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Amtsarzt im Landratsamt Berchtesgadener Land rechnet mit viele Fällen in Schulen und Kitas

Dr. Udo Langenhorst glaubt an eine vierte Welle: „Die Pandemie ist noch nicht vorbei“

Dr. Udo Langenhorst, Amtsarzt im Landratsamt Berchtesgadener Land,
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Dr. Udo Langenhorst, Amtsarzt im Landratsamt Berchtesgadener Land, über die Delta-Variante: „Im Vergleich zur Alpha-Variante wird die Infektiösität als zwei- bis dreifach höher eingeschätzt. Erfreulich dagegen ist, dass schwere Verläufe bei komplett Geimpften nur selten auftreten.“

Landkreis Berchtesgadener Land – Im Interview mit BGLand24.de spricht Dr. Udo Langenhorst, Amtsarzt im Landratsamt Berchtesgadener Land, über die Gefährlichkeit der Delta-Variante und eine mögliche vierte Welle. Dabei rechnet er mit viele Infektionen in Schulen und Kitas.

Die Corona-Neuinfektionen sind rückläufig. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Entsprechend dem bundesweiten Trend sind die Zahlen in den vergangenen Wochen auch im Berchtesgadener Land kontinuierlich zurückgegangen. Parallel wurden Lockerungen in nahezu allen Lebensbereichen zugelassen, was im Unterschied zum Vorjahr bisher nicht zu einer Trendumkehr geführt hat. Dieser Erfolg ist vor allem auf die Impfungen in der anfangs besonders stark betroffenen älteren Bevölkerung und in den wichtigen Schlüsselstellen wie bei Pflege- und ärztlichem Personal zurückzuführen. Aber auch die sorgfältige Umsetzung der AHA-L-Regeln zeigt sich deutlich. Die Lockerungen waren für die Bevölkerung zur Regeneration jetzt dringend notwendig und sollten ohne Angst aber mit dem weiterhin notwendigen Respekt vor diesem schwer berechenbaren Virus genossen werden.

Sorgen bereitet die Delta-Variante, die inzwischen auch im Landkreis angekommen ist. Was macht Sie so gefährlich?

Nicht zu unterschätzen ist die rasche Ausbreitung. Länder wie Großbritannien und die USA erlebten trotz höherer Durchimpfungsraten (akt. ca. 48,8 Prozent bzw. 46,9 Prozent) einen schnellen Anstieg der Coronazahlen. Im Vergleich zur Alpha-Variante wird die Infektiösität als zwei- bis dreifach höher eingeschätzt. Erfreulich dagegen ist, dass schwere Verläufe bei komplett Geimpften nur selten auftreten. Der Impfschutz zeigt sich auch an der zu beobachtenden Verschiebung der betroffenen Altersgruppen hin zu Kindern und jungen Erwachsenen. Dieser Trend kann bei Aufhebung der Mindestabstände in den Schulklassen und dem Wegfall der Maskenpflicht verstärkt werden. Eine mit der Impfung angestrebte Herdenimmunität funktioniert nur, wenn eine Mischung von Geimpften und Ungeimpften vorliegt. Das ist in den Kitas und Schulen definitiv nicht der Fall, sodass hier mit vermehrten Infektionen gerechnet werden muss.

Das normale Leben nimmt dennoch wieder Fahrt auf. Wiegt sich die Bevölkerung zu früh in Sicherheit?

Der Effekt ist bekannt: je mehr gefühlte oder auch reelle Sicherheit ich genieße (Beispiel: Sicherheitsassistenzsysteme im Auto), desto riskanter verhalte ich mich (Beispiel: höhere Geschwindigkeit). Gefördert wird dieser Prozess zusätzlich durch verschiedene „Entzugserscheinungen“, die bei einem jeden von uns wieder bedient werden wollen. Ich denke, dass wir uns derzeit ein gutes Stück sicherer fühlen dürfen. Die Pandemie ist jedoch nicht vorbei und auch Geimpfte sollten sich weiterhin an die AHA-L-Regeln halten.

Wie gut schützen Impfungen gegen neue Mutationen? Wie wichtig ist es diesbezüglich, dass ein Großteil der Bevölkerung möglichst bald geimpft ist?

Wie bereits erwähnt treten schwere Verläufe bei komplett Geimpften nur selten auf. Dazu ist aber zu sagen, dass wir in Deutschland beispielsweise im Vergleich zu den USA und Großbritannien mit einer Impfquote von rund 37 Prozent deutlich zurückliegen. Mit 31,3 Prozent liegt Portugal als neues Virusvariantengebiet nur wenig hinter uns. Eine unvollständige Impfung bietet insbesondere gegen die Delta-Variante keinen ausreichenden Schutz.

Fürchten Sie persönlich eine vierte Welle?

Ich rechne mit einer vierten Welle – aber hoffentlich nicht mit einer Überlastung des Gesundheitssystems. Die zurückliegenden 17 Monate haben allen Beteiligten sehr viel abverlangt. Sie benötigen eine möglichst lange Verschnaufpause zur Regeneration, was aber nur gelingen kann, wenn wir gesellschaftlich als Kollektiv verantwortungsbewusst auch mit unseren neuen Freiheiten umgehen. Ich hoffe, dass junge Menschen auch die kommenden Varianten meist ohne Langzeitfolgen überstehen. Bei den zuerst Geimpften steht im Herbst voraussichtlich die Organisation der Auffrischungsimpfungen auf der Agenda. Wir werden mit Corona leben müssen. Wie, das haben wir zu einem guten Teil selbst in der Hand.

Wie bereitet sich das Gesundheitsamt auf einen möglichen raschen Wiederanstieg vor? Oder ist das Sache von Bund und Länder?

Bei uns gibt es wenig Gelegenheit, die niedrigen Inzidenzen zu genießen, da viele unserer anderen Aufgaben ruhen mussten und sich aufgestaut haben. Das jetzige Personal ist uns zu einem guten Teil bis ins nächste Jahr zugesichert, sodass wir einer vierten Welle mit vorgeschultem Personal gegenüberstehen. Das ist entscheidend, denn die einzelnen Ausbruchssituationen werden durch die unterschiedlichen Vorgeschichten der Betroffenen (Genesen, halb/voll Geimpfte, Reiserückkehrer, …) und die deutlich umfangreicheren sozialen Kontaktsituationen immer komplexer. Den rechtlichen Rahmen (hier die BayIfSMV) geben ausschließlich die übergeordneten Landesbehörden vor. Unsere Aufgabe ist die Umsetzung und Aufklärung.

Vielen Dank für das Gespräch.

jz

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