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Fachkräfte ohne Wohnraum

Wohnungsmangel im BGL hat auch Auswirkungen auf händeringend benötigte Arbeitnehmer von außerhalb

Für viele Unternehmen sind Personalwohnungen mittlerweile unerlässlich, wenn es um das Thema Fachkraft geht. Die Flächen dazu sind jedoch rar. Am Obersalzberg entstehen derzeit 60 Personalwohnungen für das Fünf-Sterne-Hotel Kempinski.
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Für viele Unternehmen sind Personalwohnungen mittlerweile unerlässlich, wenn es um das Thema Fachkraft geht. Die Flächen dazu sind jedoch rar. Am Obersalzberg entstehen derzeit 60 Personalwohnungen für das Fünf-Sterne-Hotel Kempinski.

Fachkräfte für das Berchtesgadener Land zu rekrutieren, wird wegen einer sich verschärfenden Wohnungsknappheit immer schwieriger. “Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum für neue Fachkräfte”, sagt Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH. Dennoch werde man weiterhin für den Standort werben. Die Politik ist nun gefragt, geeignete Konzepte auf den Weg zu bringen. “Wir stehen im ständigen Austausch.” Für Herbst ist ein Runder Tisch angedacht, bei dem Arbeitgeber ihre Vorstellungen und Bedürfnisse äußern können.

Berchtesgadener Land - Dass das Gleichgewicht in Sachen bezahlbarer Wohnraum schon lange aus den Fugen geraten ist, wird immer deutlicher. Der Mangel trifft auch die Wirtschaft. Zwar könnte in wirtschaftlicher Hinsicht im Berchtesgadener Land jede Menge passieren, Investitionswünsche liegen auf dem Tisch - wenn die Flächen denn zur Verfügung stünden: “Wir haben allein 88000 Quadratmeter angefragte Neuansiedlungs- und Erweiterungsflächen für Gewerbe”, sagt Friedrich-Hussong. Doch wo bauen, wenn der Platz im Landkreis fehlt? 

Zudem kommt: Händeringend gesuchte Fachkräfte sind vor immer größere Herausforderungen gestellt, sich überhaupt niederlassen zu können. Die Unternehmen im Berchtesgadener Land suchen momentan vermehrt im Ausland nach geeignetem Personal. Nicht nur die Kliniken Südostbayern schreiben mittlerweile ihre Stellen gezielt dort aus. Bei mehreren großen Arbeitgebern im Landkreis arbeiten mehr als 20 Nationalitäten im Unternehmen, weiß Friedrich-Hussong. Wer nur in der Region und im benachbarten Österreich sucht, wird häufig nicht mehr fündig. Große Firmen rekrutieren deshalb ganz bewusst im Ausland, um überhaupt noch Arbeitskräfte zu finden. 

“Der Markt verändert sich von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt”, sagt Friedrich-Hussong. Bedeutet: Arbeitnehmer sind in der Position, sich umwerben zu lassen, flexible Arbeitszeiten und Gehaltsvorstellungen zu fordern, weitere Benefits inklusive. Dazu gehören auch Wohnungen - im besten Fall. “Unsere Unternehmen haben aber große Probleme, für ihre Fachkräfte Unterkünfte zu finden.” Die Rückmeldungen aus der Wirtschaft würde der Wirtschaftsservice umgehend an die Entscheider, Kommunen und Landratsamt, weitergeben. Mehrere große Firmen planen, sofern möglich, eigene Häuser für Mitarbeiter, haben Wohnungen angemietet, um sie Arbeitnehmern zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig kommt man damit Einheimischen aber in die Quere, die selbst nach Wohnraum suchen.

“Neue Konzepte und Ansätze sind nötig”, weiß Friedrich-Hussong. Die Thematik ist so komplex, dass Lösungen nicht von einem auf den anderen Tag gefunden werden können. Wo kann in Zukunft überhaupt noch gebaut werden? Existieren landwirtschaftliche Flächen, die künftig eine Nutzungsänderung erfahren könnten, umgewidmet werden, etwa in Wohn- oder Gewerbeflächen? Geht es im Berchtesgadener Land bald in die Höhe anstatt in die Fläche? 

Gefragt sind laut der gebürtigen Berchtesgadenerin ganzheitliche Konzepte: Denn zusätzlicher Wohnraum bedeutet zusätzliche Kindergärtenplätze für Zuzügler mit Familien, Mobilitätskonzepte und eine entsprechende Infrastruktur inklusive. Nicht zu vergessen: Integrationsangebote für ausländische Fachkräfte: “Eine Maßnahme bedingt die andere”, sagt die 44-Jährige, die nach eigener Aussage in engem und regelmäßigem Kontakt mit den Bürgermeistern des Landkreises und dem Landratsamt steht. Der Austausch sei “intensiv”.

Die Erwartungshaltung an die Entscheider seitens der Bürger: groß. Dass das sich nun zuspitzende Wohnraum-Problem über Jahre in dieser Dimension nicht erkannt wurde, die Sozialraumanalyse so manchem Verantwortlichen im Landkreis erst die Augen geöffnet hat, verstärkt die Notwendigkeit des Handelns nur noch. “Noch gibt es das alle Fragen beantwortende Konzept nicht”, sagt Friedrich-Hussong. 

kp

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