussten in einer Siedlung rund 80 Personen aufgrund von geologischer Probleme evakuiert werden. Auch in einzelnen Gebäuden mussten Personen evakuiert werden. „Es gibt Situationen, wo‘s pressiert und Situationen in der man die Situation beobachtet“, so Einsatzleiter Anton Brandner. Rund 130 Personen seien evakuiert und auf akzeptablen Niveau untergebracht worden.

Wann und ob die Evakuierten wieder zurück in ihre Häuser können, wird ein Geologe bewerten. Mehr sei derzeit nicht abzusehen.

Dr. Fritz-Helge Voß vom THW

„Ich kann berichten, dass die örtlichen Kräfte des THW seit gestern Nacht im Dauereinsatz sind. Über Nacht kamen Räumfahrzeuge und andere Einheiten vom THW München, Straubing und Bad Tölz. Die Kräfte wurden frühzeitig angefordert und somit schon im Einsatz“, so Dr. Fritz-Helge Voß vom THW. 150 Kräfte sind bereits im Berchtesgadener Land im Einsatz.

Einsatzleiter Anton Brandner zur Lage

„Ich spreche den Angehörigen der Opfer und den Betroffenen mein herzliches Beileid aus“, beginnt Anton Brander, Kreisbrandinspektor und Einsatzleiter seine Ausführungen. „Solche Unwetterereignisse beginnen immer gleich, entwickeln sich aber unterschiedlich.“ Derzeit bewege man sich auf 500 Einsätze zu. Das dramatische sei gewesen, dass Menschen eingeschlossen waren, Fahrzeuge zum Spielball der Wassermassen wurden.

„Ich möchte der Bevölkerung bedanken, die sich sehr besonnen verhält, zusammenhält, das hält uns den Rücken frei.“ Anton Brandner hofft, dass auch der Katastrophentourismus nicht einsetzt. „Bitte unterlassen Sie unnötige Fahrten“, so sein Appell.

Bürgertelefon wird eingerichtet - Wetterlage bereitet große Sorgen

Noch macht am meisten die aktuelle Wetter-Entwicklung Sorgen. Deshalb wird es ein Bürgertelefon im Landratsamt geben. Denn auch der äußere und mittlere Landkreis habe Hochwasser-Gefährdungspotenzial. Mit den Bürgermeistern aller Gemeinden sei man im regen Austausch, so Landrat Bernhard Kern.

Stündlich gibt es den Austausch im Landratsamt, in dem die Lage immer wieder neu beurteilt wird. Selbst Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat sich bereits nach der Situation im südlichen Landkreis erkundigt.

Auch ein Bodengutachter hat im südlichen Landkreis bereits die Arbeit aufgenommen werden. Einige Bereiche mussten evakuiert werden. Die Evakuierungen liefen sehr geordnet ab. „Unter dem Begriff Nachbarschaftshilfe funktioniert das sehr gut“, so der Landrat. Die Bayerische Bereitschaftspolizei ist alarmiert und aus Königsbrunn auf dem Weg ins Berchtesgadener Land.

Pegelstände auf Rekordhöhe - sämtliche Rettungskräfte im Dauereinsatz

Selbst Bergwacht und Wasserwacht sei mit den Feuerwehren und dem THW im Einsatz. „Mit dem örtlichen Einsatzleiter Anton Brandner stand ich gestern Abend schon ständig in Kontakt. Derzeit hat er die Leitung an einen Kollegen übergeben“, führt Landrat Kern weiter aus.

Die Pegel haben die Stände von 2013 überschritten, womit kaum einer gerechnet hat. Der Landrat bedankt sich bei der überregionalen Hilfe, die aus den angrenzenden Landkreisen Traunstein, Altötting und dem angrenzenden Österreich gekommen ist.

„Wir waren gut vorbereitet“, lobt der Landrat weiter Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Polizei. Um 20.41 Uhr habe man sich im Landratsamt ausgetauscht und letztlich um 22.22 Uhr den Katastrophenfall ausrufen müssen. „Dieser darf nur für den gesamten Landkreis ausgerufen werden, auch wenn der mittlere und nördliche Landkreis derzeit nicht so schlimm betroffen ist.“

Zwei Todesopfer bei Unwetter im Berchtesgadener Land

Das große Problem sei, dass man zwei Todesopfer zu beklagen habe. Wobei ein Todesopfer einer natürlichen Todesursache erlegen sei. „Ich wünsche den Betroffenen und Angehörigen viel Kraft mit der Situation umzugehen“, so Kern.

„Man hat sich in der Nacht entschieden, dass man weiterarbeitet, dass man im Dauereinsatz bleibt, weil nicht bekannt war, wie sich die Regenereignisse entwickeln“, lobt Kern die Einsatzkräfte. Es sei eine weitere Regenfront auf Marktschellenberg, Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee und Ramsau auf dem Radar. Die Lage stellt sich kompliziert da.

Es geht los, Landrat Bernhard Kern eröffnet die Pressekonferenz. Es sei fast unvorstellbar, dass man in den Katastrophenfall eintreten musste und fast unvorstellbar, dass im südlichen Landkreis ein solches Unwetterereignis eingetreten sein. Mit Blick auf NRW und Rheinland-Pfalz sei man auf einmal selbst betroffen. Hilfskräfte seien im Dauereinsatz.

9 Uhr: Der Sitzungssaal im Landratsamt Berchtesgadener Land ist gut mit Medienvertretern gefüllt. Landrat Bernhard Kern sollte in Kürze vor die Presse treten. Vertreter von Feuerwehr und THW haben bereits ihre Plätze eingenommen.

Landkreis informiert über Folgen von Hochwasser in Oberbayern

Nach dem Hochwasser in Oberbayern wird der Landkreis Berchtesgadener Land am Sonntag (9 Uhr) über die aktuelle Lage und die Folgen informieren. (News-Ticker Sonntag) Am Samstag hatten sintflutartige Regenfälle in mehreren Orten den Fluss Ache sprunghaft ansteigen lassen und für Erdrutsche gesorgt (News-Ticker Samstag) Einzelne Häuser mussten geräumt werden. Zwei Menschen starben - ob deren Tod in Zusammenhang mit dem Hochwasser steht, war zunächst unklar. Das Landratsamt rief den Katastrophenfall aus.

Die Feuerwehr war in dem Landkreis am Samstagabend pausenlos gefordert. Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Die Lage war teilweise dramatisch: Sturzfluten ergossen sich über die Straßen, Hänge rutschten ab, Keller liefen voll. Zeitweise erreichte die Ache historisch hohe Pegelstände. Schon am Samstagabend begannen Hilfskräfte vom Technischen Hilfswerk damit, Schutt und Schlamm beiseite zu räumen. Die Feuerwehr pumpte Keller leer. Die Aufräumarbeiten werden aber voraussichtlich noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

DWD: Regen wird bis Sonntagabend anhalten

Reit im Winkl im Nachbarlandkreis Traunstein kam etwas glimpflicher davon. Auch dort verwandelte sich ein Bach in einen reißenden Strom, ein Ortsteil war nicht mehr erreichbar. Im Laufe des Abends beruhigte sich aber die Lage.

Der starke Regen und die Unwetter sollen nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes noch bis Sonntagabend anhalten. Zum Teil könnten am Alpenrand Mengen von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter fallen.

cz

Kommentare